Springer 2014
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Albert Wunsch – Mit mehr Selbst zum stabilen Ich

 

Zur Stärkung der emotional-sozialen Kompetenz

 

Mehr und mehr sehen sich Menschen in den modernen Gesellschaften privat, ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich vor zunehmende Aufgaben, Anforderungen gestellt und einer sich stetig steigernden, hohen „Lebensgeschwindigkeit“ ausgesetzt.

 

Da ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen (und die steigende Zahl psychischer Erkrankungen und Behandlungen bietet hier einen deutlichen Gradmesser), dass „der Mensch sich selbst verliert“. Zumindest vielfach ins Wanken und Schwanken gerät angesichts der vielen „wichtigen“, teilweise einander gar widersprechenden Anforderungen.

 

Mit Folgen, die Albert Wunsch zunächst drastisch formuliert auf den Punkt bringt:

 

„Egoismus, Beziehungsbrüche und Ausgebranntsein haben Hochkonjunktur, während Fairnis, Gradlinigkeit und Verlässlichkeit eher ein Schattendasein führen“.

 

Und das an jenen Orten, an denen man das feststellen kann, gar nicht immer aus einer Form moralischer Degeneration heraus, sondern eher aus einer Art Not. Es nicht besser zu wissen, den Überblick zu verlieren, den Anforderungen sich nicht gewachsen zu fühlen.

 

Um „Umsicht und Klarheit“ zu bewahren, um also Akteur des eigenen Lebens zu sein und zu bleiben und nicht nur reaktiv auf das Leben zu antworten (und das meist unüberlegt und mit Gefühlen der Überforderung), bedarf es der Stärkung des Selbst. Die Pflege und Entwicklung einer inneren Kompetenz, die zum einen verhilft, in den Winden des Lebens nicht ständig hin und her zu schwingen und die zum anderen ermöglicht, Situationen, Aufgaben und Herausforderungen mit ruhigem Verstand zunächst betrachten zu können.

 

Eine „Widerstandsfähigkeit“ gegen die Fährnisse des Lebens somit, die, nicht erst von Albert Wunsch in diesem Buch, seit längerem bereits in der öffentlichen Diskussion beleuchtet wird, die „Resilienz“.

 

Wobei Wunsch sehr ruhig und gut strukturiert im Folgenden diese „Kraft der Resilienz“ nicht nur erklärend füllt, sondern auch und vor allem die verschiedenen Umstände vor Augen legt, unter denen eine Resilienz wachsen kann (und was man selbst dafür tun kann).

 

Mithin erläutert Wunsch zum einen den persönlichen Nutzen der Resilienz und die persönlichen Einflussmöglichkeiten auf deren persönlicher Entwicklung (Wann wird Resilienz gebraucht? Wie kann man dem eigenen „Status der Resilienz“ auf die Spur kommen? Was kann man dafür tun, die eigene Resilienz gezielt zu erweitern).

 

Und zum anderen verweist er auf die „äußeren Umstände“, die, je nach Ausgestaltung, den Resilienzerwerb zu fördern oder zu hindern vermögen.

 

Das eine persönliche Entwicklung natürlich unter „ruhigen“ gesellschaftlichen Verhältnissen viel eher angegangen werden kann. Dass es auch Werte benötigt, die in Richtung eines mehr „Seins als Scheins“ gehen und nicht immer nur „Fassaden“ belohnen oder bevorzugen. Dass in der Erziehung „Selbstständigkeit“ zu souveränen und selbstwirksamen  Menschen hin das Ziel sein sollte, statt der Förderung zur Inkompetenz hin (auf die Reislienz bezogen. Beste Mathe Noten und Wiederkäuen von Lerninhalten machen noch keine „starken Menschen“).

 

Wie Wunsch sich zudem in Bezug auf Bindungsverhalten, Ernährung  Einbindung in eine sinnstiftenden Gemeinschaft einlässt als fördernde Faktoren für eine innere Resilienz.

 

Das wirkt hier und da etwas altbacken in der Formulierung und steht ein wenig auch in der „freien Luft“ als Behauptung zunächst, hat jedoch bei näherem Hinsehen (auch, was die Ernährung betrifft) durchaus genügend Hand und Fuß, um weitere Überlegungen beim Leser anzustoßen (und vielleicht eigene, u.U. auch andere Antworten und andere „förderliche Umgebungen“ als von Wunsch genannt, zu finden).

 

Gut gelöst im Buch ist zum Schluss die ganz praktische Arbeit mit der menschlichen „Aufnahmefähigkeit“. Aphorismen dem Leser vor Augen zu führen, in denen sich die wesentlichen Inhalte des Buches wiederspiegeln und kurz zusammenfassen.

 

 

Insgesamt eine ruhige, breite und verständliche Form der Annäherung an die Resilienz und ein überzeugendes Plädoyer für deren grundsätzliche Bedeutung in unüberschaubaren Situationen.

 

M.Lehmann-Pape 2014