Kösel 2011
Kösel 2011

Barbara Berckhan – Leicht und locker kommunizieren

 

Eine tragfähige Brücke des Gesprächs bauen

 

Aufmerksam sein (Zuhören), in Kontakt sein, eine gemeinsame Wellenlänge entfalten, einander Bestätigung geben und zur rechten Zeit auch diplomatisch sein zu können, dass sind die fünf Werkzeuge der Kommunikation, die Barbara Berckhan in ihrem Buch entfaltet. Werkzeuge, die einem Ziel dienen: Sich miteinander wirklich zu verstehen und in einen guten Kontakt zueinander zu kommen.

 

Eine gute Verbindung von Anfang an herzustellen, das ist das Thema des Buches und die Autorin sieht in guten Beziehungen keine „glücklichen Zufälle“, sondern immer auch das Ergebnis einer gelungenen und angemessenen Kommunikation. In dieser gilt, wie übrigens im Rest des Lebens nach den Worten Berckhans ebenso, das Prinzip des Einfachen. Das, was klar und plausibel ist, ist auch das, was funktioniert.

 

Ihrem Motto treu  bleibend, legt sie ihre Inhalte in entsprechend einfacher und klarer Form vor. Manchmal ein wenig zu plakativ, manchmal in zu  appellhafter Sprache, manchmal zu einfach in den Raum gesetzt, immer aber, und das ist eine der Stärken des Buches, versehen mit griffigen Beispielen mit allgemein hohem Wiedererkennungswert.

 

Nebenbei räumt sie zudem  mit einigen falschen Verständnisses auf. Aufmerksamkeit beruht eben nicht darauf, möglichst den anderen nicht anzuschauen (weit verbreitet heutzutage aus eigener Unsicherheit heraus und weil man sich ja nicht aufdrängen will), oder auch, dass Bestätigung (oder Anerkennung, Akzeptanz) keine Form von Lippenbekenntnis sein darf, wenn sie wirklich wohltuend wirken soll. Auch wird deutlich, warum so viele Gesprächssituationen oder gar ganze Beziehungen zu anderen festgefahren sind, Gespräche gereizt werden, hitzige „Überredungsversuche“ in den Raum treten.

 

Einsichtig, nachvollziehbar, in weiten Teilen umgehend praktisch erprobbar, die Einlassungen Berckhans haben durchaus Hand und Fuß und können dazu anregen, das eigene Gesprächsverhalten wesentlich bewusster wahrzunehmen (und zu gestalten, auch wenn das in letzter Konsequenz nicht „einfach so“ funktionieren wird).

 

Die Grundlage der fünf Elemente, die die Autorin nennt, ist dabei nicht neu. Carl Rogers, vor allem in der Adaption durch Thomas Gordon und dessen Kommunikationstrainings, schwingen deutlich erkennbar im Hintergrund mit. Aber das mindert ja nicht die Wahrheit der Erkenntnisse, dass eine aufmerksame, zuhörende, wertschätzende und sich selbst bewusste Haltung selbst in festgefahren Beziehungen zu manchen Menschen Wunder wirken kann.

 

Eigenständig und anregend stellt sich das Kapitel über die Diplomatie dar. Wie ein Motto kann eine der Überschriften verstanden werden: „Das kann man auch netter sagen“. Und wie das ginge, wird einfach und klar dargestellt (inklusive eines keinen „Vokabeltrainings“, wie man das konkret netter sagen kann).

 

Kann man netter sagen, wenn man einsieht, warum. In leichter und luftiger Sprache, anhand einprägsamer Beispiele, ist dieses Buch durchaus ein guter, erster Schritt, diese Einsicht zu erzeugen. In mancherlei Hinsicht allerdings zu vereinfacht in den Raum gestellt. Der Alltag zeigt, dass es selbst bei höchster Einsicht oft nicht gelingt, den eigenen Schatten einfach so aufgrund eines Buches zu überspringen. Hier braucht es eine weitergehende Arbeit auch an sich selbst, die durch das Buch gut angestoßen werden kann.

 

M.Lehmann-Pape 2011