Kösel 2014
Kösel 2014

Bärbel Wardetzki – Souverän & selbstbewusst

 

Übersichtliche, verständliche und gut strukturierte Darstellung

 

Nicht nur nach außen unter Mühe vielleicht souverän und klar auftreten, sondern von innen her im Umgang mit sich und anderen Menschen, angesichts von Aufgaben und Herausforderungen, im Risiko und beim Betreten von Neuland einen konstruktiven Umgang mit den (jedem Menschen innwohnenden) Selbstzweifeln gefunden zu haben und daher tatsächlich „souverän und selbstbewusst“ sein Leben zu gestalten, das ist eine gute Sache, aber nicht unbedingt weit verbreitet (auch wenn viele, denen man begegnet, laut das Gegenteil versuchen, darzustellen).

 

Wenn es aber gelingt, jenen mannigfaltigen Selbstzweifeln nicht die Macht über das eigene Leben mehr einzuräumen, sondern Schritt für Schritt das eigene Selbstbewusstsein zu stärken, dann, so stellt auch Wardetzki zu Beginn ihres Buches fest, würden sich Menschen durchaus mehr trauen und zutrauen, offener und klarer die ihnen wichtigen Sachen angehen und auch gegen Widerstände und in Konflikten vertreten.

 

„Das heißt umgekehrt, das wir vieles nicht leben, was uns wichtig ist, nur weil wir an uns selbst zweifeln“. Eine Feststellung, der im Stillen der weitaus größte Teil der möglichen Leserschar des Buches nur zustimmen kann.

 

Wie entscheidend für den Angang und Ausgang von Vorhaben die Gefühle innerer Sicherheit oder eben innerer Unsicherheit sind, das ist nicht nur im Sport beständig öffentlich zu sehen („mentale Stärke“ entscheidet oft mehr als die tatsächlichen Fertigkeiten), sondern auch im Alltag immer und immer wieder als Erfahrung vorliegend.

 

In ihrer Darstellung macht nun Wardetzki in bester Weise eben nicht den Fehler, einfach nur „gegen“ Selbstzweifel zu reden oder im Sinne einer falsch verstandenen positiven Psychologie mit einfachen Mantras („Ich bin gut!“) oberflächlich an das Problem heranzugehen, sondern in der Darlegung des theoretischen Hintergrundes beider „Kräfte“ im Menschen (Was sind Selbstzweifel genau? Wie äußern sie sich? Wie entstehen Sie und was isst Selbstwertgefühl? Wie äußert es sich? Wie kann man es mehr und mehr entwickeln) kann der Leser in verständlichen Schritten sich diesem wichtigen Thema nähern.

 

Das Selbstzweifel auch „Initiatoren“ sein können, das diese Schritt für Schritt auf ein „natürliches“, konstruktives Maß hin gemindert werden können (die „Warnfunktion“ ist wichtig und ein gewisses Maß an Zweifeln auch an sich selbst gehören dazu und bieten konstruktive Reflexionsmöglichkeiten), das findet sich genauso im Buch, wie eben sehr plastische und emotional den Leser treffende Darlegungen zu starker Selbstzweifel und deren Folgen (Neid, Underdog, Anerkennung- Liebesucht, Schuldgefühle, ein „Aschenputtel im Leben“ und manches andere.

 

Demgegenüber stellt Wardetzki ebenso differenziert Selbstwertgefühle dar, wobei sie nicht zu unterscheiden vergisst, dass manche „Lautmaler“ nur Masken tragen gerade ob ihrer sehr stark ausgeprägten Selbstzweifel.

 

Dass „Spiegelung“ (Feed Back) und „Bindung“ (in tragfähiger Gemeinschaft stehen) mit die wichtigsten und wesentlichen Voraussetzungen für eine Entwicklung echten Selbstwertgefühles sind (die dann aber technisch auch weiter entwickelt werden muss), das legt Wasetzki ruhig und überzeugend dar, bevor sie im letzten Teil des Buches ganz praktisch wird und mit Techniken der Gestalttherapie, der Achtsamkeit unter Berücksichtigung von Erkenntnissen aus der Resilienzforschung klare methodische Schritte an die Hand gibt, dem eigenen Selbstwert auf die Spur zu kommen und zu steigern.

 

Ohne marktschreierische Übertreibung, in stets ruhiger und sachlicher Sprache und ebenfalls ohne „esoterische“ Anklänge bietet dieses Buch einen guten Zugang zur eigenen Welt der Selbstzweifel und des Selbstbewusstseins und verhilft durchaus zu ersten Schritten hin zu einem anderen Verständnis der eigenen Person.

 

Sicherlich wird gerade bei stark ausgeprägten Selbstzweifeln allein die Lektüre des Buches nicht ausreichen, in kürzester Zeit das eigene Empfinden grundlegend zu verändern, aber auch hier bietet das Buch allein schon genügend Anreize und Reflexionsmöglichkeiten, nach der Lektüre einschätzen zu können, vielleicht ein Mehr an professioneller Hilfe zu benötigen.

 

 

Eine ausgewogene, kompetente, sehr informative und hilfreiche Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2014