Berlinverlag 2014
Berlinverlag 2014

Warren Berger – Die Kunst des klugen Fragens

 

Eine absterbende Kunst?

 

Wie kommt man auf Antworten? Wie findet man Ideen? Wie geht man Dingen auf den Grund?

 

Indem man die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellt. Sich oder anderen oder gerichtet an ein noch nicht lösbar scheinendes Problem.

 

Und zu was fehlt der modernen Welt vor allem die Zeit? Was wird schon an den Schulen, in der Erziehung, aber auch später u,U. im Studium eher abgewöhnt?

 

Auf die passenden, klugen und richtigen Fragen überhaupt erst einmal zu kommen. Denn nicht nur Schüler, angesichts der Tsunamis der Informationsfluten ist der Mensch so sehr damit beschäftigt (oder wird beschäftigt) „Antworten“ in sich aufzusaugen und „Statements“ rasend schnell zu „produzieren“ (auf schulischer Ebene eben vermeintliches Faktenwissen reproduzieren zu können auf Frage der Lehrer oder Prüfer hin, statt eigene Fragen zu formulieren), dass jene „Kunst des klugen Fragens“ mehr und mehr nicht mehr ihre Zeit findet, nicht mehr nötig erscheint.

 

Dies aber ist weit gefehlt, folgt man Warren Berger in seinen fundierten, verständlichen und von der „Liebe zum Fragen“ durchdrungener Darlegung im Buch. Denn immer noch gilt in Bergers Augen: Wer nicht klug fragt, der kommt nirgendwo richtig hin und an. Und um Umkehrschluss bedeutet das eben, dass kluge Fragen, die nötige Zeit der Überlegung im Vorfeld und, natürlich, das entsprechende Warten auf Antworten einen hohen Erfolgsfaktoren für alle wesentlichen Bereiche des privaten und beruflichen Lebens darstellen.

 

Nach der „Situationsanalyse“ verfällt Berger im Buch nämlich  nicht in einen Sermon der Klage über den Zustand der „fragenlosen Welt“, sondern bietet dem Leser ganz praktisch und in vielerlei Hinsicht fast schon ein „Training“ dafür an, ein „klug Fragender“ zu werden.

 

Ganz auf der Basis dessen, dass „Alles mit „warum“ anfängt“.

 

Wie aber geht das, jenes „innovative Fragen“, das gehaltvolle Antworten dann hervorruft? Welcher Form bedürfen solche Fragen?? Im Privaten, persönlichen Bereich, in der Geschäftswelt, in Bezug auf das Leben an sich?

 

Ein Bereich, der schon zu führen Zeitpunkten der Überlegungen wichtig ist, auch wenn man mit „frühen Versionen einer Idee“ wahrscheinlich zunächst ein negative Feedback erhält. Zum einen kann hier die eigene Idee konkretisiert und überprüft werden, zum anderen ist negatives Feedback ein guter Indikator dafür, dass man allgemein Annahmen „in Frage“ gestellt hat und damit zumindest sich auf „neuem Gebiet“ bewegt.

 

Mit durchaus auch zunächst humorvoll klingenden praktischen „Ausgangsfragen“ (Wie bringt man einen grüßen Golfplatz auf einer kleine Insel unter? Was wäre, wenn wir uns selbst Konkurrenz machen? Sollten wir das Konzept des „Ruhestandes“ in den Ruhestand bringen?) löst Berger Neugier aus, die er sodann durchaus auf den wichtigen und innovativen „Kern der Fragen“ hin durch dekliniert.

 

Allerdings mit doch sehr vielen oft gleich wirkenden Formulierungen, die auf Dauer ermüden können. So ist anzuraten, sich, nach den einleitenden Klärungen, worum es Berger geht, direkt jenen Kapiteln zuzuwenden, deren Titel den konkreten Leser zunächst neugierig machen, statt sich seitenweise durch „zu viele Fragen“ zu kämpfen.

 

 

Ein interessantes und lebenspraktisches Buch, das nicht in der Gänze in gleicher Weise fesselt.

 

M.Lehmann-Pape 2014