Carl Auer 2014
Carl Auer 2014

Bernd Schmid, Christiane Gerard – Intuition und Professionalität

 

„Geschulte Intuition“

 

Von Beginn an im Stil sehr narrativ legen die Autoren ihr Thema der strukturellen Verbindung von Transaktionsanalyse und systemischer Beratung an. Was, nicht nur interessierten Laien, das Verständnis der Einlassungen durch die flüssige und bildreiche Sprache sehr vereinfacht (soweit das bei den durchaus teils komplexen Darlegungen möglich ist).

 

Immer komplexer werden die kommunikativen und handlungsorientierten Herausforderungen der Zeit mitsamt der höher werdenden Erwartung an rasches, entschlossenes und dennoch intelligentes Agieren angesichts der Herausforderungen und Aufgaben. Was naturgemäß in hohem Maße, letztendlich aber nicht nur für den beruflichen Bereich gilt.

 

Die Profession des Beraters macht hier keine Ausnahme und steht, mehr denn je, vor der inneren Aufgabe, einerseits Prozesse „innerlich heimisch“, spricht „intuitiv“ zu erfassen, andererseits aber auch möglichen Verengungen durch die eigene Intuition (die eigene „Selbstverständlichkeit“ wird mit der „objektiven Realität“ gleichgesetzt) entgegenzuwirken.

 

Hier setzen die Impulse des Buches ihren Schwerpunkt. In neun Kapiteln bieten die Autoren Ideen, Impulse, Werkzeuge und sehr verständlich aufgearbeitete Beispiele aus der Praxis, die dem professionellen Berater in der Summe ein breites Instrumentarium zur Reflexion der eigenen Haltung anbieten. Dabei liegt in weiten Teilen die „systemische Transaktionsanalyse“ zu Grunde, die hier ihre Tauglichkeit für die Berufspraxis (wieder einmal) unter Beweis stellt.

 

Kommunikative und breit erforschte Grundlagen der TA in Verbindung mit dem „Gesamtblick“ des systemischen Ansatzes ergeben so unter anderem eine Kompetenz der „geschulten Intuition“, welches hervorragend gerade in Beratungsprozesse von Organisationen und den dazu gehörenden Reflexionsprozessen seine Anwendung finden kann.

 

Die grundlegende Verbindung beider Ansätze wird im ersten Kapitel des Buches dargelegt, woraufhin im zweiten Kapitel die „Intuition“ begrifflich und inhaltlich näher geschärft wird.

 

Dies findet seine logische Fortsetzung (und Anwendung) im dritten Kapitel mit Hilfe der Beschreibung von Kommunikationsmodellen, „die Intuition berücksichtigen“. Modelle, die dann im vierten Kapitel erweiter werden durch „bewährte Konzepte für Professionell“ (weitgehend aus der TA abgeleitet).

 

Das Rollen- und Persönlichkeitsmodell der TA wird im Folgenden ebenso verständlich und grundsätzlich erläutert, wie „Beziehungen als Ort schöpferischer Wirklichkeitsgestaltung“ vor Augen geführt werden.

 

Wie dies alles in ein strukturiertes Reflexionssystem einfließen kann, zeigen die Autoren im siebten Kapitel, in dem ein „didaktisches Schema für die Konzeption von Reflexion von Beratung“ erläutert wird. Der erkennbare Vorteil dieses Instruments liegt in der Möglichkeit der „Beobachtung von Beratung“ aus verschiedenen Perspektiven und aus differenzierten Zusammenhängen heraus. Gerade das angeführte Beispiel der Entwicklung eines „bizarren Verhaltens“ führt hier dem Leser vor Augen, wie sinnvoll und notwendig eine möglichst offene und breite Reflexion von eigenen Intuitionen und Bewertungen kommunikativer Prozesse ist.

 

Das „Toblerone Modell für professionelle Kompetenz“ vertieft die Ausführungen an Anregungen der Autoren praxisorientiert und umsetzbar, bevor im letzten Kapitel noch einmal reflexiv „Rückblick“ gehalten wird.

 

 

Sehr verständlich und in sich schlüssig strukturiert weisen die Autoren im Buch die wichtige Rolle der Intuition für den professionellen Berater auf, zeigen die grundlegenden Modelle für eine „geschulte und reflektierte“ Intuition und bieten praxisnahe Hilfsmittel und Modelle für die je eigene Reflexion.

 

M.Lehmann-Pape 2014