Hirzel 2011
Hirzel 2011

Thomas Worm, Claudia Karstedt – Lügendes Licht

 

Die Schattenseiten der Energiesparlampen

 

Es soll ja Menschen geben, die sich zu Zeiten fast alle freien Lagerflächen des Hauses oder der Wohnung mit den guten, alten Glühbirnen auf Vorrat voll geräumt haben, als es zum Beschluss zur europaweiten Umstellung auf „nur noch“ Energiesparlampen kam, der ab 2012 voll greifen wird.

 

Folgt man dem Buch von Worms und Karstedt, dann war dies ein sehr weiser und guter Entschluss. Denn es kann gut sein, dass jene Kritiker sachlich im Recht sind, die nur von „Energiesparschlampen“ sprechen. Angesichts einer Vielzahl praktischer Mängel, von der Höhe des Preises bis zur Lebensdauer und zur Herstellung verwendeter, giftiger Stoffe hin erstreckt sich die Problematik um das neue „künstliche“ Licht.

 

„Effizienztheoretiker“ nennen die Autoren dann auch jene offiziellen Verfechter der Energiesparlampen, die nicht müde werden, deren Vorteile anzupreisen und deren Nachteile totzuschweigen.

 

Nicht umsonst zumindest ist die Form eines rigiden, politischen Erlasses notwendig gewesen, um die „Vorteile“ der Technik an den Kunden zu bringen. Schon dies ein Verdachtsmoment, denn würden die Behauptungen zutreffen, dass in ausführlichem Umfang Geld eingespart werden könnte bei gleicher Leistung, hätte sicherlich der Kunde am Markt gern und freiwillig nur mehr zur Energiesparlampe gegriffen. Diese Rechnung aber scheint so einfach nicht aufzugehen, was die Autoren im buch an harten Fakten und Zahlen auch belegen können.

 

Ganz von allen technischen Fragen abgesehen, legen die Autoren zudem Wert auf die Funktion des Lichtes, hier nun natürlich des künstliches Lichtes, für die Befindlichkeit des Menschen und, vor allem, den Nutzwert für den Menschen. Auch hier schneidet die Energiesparlampe eher kläglich ab. Mehr noch, könnte es sein, dass Leuchtstoffröhren, die stark im blauen Spektrum Licht abstrahlen, gar gesundheitsschädlich sind?

 

Im gesamten Buch machen die Autoren aus ihrer äußerst kritischen Haltung der Energiesparlampe gegenüber keinen Hehl, doch reinweg polemisch werden sie nie. Mit sicherlich zugespitztem, ironischem Unterton legen sie vielmehr den Finger auf die diversen Wunden der „bahnbrechenden Licht-Veränderung“ und weisen nach, dass zumindest eine Vielzahl von positiven Behauptungen eher ungeprüft im Raum stehe, denn als gesicherter Vorteil der Technik gelten kann. Trotz der klar erkennbaren Positionierung der beiden Wissenschaftsjournalisten und einer daraus folgenden, klaren Argumentation allein gegen die Energiesparlampe, haben die Argumente Hand und Fuß und sind es wert, auch von verantwortlicher Seite her gründlich noch einmal bedacht zu werden.

 

Demokratisch-politischer Stil zumindest ist es nicht, in einem rigiden Hau-Ruck Verfahren eine Verordnung auf den Weg zu bringen, ohne sich den berechtigten Anfragen nach Sinn, Nutzen und Folgen für die Gesundheit ausführlich zu stellen und diese auch beantworten zu können. Wohl wird diese erneute, grundlegende Überlegung nicht passieren und so können sich jene freuen, die vielleicht auf Jahre hinaus mit der klassischen Glühbirne noch eingedeckt sind.

 

M.Lehmann-Pape 2011