Nymphenburger Verlag 2018
Nymphenburger Verlag 2018

Thomas Hohensee – Stärker als das größte Leid

 

Wege zur inneren Stabilität

 

„Resilienz“ ist seit einigen Jahren Thema nicht weniger Ratgeber und Werken über „Lebenseinsicht“. Und tatsächlich ja durchaus eine innere Suche, ein Bestreben des Menschen, mehr auch innerlich souverän im Leben zu stehen, statt sich weitgehend äußeren, nur vermeintlich wirksamen, „Absicherungen“ und „Stützen“ anzuvertrauen.

 

„Täglich werden wir vor kleine und große Probleme gestellt“ und ebenso täglich ist der Mensch daher gefordert, seinen Weg zu finden. Wozu gehört, „bei sich bleiben“ zu können. Eine innere Stabilität, Resilienz im guten Falle zu entwickeln, weil eben „unverhofft oft kommt“ und starre, äußere Regeln immer wieder an die Grenzen überraschender und ungewohnter Herausforderungen stoßen.

 

Basierend auf der Trauma-Forschung, der Verhaltenstherapie und der Philosophie des Tao und des Stoizismus führt Hohensee in gewohnter ruhige rund einprägsamer Form den Leser zu den Grundlagen einer „Resilienz“.

 

Die, logischerweise, damit zu tun hat, seinen Ängsten offensiv zu begegnen. Denn alle äußere Absicherung und Vorsicht des Menschen dient ja in ersten Schritte vor allem dazu, allem Unangenehmen, dem Leiden, zu entkommen, im besten Falle dieses ganz zu vermeiden.

 

Was unter Stress setzt und letztlich, dass die Erfahrung eines gelebten Lebens, nicht wirklich gelingen wird.

 

Also wäre, das kann man Hohensee und den alten Einsichten nur folgen, es doch der bessere Weg für ein Leben, das Herausforderungen bewältigt, den Ängsten zu begegnen und eher zu lernen, Leiden annehmen und ertragen zu können als mittels vielfach künstlicher Hilfen und Krücken diesen „dunklen Bereich“ des Lebens ängstlich zu meiden. Denn Leiden gehört zum Leben.

 

Dieses anzunehmen wäre der erste Schritt, Leiden in konstruktive Energie „umzuwandeln“. Somit Leiden und Bedrängung nicht als „Bedrohung und Versagen“ zu bewerten, sondern einfach als eine andere, aber auch wertvolle, Perspektive, aus der heraus man zumindest aktiv agieren kann statt „am Boden zerstört“ das Leben dann völlig nurmehr „zu erleiden“.

 

Dazu hilft, dem Leiden einen persönlichen Sinn, eine „Bedeutung über den Moment“ hinaus verleihen zu können. Wasa natürlich nur möglich ist, wenn man bereit ist, sich mit sich selbst darüber auseinanderzusetzen, die bedrängende Stille des Leidens nicht zu meiden, sondern zu suchen (wo es nötig ist, wo es im Leben ansteht, nicht aus reinem Masochismus natürlich).

 

Zwei Schritte, die Einmünden in jene Haltung, die bewertungsfrei die Ereignisse des Lebens eben nicht in „gut und schlecht“ unterteilt, nicht in „wunderbar, mehr davon“ oder „schrecklich, weg, fliehen“, sondern mit einer Komponente des „Improvisierens“ versieht.

 

Was natürlich nur möglich ist, wenn man der eigenen, inneren Stärke vertraut, auch Situationen mit „offenem Ende“ aktiv anzugehen und sich vielfach eher von Intuitionen denn von starren „Gebrauchsanweisungen für schwierige Momente“ leiten lässt.

 

Mit persönlichen Geschichten, biographischen Erlebnissen versehen, gelingt es Hohensee, den Weg zu diesen drei „Wichtigkeiten“ für eine persönliche Resilienz griffig mit Beispielen zu versehen und die Sachkenntnis auf therapeutischer und philosophischer Ebene nicht abstrakt, sondern konkret zu vermitteln.

 

Dass nun „Vertrauen, innere Stärke und Gelassenheit“ nicht vom Himmel fallen und nicht einfach durch eine Lektüre plötzlich als Kompetenzen zur Verfügung stehen, dass ist dem Leser und auch, glücklicherweise, dem Autor klar.

 

 

So kann dieses übersichtliche, versehr verständliche Werk als Impuls dienen. Als eine Wegweisung, bei der deutlich wird, dass der Leser selbst durch Übungen, Lektüre und Reflexion sich „auf den Weg macht“. Die Richtung aber und die möglichen Etappen zur persönlichen Entfaltung, die setzt Hohensee fundiert und gekonnt vor Augen. Auch wenn es zunächst schwierig und ungewohnt wirkt, sich dem „Leid“ offensiv zu stellen, statt sich weg zu ducken. „In den Schmerz“ hineinzugehen, statt mit „Schmerztabletten“ sich (auch im übertragenen Sinne“ zu betäuben. Nur mit „klarem Kopf“ gelingt die Transformation eines „lähmenden Leides“ zu einer „kreativen Energiequelle“.

 

M.Lehmann-Pape 2018