Droemer 2014
Droemer 2014

Susan Albers – EatQ

 

Die Nutzung Emotionaler Ressourcen zur Gewichtsabnahme

 

Vorweg gesagt, dass Thema des Gewichtes, des Schönheitsempfindens, die aktuell seit Jahrzehnten bereits andauernde Orientierung nach einem äußerlichen „schlank, fit, sportlich“ als einen fast „Haupt-„ Merkmal von Attraktivität zieht eine Runde nach der anderen. Keine Illustrierte ohne Diätvorschläge,  seitenweise Internetauftritte zu bestimmten Ernährungsvorschlägen, Fitness- und Ernährungsgurus treten vor die Öffentlichkeit und geben das scheinbar einzig wichtige Ziel aus: „Ich mach Dich fit“! (und schlank).

 

Und auch Susan Albers kann nicht verhindern, dass ihr neues Buch (auch wenn sie einen anderen Schwerpunkt letztendlich mit ihrem Programm zu setzen versucht), genau in diese Richtung auch wiederum verstanden werden kann. Wobei bei der Lektüre deutlich wird, dass ihre Zielrichtung doch eine andere ist. Der individuell gemäße „gute und achtsame“ Umgang mit dem Essen ist es, für den vor allem eine Kenntnis seiner selbst und eine Reflektion der eigenen Automatismen wichtig sind.

 

So interessant das ist, nicht mit äußerlicher Kasteiung, täglich stundenlangem Sport oder gezählten Kalorien am besten noch in Trennkost seine Tage zu fristen, sondern im Gesamten tiefere Schritte an die Ursachen, nicht an die Symptome zu gehen, es verbleibt dennoch auch während der Lektüre das „Abnehmen und schlank sein“ im Raum. Die durchaus wichtige Frage nach äußeren Schönheitsidealen im Wandel der Zeit und den Zusammenhang zwischen „im Außen das einzige Glück suchen“ und dem ständigen Scheitern an all dem, das kommt ein wenig zu kurz. Fällt aber nicht ganz unter den Tisch, auch das sei erwähnt.

 

Durchaus richtig nämlich geht Albers dem „Zuviel“ auf den Grund, den „Essattacken“, dem vermeintlichem Vergnügen, von Selbstbelohnung“ sprich, dem Versuch einer emotionalen Stützung von Außen. Und setzt diesem, auch in der Tradition der „Achtsamkeit“, den Blick nach Innen entgegen.

 

Wie das gehen kann, „gutes Essen aufzunehmen“ (als hohes Vergnügen), davon aber „nicht zu viel und nicht zu wenig“, das nun erläutert Albers in ihrem Buch durchaus nachvollziehbar und eingängig. Von Innen her. Und mit einem vorliegendem Training, dass einerseits zunächst zur Reflektion anleitet und in einem zweiten Schritt die Entfaltung der emotionalen Intelligenz in Bezug auf „das gute Essen“ dem Leser sehr praxisorientiert an die Hand gibt.

 

Denn erst durch eine innere Balance, durch eine stärker werdende Stimme einer durchaus ja vorhandenen „emotionalen Intelligenz“ wird der Mensch in der Lage sein, dem zu folgen, was ihm individuell gut tut und eben nicht im angebotenen Überfluss aus uralten Hungerinstinkten heraus sich zu verlieren. Eine innere Kraft, die zunächst viel weniger entfaltet werden soll, um konkret dem „Essen“ zu begegnen, sondern die sich als erstes reflektierend mit der Frage eigener „Stressoren“ auseinanderzusetzen hat. Reibungszustände, welche die Selbstkontrolle außer Kraft setzen und ganz automatisch, aber auch ebenso oft „falsch“ handeln lassen.

 

„Ruhig bleiben“ ist dabei die wichtigste Komponente und was Albers dem Leser als dringend „zu Erlernendes“ durchaus erfolgreich im Buch vermittelt ist die Fähigkeit, den Körper daran zu hindern, beständig und meist unnötig in den „Angst- oder Fluchtmodus“ zu wechseln. Weg also vom „primitiven Automationsmuster“ hin zur inneren Balance.

 

Die „achtsame Pause“ ist es, die Albers nahe bringt und während der Lektüre mit dem Leser eintrainiert. Statt „Gefühl-Entscheidung-umgehende Reaktion“ und dann das, was automatisch daraus folgt, legt sie dem Leser nach Gefühl und Moment der Entscheidung zunächst die „achtsame Pause“ vor Augen. Die dann eben nicht darin einmündet, „einfach zu machen“, sondern eine „von Einsicht gesteuerte Entscheidung“ zu treffen.

 

Achtsamkeit also ist das Moment, durch das die emotionale Intelligenz gestärkt und die Kontrolle über das, was geschieht, bestehen bleibt. Mit Folgen für das Essverhalten, dass in diesem Buch das zentrale Thema ist.

 

 

Gut zu lesen, einsichtig in der Darlegung, auch mit praktischen hinweisen versehen bietet Susan Albers auf dem „Markt der Gewichtsreduktion“ zumindest einen „inneren Ansatz“, der sich von vielen rein mechanischen Programmen wohltuend unterscheidet. Ohne aber die Ursachen vieler Schönheitsbilder (samt ihren Folgen auch in der plastischen Chirurgie= energisch und kritisch zu diskutieren.

 

M.Lehmann-Pape 2014