Droemer 2013
Droemer 2013

Werner Tiki Küstenmacher – Die neue 3-Minuten Bibel

 

Auf den Punkt gebracht

 

„Die eindrucksvollsten Geschichten der Bibel sind, wenn man sie laut liest, fast alle unter drei Minuten lang“.

 

Das ist der Ausgangspunkt, den Küstenmacher in seinem neuen Buch zugrunde legt. Die alten Überlieferungen, Schätze der Religions- und Kulturgeschichte, wesentliche Botschaften des meist verkauften und meist übersetzen Buches der Welt, der Bibel.

 

Diesen Schatz an Erfahrungen, Einsichten, spirituellen Erlebnissen und wegweisenden Orientierungen einer „Fast-Food-Welt“ zugänglich zu machen, ohne zugleich den „Nährwert“ zu schmälern (wie es ansonsten bei Fast Food als Folge zu beobachten ist), auf dieser Linie balanciert Küstenmacher, der gelernte Pfarrer, durchaus geschickt.

 

„Wenn man weiß, das Kapitel dauert nur drei Minuten, traut man sich, mit dem Lesen anzufangen“. Klar aber muss ein, dass Küstenmacher nicht die Geschichten einfach  erzählt. Er nutzt die Kernverse der einzelnen Geschichten, um dann in kurzer Form Hinweise, Innerlichkeiten, Interpretationen zu formulieren, die den Zugang zum „Thema der einzelnen biblischen Geschichte“ eröffnet und diese eben nicht einfach nur nacherzählt.

 

Natürlich ist dabei der Adressat dieses Buches nicht nur der an sich bereits tiefer interessierte Bibelleser (auch wenn für schon tiefer in der Materie sich befindende Menschen die einzelnen Abschnitte des Buches in ihrer Interpretation durch Küstenmacher durchaus mit Gewinn zu lesen sind), sondern Heranführen will Küstenmacher gerade die Vielzahl jener, für welche die Bibel nur ein verstaubtes Buch von Gestern zu sein scheint. Insofern geht es im Buch nicht nur im die Geschwindigkeit, sondern auch um eine sprachliche Vereinfachung, ein „auf den Punkt bringen“ des Kerns der einzelnen Texte, ohne dabei theologisch sorglos zu verfahren.

 

Diese Gratwanderung, das kann man nach der Lektüre des Buches sagen, gelingt Küstenmacher durchaus. Er versteht es, in einfacher Sprache, kompakt und auf den Punkt hin zu formulieren, ohne den Sinngehalt der dargestellten Botschaften zu verwässern.

 

Bei der Schöpfung beginnt Küstenmacher und verweist kurz und knapp mit einer schönen Geschichte auf die ständige „Gegenwärtigkeit“ des Schöpfungsgeschehens, blickt somit „hinter“ die alte Geschichte und verweist nicht auf langatmige Textanalysen, sondern führt den Leser in seiner theologischen Prägung auf das, was für den Alltag, für das Jetzt, in diesen Texten an Angebot bereit liegt.

 

Eine Interpretationslinie, die sich durch die Geschichten aus Küstenmachers Sicht hin durchzieht.

 

Von der Genesis bis zur Offenbarung, von der Heiligkeit des Namens Gottes bis zur Auferstehung, dass nach dem Tod nicht die Ewigkeit beginnt, sondern Gottes Ewigkeit als „persönliches Stargate“ jetzt schon zeitlos Teil der glaubenden Existenz ist, das materieller Reichtum „nicht reich macht“ und Jesus nicht sonderlich traditionsbewusst war, vielfach sind die Anregungen im und durch das Buch. Man muss sich auf Küstenmachers theologische Linie schon einlassen, dann aber liest man das Buch durchaus mit Gewinn, auch wenn man nciht jeder theologischen Interpretation Küstenmachers zustimmt.

 

M.Lehmann-Pape 2013

 

M.Lehmann-Pape