Beltz 2009
Beltz 2009

Anton A. Bucher – Psychologie des Glücks – Ein Handbuch

 

Das höchste Gut

 

Wie auch in seinem Buch „Die Psychologie der Spiritualität“ macht sich Anton Bucher auf die Suche nach praktisch relevanten Spuren dieses großen Themas der Menschheit. Anders als in „Psychologie der Spiritualität“ geht es ihm hier nicht um eine Integration des Themas in andere Fachbereiche oder in eine praktische Nutzung für therapeutisches Arbeiten, sondern, dem Thema bestens angemessen, steht die Psychologie des Glücks zunächst für sich alleine.

 

Wer sucht es nicht, sein Glück? Wer wäre, gerade in schwierigen Momenten, nicht dankbar dafür, einige Hinweise, Anleitungen zu erhalten, wie sich der Zustand des Glückes steigern oder wenigstens ein wenig wieder herstellen lassen könnte? In wohltuender Abgrenzung zur Vielzahl fachlich oft unsäglicher und selbst sprachlich kaum zu ertragender Pseudo-Ratgeber, die den Markt seit Jahren zur „Glücksgewinnung“ überschwemmen, bietet Bucher eine wissenschaftlich fundierte, sprachlich verständliche, jederzeit differenzierte und, vor allem, tatsächlich praktisch nutzbare Betrachtung der Psychologie des Glücks.

Jenes „höchsten Gutes“, wie bereits Aristoteles konstatierte. Verwunderlich eigentlich, das gerade im Blick auf diesen mit stärksten Antrieb des Menschen das wissenschaftlich-psychologische Interesse am Glück erst in den letzten Jahren zögerlich in den Raum tritt. Die Masse an (verkaufter!) Möchtegernratgeber zumindest zeigt seit Jahrzehnten auf, wie menschlich wesentlich das Thema ist.

 

Wissenschaftlich strukturiert definiert Bucher zunächst, was Glück eigentlich ist und wie es überhaupt messbar sein kann. Sodann wendet er sich der Frage zu, was Menschen eigentlich (wirklich) glücklich macht. Nicht jeder erfüllte Wunsch und nicht jedes nach Glück ausgerichtete Streben trägt wirklich am Ende positive Emotionen in sich. Nach Klärung dieser Frage folgt folgerichtig das Thema, was Glück eigentlich bewirkt. Wohin führt diese positive Emotion? Was sind die Folgen eines glücklichen Zustandes? Im vierten Teil steht dann, inhaltlich abschließend, die Frage im Raum, ob sich Glück erhöhen lässt und, wenn ja, durch welche Strategien.

Eine Zusammenfassung rundet mitsamt einem Personen- und Sachregister den überaus positiven Eindruck des Buches ab.

 

Gerade die herausgearbeitete Erkenntnis, dass sich Glück nicht zwingen lässt und nicht im äußeren Erreichen von Zielen oder dem Besitz bestimmter Gegenstände erschließt, sondern eine Veränderung des eigenen Denkens und der eigenen Aktivitäten benötigt ist lesenswert und geht weit über pseudo–religiöse Mantras eines „positiven Denkens“ hinaus,

Es ist tatsächlich möglich, die eigene Glücksempfindung und das eigene, messbare Glück zu steigern, wenn man eben gerade nicht mit aller Gewalt das Glück zwingen will (Kierkegaard). Klare und erkennbare therapeutische Strategien werden im vorletzten Kapitel zudem hilfreich dargestellt.

 

Das hierfür aber eine ehrliche Reflektion der eigenen Haltung notwendig ist, dass es dafür tatsächlich zum Teil auch anstrengender Arbeit an sich selbst bedarf, das verschweigt Anton A. Bucher nicht, bietet aber zugleich handfeste Erkenntnisse und praxisrelevante Hinweise für das eigene Verständnis von wirklichem Glück und mögliche Wege, diesen Zustand im eigenen Leben zu mehren.

 

Ein zentrales Thema menschlichen Seins nimmt Anton A. Bucher in bekannt wissenschaftlich fundierter Form auf, stellt die gegenwärtigen Erkenntnisse nachvollziehbar dar und ermöglicht so eine klareres Begreifen des eher schwammigen und oft rein individuell emotional besetzten Begriffes „Glück“. Gleichermaßen geeignet für die psychologische Praxis und den ernsthaft interessierten Laien, dabei weit über die Masse an bedrucktem Papier hinausgehend, die sich „Glücksratgeber“ nennen.

 

M.Lehmann-Pape 2010