Berlinverlag 2014
Berlinverlag 2014

Thomas Suddendorf – Der Unterschied

 

Das Besondere am Menschen

 

Offenkundig, selbst wenn bei manchen Forschungsergebnissen postuliert wird, dass es „intelligentere Tiere“ auf dieser Welt gibt, als den Menschen oder widerstandsfähigere und anpassungsfähigere Lebensformen, der Mensch besitzt eine Sonderstellung innerhlab des Tierreiches.


Was aber macht diesen Unterschied aus? Was führt dazu, dass der Mensch seine Umwelt innerhalb physikalischer Naturgesetze nachhaltig aktiv formt und sich damit, biblisch gesprochen, „die Erde und alles, was darauf ist, untertan macht“?

 

„Wir sind nur eine Spezies unter Millionen anderer und doch denken viele, wir wären etwas ganz Besonderes“.

 

Das hängt dies mit der „Evolution des menschlichen Geistes“ zusammen und dies wiederum ist das Spezialgebiet des Professors der Psychologie, Thomas Suddendorf. Die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschung vor allem in der Untersuchung der Entwicklung des menschlichen Geistes im Vergleich zu jener von Menschenaffen und andere Tieren legt Suddendorf nun sehr verständlich und flüssig verfasst mit diesem Buch vor.

 

Organismus, Tier, Wirbeltier, Primat, Hominide, all das beschreibt den Menschen von außen und all dem geht Suddendorf durchaus auch nach. Die eigentliche „Kraft“ des Menschen aber, das erweist Suddendorf methodisch und strukturiert (auch, wenn das Ergebnis keine Überraschung darstellt), ist, „dass unsere außerordentlichen Kräfte nicht aus Muskeln und Knochen erwachsen, sondern aus unserem Geist“.

 

Was allerdings aus wissenschaftlicher Betrachtungsweise her nicht, auch dies führt Suddendorf aus, durch ein „“höheres Wesen“ unbedingt verliehen worden sein muss. Wie auch in der allgemeinen Evolutionslehre können die Erkenntnisse des evolutionären Geschehens ebenso auf die innere, die geistige Entwicklung des Menschen angelegt werden. Wobei ein gewisser Unterschied von Beginn an, zumindest sehr früh, angelegt gewesen sein muss, um die hervorgehobene Stellung des Menschen innerhalb der Natur entfalten zu können.

 

Eine evolutionäre Entwicklung, so stellt Suddendorf fest, die nicht „in gerader Linie“, sondern mit Sprüngen verlaufen ist und zur Ausprägung jener besonderen Kräfte geführt hat.

 

„Geistige Kräfte“, die Suddendorf als eine „untrennbare Verbindung von Geist und Körper“ einordnet und zu Grunde legt.

 

Anhand vielfacher Beispiele aus seiner Forschung den und überzeugend argumentierten Folgerungen, die Suddendorf vorlegt, gepaart mit seinem sehr flüssigen und verständlichen Stil, arbeitet das Buch Schritt für Schritt eben jenen „besonderen Unterschied“ heraus.

 

Die Fantasie, die Möglichkeiten abstrakter Vorstellungen, gepaart mit dem instinktiven Bedürfnis zur Kommunikation und damit Mitteilung und Austausch von Informationen sind es, die den Menschen zum Menschen machen, jene Elemente, die die „geistige Evolution“ vorangetrieben haben und weiter voranbringen werden. Und dies mit höherer Geschwindigkeit als je zuvor, prognostiziert Suddendorf im Blick auf die der Menschheit zur Verfügung stehende Informationsmenge und des direkten Zugangs zu dieser durch die Vernetzung des Wissens.

 

Ein Prozess, der im Lauf der Entwicklung vor allem die Sprache immer weiter verfeinert hat und so den Menschen befähigt, auch feinste Nuancen seiner geistigen Tätigkeit mitzuteilen und in Kooperation zu bringen. Was Suddendorf in seiner „wahren Mittelerde“ und der darin geschilderten Entwicklung der Menschheit über die Jahrtausende hinweg facettenreich vor Augen führt und die Qualität der Möglichkeiten „genaue mentale Szenarien zu entwerfen“ nicht müde wird, zu betonen.

 

 

Ein sehr interessanter, verständlicher und fundiert vorgelegter „Status Quo“ der grundsätzlichen Entwicklungspsychologie.

 

M.Lehmann-Pape 2014