Carl Auer 2010
Carl Auer 2010

Alfons Vansteenwegen – Bevor die Liebe Alltag wird

 

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Eine funktionierende, auf Liebe beruhende Beziehung als Paar hat für die meisten Menschen, trotz der hohen Zahlen an Scheidungen und Singlehaushalten, einen hohen, oft zentralen Stellenwert.

 

Ein Rezept aber für ein solches Gelingen ist bisher noch nirgends durchschlagend aufgetaucht, auch bei Nachfragen bei „erfolgreichen“ Paaren erhält man eine ganze Reihe differenzierter Antworten, je nach Paar eben. So wundert es nicht, dass die Regalwände der Buchhandlungen sich unter entsprechender Ratgeberliteratur zum Thema Liebe und Partnerschaft biegen. Auch hier sind die Ansätze vielfältig und das eine, durchschlagende Rezept hat noch keiner dieser Ratgeber geboten (siehe Scheidungszahlen und die Vielzahl der Singlehaushalte gerade in Metropolen).

 

Auch Alfons Vansteenwegen wird hier mit seinem Buch keine endgültige Abhilfe schaffen, unterscheidet sich aber in zwei Bereichen wohltuend von der Vielzahl anderer Ratgeber zum Thema.

Zum einen bietet er auf keiner Seite leichte Lösungen an.

In seinem Grundansatz, dass Menschen ob ihres Revierverhaltens und des Dranges nach Eigenverwirklichung eher ungeeignet für eine lebenslange Partnerschaft sich darstellen, liegt die Tücke möglicher funktionierender Beziehungen bereits begründet, eine Tücke, die eine echte Arbeit an sich selbst und aneinander nötig macht.

 

Der zweite Unterschied zu anderen Werken ähnlicher Thematiken besteht in seiner Loslösung des partnerschaftlichen Gelingens, zumindest ein stückweit, von der emotionalen Ebene.

Liebe ist bei Alfons Vansteenwegen partnerschaftlich betrachtet eher eine Haltung zu sich selbst und zum anderen als nur ein Gefühl. Der Vorteil dieser Betrachtungsweise ist, dass eine ganze Reihe anderer Umgangsweisen miteinander in den Raum treten können, wenn es gelingt, hoch emotionale Stimmungen zu verlassen. Besonders bedeutsam ist dies Haltung, weil Vansteenwegen das relationelle Denken in den Vordergrund setzt und die Möglichkeiten einer Beziehung in dem Maße sich steigern, in der auf dieser Beziehungsebene gedacht und gehandelt werden kann.

 

So kulminiert der gesamte Ansatz letztlich, nach vielen Vorbemerkungen, einigem Altbekannten, einigen Aha-Effekten auch über sich selbst zu guter Letzt im Bereich der Verhandlungen. Miteinander statt gegeneinander konstruktive Lösungen zu finden und dafür vor allem zu lernen, sich gemeinsam genügend Zeit zu geben.

 

Als Kommunikationskonzept ist Vansteenwegens Ansatz durchaus nicht neu, wird aber von ihm in überzeugender Weise in dem besonderen Kommunikationsraum Paarbeziehung entfaltet. Ein Allheilmittel ist sein Konzept dabei sicherlich nicht, durchaus aber mit einigen interessanten Erkenntnissen versehen und mit der ein oder anderen Hilfestellung. Es ist sicherlich richtig angeregt, die eigenen Bedürfnisse zu entzaubern und Emotionen herunterfahren zu können, um miteinander wieder ein sinnvolles Gespräch anzugehen.

 

Was allerdings der Titel soll., der eher auf auffrischende Elemente für eine langjährige Partnerschaft hin deutet, bleibt schleierhaft. Vansteenwegen bietet eine partnerschaftliche Kommunikationsmethode gepaart mit der Arbeit an sich selbst, nicht Tipps für ein kreatives Frischhalten der Liebe.

 

M.Lehmann-Pape 2010