Oekom 2014
Oekom 2014

Ulrich Schachtschneider – Freiheit, Gleichheit, Gelassenheit

 

Ausweg aus dem ökonomischen Wachstumszwang

 

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist gar keine so neue Idee. Schon vor Jahrzehnten begann diese Diskussion angesichts einer immer stärker werden Rationalisierung industrieller Fertigungsabläufen und den damit einhergehenden, stark schrumpfenden Angeboten von Arbeitsplätzen in den „traditionellen“ Berufen und Tätigkeiten.

 

Bis dato ist es (noch) anders gekommen, deutlich mehr „andere“ Arbeitsplätze sind entstanden im Vergleich zu den (durchaus auch vielen) klassischen Arbeitsplätzen, die entfallen sind.

 

Doch Ressourcen sind endlich, ein ständiges Wachstum (was die Ökonomie zum Erhalt der reinen Zahl der Arbeitsplätze grundlegend benötigt) stößt schon rein rechnerisch an seine Grenzen.

 

So ist verständlich, dass die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens immer neue Nahrung erhält. Auch in Sicht auf eine Freiheitsoption für den Einzelnen, dessen Existenz damit abgekoppelt von Erwerbsarbeit gesichert wäre.

 

Ulrich Schachtschneider verfolgt diese Idee überzeugt in seinem Buch und erweitert die bisherige Diskussion um den Blick auf die Ökologie.

 

„Zu einer neuen sozialen Idee gehört elementar ein Konzept, wie die ökologische Krise beantwortet werden kann“.

 

In seiner Idee eines „ökologischen Grundeinkommens“, die Schachtschneider im Buch von allen Seiten (auch von vielfach denkbaren Einwänden her) ausformuliert, indem die Mittel für ein solche Grundeinkommen aus ökologischen Umlagen und Abgaben heraus finanziert werden soll. Mit dem „Nebeneffekt“, dass durch entsprechende Abgaben und damit Verteuerung Produkte mit „gro0em ökologischem Fußabdruck“ entsprechende unattraktiver werden würden.

 

„Gelassenheit“ versteht Schachtschneider in diesem Zusammenhang dabei im Sinne einer Mäßigung in Bezug auf die Verwendung natürlicher Ressourcen. Nur auf der Basis einer solchen Mäßigung bleibt ausreichend übrig für alle.

 

Wie solche Abgaben praktisch umgesetzt werden können, ohne Arme zu benachteiligen, welche Rahmungen das annehmen müsste (freiheitliche Regulierung), was für eine geistige Grundhaltung sich entfalten müsste (Neubewertung von Arbeit im Sinne authentischen Arbeitens), wodurch modernes Wirtschaften gestützt werden würde  (Green New Deal ohne Wachstum), wie Mäßigung möglich wird und andere Aspekte mehr legt Schachtschneider im Folgenden vor die Augen des Lesers.

 

Sein Gebot der Mäßigung wendet er dabei auch auf die eigenen Ideen und die notwendige gesellschaftliche und ökonomische Veränderung an, „Langsamkeit“ ist ein wichtiges Element eines Umschwenkens hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommens auf der Basis ökologischer Berechnungen und Abgaben.

 

Sicher kling hier und da vieles noch ungesicherte zu sicher formuliert im Buch, vielfache Anfragen und Überlegungen müssen im weiteren Diskurs abgeklärt werden („Wege entstehen beim Gehen“, wie Schachtschneider durchaus propagiert).

 

Einige Gegenargumente nimmt Schachtschneider dabei bereits im Buch auf („Lässt sich doch nicht durchsetzen“…) und bietet erste Denkanstöße, zumindest in den Bereich praktischer Erfahrungen einzusteigen, statt im Vorfeld bereits rein auf der Basis von Vorurteilen es gar nicht erst zu erproben.

 

 

Eine interessante Idee mit einer interessanten „Berechnung und Finanzierung“ für ein Grundeinkommen bietet Schachtschneider im Buch, das im breiten Feld der öffentlichen Diskussion durchaus wahrgenommen werden sollte, auch wenn eine eins zu eins Umsetzung wohl umgehend nicht möglich sein dürfte.

 

M.Lehmann-Pape 2014