C.H.Beck 2018
C.H.Beck 2018

Yuval Noah Harari – Homo Deus

 

Aufstieg und Untergang des Humanismus

 

War es Kennzeichnung des Humanismus (laut Harari), den Menschen auch zur Reflexion seiner selbst anzuleiten und damit die eigenen Beschränkungen gewahr werden zu lassen (nach Harari, Kennzeichen des „liberalen Humanismus“), so ist in einer anderen Strömung des Humanismus („evolutionärer Humanismus“) bereits das Saatgut für den Untergang des Humanismus (von Harari als „Religion“ gesetzt) gelegt.

 

Was im Übrigen mit einer doch steilen These zu Adolf Hitler einhergeht, vor allem aber darauf verweist, dass der Mensch der Moderne vor allem digital, technisch, data-basiert eine „neue Zukunft“ im Gesamten aufzuschlagen bereit zu sein scheint.

 

Während die Vergangenheit gleichbleibend von drei Kernfragen geprägt war: Hunger, Krankheit und Krieg, kann nun, laut Harari, ein durchaus anderes, vielleicht freieres, Leben angehen.

 

Durch Technologie und weltweite Vernetzung postuliert HArari eine Welt, die sich nicht mehr um diese jahrtausendealte Kernfragen dreht (die Harari zudem als Quellen der transzendenten Religionen ausmacht), sondern in der der Mensch (zunächst natürlich nur die Reichen) gar die Sterblichkeit weitgehend verbannen (wenn vielleicht auch nicht ganz aufheben können) und damit der Mensch an die traditionell Stelle Gottes rückt (homo deus statt homo sapiens).

 

„..wacht die Menschheit auf und macht eine erstaunliche Feststellung. Die meisten Menschen denken selten daran, doch in den letzten Jahrzehnten ist es uns gelungen, Hunger, Krankheit und Krieg im Zaum zu halten. Natürlich sind diese Probleme nicht vollständig gelöst, aber was einmal unbegreifliche und unkontrollierbare Kräfte der Natur waren, sind jetzt Herausforderungen, die sich bewältigen lassen“.

 

Eine steile These, der man so nicht durchgehend zustimmen kann (vielleicht war es nur der Schock des 2. Weltkrieges, der für ein paar Jahrzehnte relative Ruhe gesorgt hat, vielleicht werden Krankheiten besiegt, doch neue Gefährdungen tauchen auf wie Aids, Krebs, resistente Keime, die Natur geht aus dem Gelichgewicht etc.. Alles Gedanken, di zur Lektüre dazu gedacht werden sollten, ohne Hararis Kerngedanken unbedingt schmälern zu wollen). Die aber der Tendenz des Werkes entspricht, das „große Ganze“ in den Blick zu nehmen (durchaus mit bedenkenswerten Ideen und Wendungen) und sich nicht im „klein-klein“ zu erschöpfen.

 

Harari weist durchaus im ersten Teil seines Werkes ja nach, wie er seine Aussagen meint und welche Indizien für diese Thesen sprechen, bei allen Einwänden, die möglich sind.

 

Vor allem aber die Grundidee, die Harari durchaus fundiert vor Augen führt, lässt aufhorchen und ahnen, dass tatsächlich eine „Zeitenwende der besonderen Art“ bevorsteht. Ist der Mensch bereits durch Geräte inzwischen „vernetzt“ und dadurch Teil einer radikalen Revolution der globalen sozialen Entwicklungen (mit allen Vorteilen und Nachteilen), so steht einerseits durch die KI und andererseits vor allem durch weitere Biotechnologie der „technikverstärkte Mensch“ vor der Tür der Geschichte der Zukunft.

 

Eine Entwicklung, die sich vollziehen wird, eine Kraft des technischen Fortschritts, der sich die Menschheit nicht entziehen kann. Und bei der sich die Frage stellt, wie das ausgehen könnte.

 

Dazu legt Harari vielfache Gedanken vor, die allesamt kühn, aber durchaus erwägenswert formuliert werden. Als Möglichkeiten, wohlgemerkt, nicht als Postulate im Buch zu verstehen.

 

Was eine wichtige Lektüre trotz mancher fehlender Differenzierung und mancher einfach behaupteter und nicht unbedingt belegter Thesen darstellt, denn eine solche Zukunft mit solchen Möglichkeiten, aber auch Gefahren, sich an die Maschinen oder gar in den Maschinen zu verlieren bedarf einer klaren Haltung, um diese gestalten zu können.

 

Ein Entwurf einer möglichen Utopie, der nicht allzu weit von dem entfernt ist, was jetzt schon denkbar und möglich ist, der nicht in allem restlos überzeugt, aber genügend und vielfache Impulse in sich trägt, um die Komplexität der Zukunft zu erfassen.

 

Das ganze in ruhiger, klarer Sprache und sehr verständlich aufgearbeitet, ergibt am Ende einen umfassenden Blick auf die bisherigen sozialen und kulturellen Regeln der Menschheit und dem, was diesen Regeln an gravierenden Veränderungen bevorsteht, Die Harari ohne weiteres in ihren Vorboten sehr klar in der Gegenwart bereits benennt.

 

„Der Dataismus droht somit, homo sapiens das anzutun, was homo sapiens allen anderen Tieren angetan hat“.

 

 

Wenn nicht mit klarer Haltung Dieser Fortschritt aktiv zugunsten des Menschen geformt wird. Wonach es aktuell nicht unbedingt aussieht.

 

M.Lehmann-Pape 2018