J.B.Metzler 2018
J.B.Metzler 2018

Wolfgang Pleger – Das gute Leben

 

Vernunft, Glück, Ruhe, Genuss oder????

 

 

Die Ethik „verbindet das Streben nach Glück mit dem Anspruch der Vernunft“. Dies gilt, versteht man die Ethik in ihrer philosophischen Dimension. Und verstärkt sich, wenn man die Ethik aus systematischer Sicht betrachtet und, als These, mit Pleger, feststellen kann:

 

„Es gibt im Menschen eine, sein ganzes Leben lang begleitende, Intention auf ein „gutes Leben“. Gleichwohl ist seine Verwirklichung nicht durch Instinkte, d.h. durch die Natur, garantiert.

 

Die Frage nach dem guten Leben nun wäre eine einfache, wenn sie einem eindimensionalen   Ursache-Wirkung-Argumentationsschema entsprechen würde und damit wenige, allgemein einsichtige und gültige Grundsätze für ein gutes Leben darlegt.

 

Allerdings ist auch die philosophische Betrachtung, die „Exegese der Ethik“ in den einzelnen Epochen und den einzelnen philosophischen vor allem eines: mannigfaltig.

 

Stoisch das Leben hinnehmen oder das ganze als ein einziges Fest, wie im Hedonismus, betrachten? Der kühlen Logik stets folgen oder Intuitionen eher schärfen wollen?

 

Die Ethik als Eröffnung eines „Spielraumes der Freiheit“ für den Menschen durch die Reduktion der Bedeutung allein von Instinkten, bietet viele Freiheiten, und zwar je in den Systemen eindeutige Antworten, dass aber in vielfachen verschiedenen Systemen, die oft jedes für sich steht.

 

Hier kommt, auch das nimmt Pleger, wie alles andere im gesamten Werk auch, sorgfältig und nachvollziehbar auf, die Frage der „Verantwortlichkeit“ und damit die nach der dafür zuständigen „Instanz“ auf und zieht so seine einführende Darstellung von der „antiken Glücksethik“ (Glück nicht als Gefühl, sondern als umfassenden „Zustand“ dabei gesetzt)  über die „Vernunftethik“ (in der mittelalterlichen Reibung von „Glaube“ und „Vernunft“ entstanden, zur „Moral (Ethik und Metaethik), stellt die „Praktische Vernunft“ als „Pflichtethik “ vor Augen und geht der Frage nach dem „höchsten Wert“ (Das Leben an sich?) gründlich nach.

 

Ebenso finden im Werk die allgemein, statt (nur) individualistisch, angelegten Konzepte von „genetischen Konzepten der Ethik“, Moral, radikaler Moralkritik und politischer Ethik ihren Platz, flüssig in der Form und verständlich in den Argumenten dargestellt.

 

Damit erfüllt Pleger zunächst die vorrangig von ihm gestellte Aufgabe, die wesentlichen Konzepte der Ethik aus der Historie heraus verständlich zu erläutern.

 

Dabei eröffnen griffige Zitate jedes Kapitel und führen den Leser weiter zum Kern des jeweiligen Systems, das Pleger im historischen Kontext verankert und damit Geschichte und Systematik der einzelnen ethischen Konzepte in gleicher Weise zum Tragen bringt.

 

Das Buch endet allerdings nicht ohne eine, gelungen nachvollziehbare und dennoch natürlich je individuell zu beantwortende, Symbiose der vielfachen ethischen Konzepte zu einem Konzept des „guten Lebens als vernünftige Identität“. Ein Konzept, in dem die eigene, sorgsam abgewogene Haltung Plegers ebenso deutlich wird, wie er Vorgaben zur bestmöglichen Umsetzung in der Vermittlung anführt. Ein Konzept, bei dem Pleger dezidiert die „Dialektik“ als „Vermittlung von Gegensätzen“ zu Grunde legt und damit einen der Fehler vieler anderer Konzepte (sich in ein sich nicht widersprechendes Ganzes einfügen „zu müssen“ und damit „absoluten Wahrheitsanspruch“ und, nicht selten, eine „Beugung unbequemer Fakten, die nichts ins System passen“)) elegant und nachdenkenswert vor die Augen des Lesers führt.

 

 

Eine rundweg zu empfehlende Lektüre, die zum einen in die wesentlichen Konzepte der Ethik einführt, zudem Begrifflichkeiten schärft und voneinander trennt („Ethik“ und „Moral“ zum Beispiel) und zudem, als Ausblick, ein System an die Hand gibt, in dem ein „dialektischer Pragmatismus“, durchaus überzeugend, als (praktische) Anregung zum „guten Leben“ dem Leser zur Verfügung gestellt wird.

 

M.Lehmann-Pape 2018