Gütersloher Verlagshaus 2016
Gütersloher Verlagshaus 2016

Winfried Hille – Slow

 

Sehr verständlicher Überblick und fundierte Einführung in das Thema

 

„Downsizing“ oder eben „Ent-Schleunigen“, also es „Slow“ angehen, das ist seit Jahren und zu Recht ein wichtiges Thema. Nicht nur in der intellektuellen Diskussion, sondern ganz handfest und praktisch.

 

Verdichtung der Arbeitszeit, Reduzierung der Jahre der Schulausbildung, Erwartung hoher Mobilität und Fähigkeiten zum Multitasking, auch in der Freizeit eine Anhäufung vielfacher Angebote, gepaart mit dem immer höheren Interesse der „Selbstoptimierung“. Da ist, wenn schon vielleicht nicht der althergebrachte „Streß“, aber doch eine hohe Füllung der eigenen Zeit mit vielen Interessen an der Tagesordnung.

 

Für manche mag das unabdingbar sein, viele aber spüren durchaus sich steigernde negative Folgen dieser ständigen Aktivität. Was die Statistik an Steigerung des Verbrauchs von Schlaftabletten, Antidepressiva, Burnout und sonstigem aufzeigt zeigt, dass eine ständige „Be-Schleunigung“ nicht unbedingt gesunde Folgen hat.

 

Eine „Entschleunigung“ aber bedarf, da hat Winfried Hille recht, in der heutigen Zeit tatsächlich zunächst eine echte, persönliche Entscheidung für einen gewissen „Ausstieg“ aus dem Hamsterrad und dann eine andere Ausrichtung des eigenen Lebens auf eine gewisse „Entschleunigung“ hin.

 

Denn zunächst, so formuliert Hille, hat man ja einfach „keine Zeit“, um mal „mehr Zeit für sich zu haben“.

 

Mit folgen, denn letztendlich stimmt auch die Folgerung, die Hille zieht.

„Wir hetzen von uns weg“.

 

Beides stellt Hille überzeugend und sehr verständlich im Buch dar und bietet ebenso vielfache Hilfestellung für die eigenen Überlegungen und für die eigene, daraus folgende, Praxis.

 

Was es mit dem subjektiven Gefühl für „Zeit“ und mit deren „Nutzung“ auf sich hat, wie man der „ökonomischen Falle“ der Zeit, zunächst ein stückweit, entkommen kann, damit legt Hille im ersten Kapitel des Buches die Grundalge für „den Weg aus dem erschöpften Ich heraus“.

 

Und geht dann wesentliche Lebensbereiche Schritt für Schritt durch. Nie mit mahnendem Zeigefinger oder ideologischer Überhöhung, sondern grundsätzlich auf den jeweiligen Gewinn hinweisend, der in einer langsamen Herangehensweise zu finden sein wird.

 

Sei es beim Slow Walking, bei geplanter Langeweile (und wie man die nicht nur aushält, sondern sogar genießen lernt), sei es bei der Wiederentdeckung, dass „Liebe Zeit braucht“ und wie man diese Geduld findet, sei es „Zeit für Beziehungen“ oder aktuelle auch Moden wie „Slow Food“.

 

Mit Empathie, mit eigenen Anekdoten mit einem Aufruf zur eigenen Entscheidung am Ende des Buches bietet Hille in ruhigem und sachlichem Ton einen breiten Überblick über die „Entschleunigung“ wichtiger Lebensbereiche und ebenfalls eine tiefe Motivation zu derselben samt praktischer Ratschläge für den Leser.

 

 

Das Ganze zudem graphisch in den wichtigen Merkteilen gut gestaltet und eine Zusammenfassung von Regeln ganz zum Schluss führen zu einem gut möglichen Arbeiten mit dem Buch,

 

M.Lehmann-Pape 2016