Kösel 2012
Kösel 2012

Bärbel Wardetzki – Nimm´s bitte nicht persönlich

 

Ratgeber zu schwierigen Emotionen

 

Eine schwierige Aufforderung zu einem sensiblen Thema ist es, welche die Diplom-Psychologin Bärbel Wardetzki dem Leser mit dem Titel des Buches nahelegt.

 

Kränkungen sind zum einen durchaus an der Tagesordnung und das zum anderen in einem Klima unter Menschen, von denen viele sehr  nach äußerer Anerkennung und „Gemocht werden“ geradezu streben und daher  hoch sensibel auf alles reagieren, was den eigenen Selbstwert in Frage stellen könnte. Konflikte und Streit sind ein verbreitetes Alltagserleben Kränkungen wirken lange nach und sind der Boden für oft harte Auseinandersetzungen.

 

In Ihrem schmalen Band gelingt es Wardetzki natürlich nicht mit einem Fingerschnipsen, für dauerhafte Abhilfe zu sorgen. Dennoch aber lohnt die aufmerksame Lektüre durchaus. Allein schon deshalb, weil Wardetzki sich sehr verständlich ausdrückt und einprägsam verdeutlicht, was eine Kränkung ist, wie solche Prozesse funktionieren und ihre schmerzliche Wirkung entfalten. Ein Verstehen entsteht, welches eine gute Voraussetzung für einen möglichen anderen, konstruktiveren Umgang mit erlebten und erteilten Kränkungen verschaffen kann.

 

Oft nämlich es so, dass aktuelle Kränkungen gar nicht die eigentliche Wurzel des Übels sind, der oder die andere mehr oder minder nur Symptome sind, die eine alte Wunde neu aufreißen und deshalb uns so sehr (oft unverhältnismäßig) in Wallung versetzen. Was genau kränkt uns? Welche alten Wunden werden da berührt und was können wir tun, um uns zu schützen? Das sind die Kernfragen, denen Wadetzki ruhig, sachlich, präzise und knapp nachgeht.

 

Und dabei den Leser einlädt, ihr auf dem Weg der Erkenntnisse über Kränkungen zu folgen. Wobei immer wieder wichtig im Raume steht:

„Die Kränkung trifft den wunden Punkt“.

Eben einen Punkt, der bereits vor der Kränkung existiert, der nur neu entfacht und schmerzlich „wieder“ spürbar wird. Oder, mit den Worten Wadetzkis: „Kränkungsleichen leben länger“.

 

Allein das Wissen, dass nicht das konkrete Gegenüber und die konkrete Äußerung die „eigentliche“ Kränkung sind, sondern Altes neu wund wird, hilft zur vermehrten Gelassenheit der aktuellen Situation gegenüber. Es ist wichtig, nicht „lieber wütend zu sein als zu spüren, wie weh es tut“. Nicht nach Außen wegdrücken ist das Gebot beim Erleben von Kränkungen, sondern der klare Blick auf sich selbst und den anderen nur als Katalysator zu betrachten.

 

Klar in der Form mit immer wieder übersichtlichen Zusammenfassungen und treffenden Beispielen gelingt es Wardetzki, den Vorgang der Kränkungen zu verdeutlichen, den Hintergrund der Kränkungen in der Biographie des Gekränkten, aber auch des Kränkenden als eigentliche „Arbeitsaufgabe“ zu benennen und auf dieser Basis Tipps für eine größere Gelassenheit zu geben, die funktionieren können.

 

Allerdings nicht als „Eigenwirksamkeit“ des Buches. Hier ist vor allem eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst nötig und auch die Bereitschaft, das eigene, doch ganz bequeme Muster von Abwertung, Wut, Rache und Kampf gegenüber „dem anderen“ zu verlassen. Hilfreich wäre dies durchaus, wie man dem Buch einsichtig entnehmen kann in einer immer leichter erregbareren Welt eines mehr und mehr insulären Lebens.

 

M.Lehmann-Pape 2012