J.B.Metzler 2015
J.B.Metzler 2015

Thomas Hecken, Marcus S. Kleiner, André Menke – Popliteratur

 

Kompakte und kompetente Einführung

 

Auch wenn der Bereich der „populären Kultur“ natürlich umfassend und breit vorliegt und in den letzten Jahrzehnten bedingt durch die Ausweitung medialer Inhalte fast die gesamte Breite des kulturellen Bereiches mit betrifft, „Popliteratur“ im eigentlichen Sinne wird immer (zumindest akademisch) noch verstanden als Sammelbezeichnung für eine zeitliche Sphäre deutscher Literatur, die deutliche Einflüsse der Pop-Musik, Pop-Art oder andere medienkulturelle moderne Einflüsse aufweist.

 

Wie auch immer man nun aber den Begriff fast und versteht, Fakt ist, dass das „Genre Popliteratur sich zumindest als literaturgeschichtliche Kategorie durchgesetzt hat“.

 

Ein literarischer Trend, der sich seit Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts somit als Genre im kulturellen Bereich festgesetzt hat. Wobei von Anfang an, bis heute, gilt, dass ein Zugang die zu diesem Genre letztendlich nur unter Einbeziehung der Popmusik und der Pop -Art., mithin der „Pop-Historie“ wirklich möglich ist. Ein Umstand, dem die Autoren im Buch deutlich Rechnung tragen und ihre einzelnen Aspekte erkennbar in den Hintergrund der Pop-Musik und Pop-Art je einbetten. Dies bedeutet unter anderem auch, die eher deutsche Einordnung und Bezeichnung des Genres natürlich in den internationalen Rahmen der Pop-Kultur zu stellen. Einflüsse deutscher Popliteraten sind fast in Gänze anglizistischer Pop-Musik und Pop-Art zuzuschreiben.

 

So führt dieser gar nicht so umfangreiche und dennoch gehaltvolle Band zunächst in die Bereiche und Begriffe der Popliteratur ein.

 

Wie sich diese in den akademischen Rahmen der Literaturwissenschaft verankert ist hierbei der Startpunkt der Betrachtungen, bevor die Popkultur als solche differenziert aufgezeigt wird (in der Pop-Musik mehr als Musik ist und der Ausdruck dieses konkreten und von der populären Kultur bestimmten Genres sich über die Verbindung zwischen Literatur und Musik, Lebensart und Mode, New Pop, New Wave, Punk bis hin zur Pop-Art als Ausdrucksformen kulturellen Seins immer wieder erkennbar im literarischen Schaffen niederschlägt).

 

Das diese „Haltung“ längst den medialen Alltag erreicht hat, zeigen die Darlegungen über Pop-Journalismus und Pop und New-Journalismen (für den Tom Wolfe steht) erkennbar auf.

 

Die Poptheorie als „deutscher Sonderweg“ findet im Weiteren ebenso ihren Platz im Buch wie eine genauere Darlegung der Pop-Poetik, die sich im steten Wandel einerseits befindet und andererseits doch klar erkennbare und sich durchziehende Konturen aufweist.

 

Nach diesem theoretischen Diskurs des Werkes, wenden sich die Autoren einer Vielzahl von „Fallbetrachtungen“, konkreten Autoren und Werken zu und deklinieren an diesen die verdeutlichten theoretischen Rahmungen durch, wobei ebenso die Unterschiedlichkeiten der Herangehensweise und der Inhalte Beachtung findet.

 

Von Rolf Dieter Brinkmann über verschiedene einflussreiche Pop-Literaten der jeweiligen „Phase“ der 60er, 70er, 80er Jahre des letzten Jahrhunderts führt der Weg dann in die unmittelbare Gegenwart.

 

Sybille Berg als „Pop-Journalism“ moderner Prägung mit ihren Kolumnen und Pop Literatin mit ihrem Roman, Christian Kracht ebenfalls in seinen Anfängen als „literarischer Journalist“ hin zu seinem Romanwerk und seinen „Praktiken der Irritation“ in seinen künstlerischen kollaborierenden Grenzüberschreitungen, Benjamin von Stuckrad-Barre, Thomas Meinicke, Joachim Lottmann und viele andere, so gut wie alle bekannten Pop-Literaten werden im Buch sorgsam betrachtet und differenziert in ihrem Werk porträtiert.

 

Wobei auch neueste Werke bereits Berücksichtigung finden und damit, neben bereits differenzierten Betrachtungen und Interpretationen, auch Betrachtungsprozesse quasi „eröffnet“ werden, die im Lauf der nächsten Zeit noch deutlich weitere Diskussion hervorrufen werden.

 

 

Hier wird besonders deutlich, wie sehr die Autoren ihrem Ansatz treu bleiben, die eigenen, aus der Reflexion des Vergangenen gewonnenen, eigenen Maßstäbe sichtbar anzulegen und damit dem Leser einen konstruktiven und nachvollziehbaren Zugang zu diesem einflussreichen Genre zu ermöglichen.

 

M.Lehmann-Pape 2016