Haufe 2017
Haufe 2017

Werner T. Fuchs – Crashkurs Storytelling

 

Umfassend und verständlich

 

Hermann Hesse schreibt in einer kleinen Erinnerung, dass es ihm die größte Lust an seinem Werk war, nach der ersten Fassung das „Streichen“ anfangen zu können. Durchgang um Durchgang, bis die Essenz seiner jeweiligen Geschichte geschärft und klar im Raum stand.

 

Was nicht heißt, nur die dringend benötigten Informationen in einer Geschichte zu erzählen. Durchaus sind sprachliche Möglichkeiten und die entsprechende sprachliche Umsetzung zur Weckung von Emotionen beim Leser gerade ja die Kunst des Geschichtenerzählers. Aber eine Kunst, die es zu schärfen gilt und bei der das, was nachher geschrieben steht, je im Dienst der Geschichte stehen soll oder eben weggestrichen wird.

 

Was Werner T. Fuchs als eines der Elemente eines gelungenen „Storytellings“ setzt.

 

„…..ist es gut, wenn sie das Element „Einfachheit“ schon während des Schreibens ihrer Geschichte immer im Auge behalten“.

 

Und ebenso natürlich, nicht von sich aus alleine zu denken, sondern „das Publikum“ mindestens genauso im Blick zu haben und einschätzen zu können, denn da soll die Geschichte ja „ankommen“.

 

Fuchs formuliert einfach, verständlich und klar, zudem mit einer lebendigen, mit leicht ironischer Note versehenen Sprache, die das Lesen flüssig und anregend gestaltet.

 

Auch da, wo wesentliche Erkenntnisse der Neurowissenschaften in Bezug auf das „Wirken und Erfassen“ von Geschichten (das Gehirn speichert „Geschichten“, aber nicht als „Block“, sondern in „Mustern“ an verschiedenen Stellen. Gute Geschichten wissen um diese „Mustervorlagen“ und knüpfen an diese an) von Fuchs erläutert werden.

 

Dennoch ist dies kein einfaches Buch.

 

Was nicht am Autor liegt, sondern am Subjekt des Autors und den vielfachen zu vermittelnden Informationen.

Und an dem unabdingbar notwendigen Weg des „Übens“, sollte man sich in die „Kunst des Sotrytellings“ wirklich einarbeiten wollen.

 

Etwas wirklich gut zu können, gerade was das Erzählen einer Geschichte, die Vermittlung von Informationen und Gefühlen durch Worte angeht, bedarf der Übung. Und nochmal der Übung.

 

Was Fuchs weiß und daher klare Übungsanweisungen im Buch durchgehend an die Hand gibt, die aus der Lektüre dann einen tatsächlichen „Crashkurs“ gestalten. Wobei es Fuchs jederzeit gelingt, kreative Anstöße zu geben, die im Leser dann auch eine „eigene Ideenbörse“ mit entstehen lassen und Impulse für eigene Geschichten in sich tragen.

 

Es bedarf also der konzentrierten Lesearbeit und eigenen Weiterarbeit, um die 22 verschiedenen „Masterplots“ (wie z.B. verbotene Liebe, Abenteuer, Rache, Reifung, Verfolgung, Versuchung u.a.) in Ruhe sich anzueignen; die, für Geschichten, die bewegen sollen, wichtigen „Konflikte“ zu erschießen und Helden, Gegenspieler, Nebendarsteller und Statisten in die eigene Geschichte (passend, nicht „irgendwie“) einzubauen.

 

Wobei es dabei gar nicht um die Verfassung von Romanen geht. Werbung, kurze Clips, schon Plakatwände alleine erzählen, wenn sie gut sind, Geschichten „die wirken“.

 

Das ist natürlich das Ziel des ganzen Unterfangens: das, was man ausdrücken möchte, für was man werben möchte bestmöglich in eine Geschichte zu fassen, die beim Hörer und Leser genauso ankommt, wie sie gemeint ist.

 

Wo diese ankommt beim Leser, davon künden die Neurowissenschaften. Welche Elemente möglich und nötig sind, davon erzählt Fuchs im Blick auf „Masterplots“, Personen, Kulissen, je gelungenem Anfang und Ende einer Geschichte. Wie diese bestens transportiert wird, davon handeln die Einlassungen über die „Andockstellen für das Publikum“ oder auch der kurze, aber sehr interessante Exkurs zu „Archetypen“ (als „Urformen“ menschlichen Handelns und damit grundlegender Emotionen).

 

Fuchs schließt seine Darstellung mit ganz handfesten, praktischen Verweisen auf „Fundorte für gute Geschichten“ (primär im eigenen Leben, dann aber an vielfachen Orten von Print und Internet, Medien und Film, Beobachtungen im Alltag, Zitate, selbst Statistiken können Impulse setzen und, und, und) und Einsatzorte für „Storys“ in diesem Sinne. Was natürlich ein ebenso breites Feld darstellt vom Bild in der Werbung über Marketing, Branding, Drehbuch und Film und vieles mehr.

 

 

Alles in allem eine breite, fundierte und alles Wichtige abdeckende Darstellung dessen, was Storytelling ist (und warum das so ist) und eine für den Leser überaus praktikable „Kursstruktur“, die zu Übungen bestens einlädt und damit die Fertigkeiten eines Storytelling vermittelt. Wenn man als Leser bereit ist, mit dem Buch wirklich zu arbeiten.

 

M.Lehmann-Pape 2017