Kösel 2010
Kösel 2010

Bertold Ulsamer – Wie Sie alte Wunden allein heilen und neue Kraft schöpfen

 

Selbstheilung?

 

Das alte Verletzungen im Leben Narben hinterlassen, die den späteren Lebensweg deutlich mit prägen können, ist bekannt. Dass es manches Mal ein langer und in Teilen auch schmerzlicher Weg ist, an diesen „wunden“ Stellen mit sich ins Reine zu kommen ist ebenfalls die Erfahrung vieler, die therapeutische Hilfe bereits in Anspruch genommen haben.

Die aus der systemischen Therapie gekannte Form der Aufstellungsarbeit ist mittlerweile eine anerkannte und nachgewiesen hilfreiche Methode.

 

Was aber von vorneherein am Konzept des Buches kritisch zu betrachten ist, ist, dass eine „Selbstheilung“ im professionell und seriösen therapeutischen Bereich mit großen Schwierigkeiten nur gesehen werden kann. Gerade das Gegenüber durch einen geschulten und kompetenten Therapeuten ist eine der Schlüsselkomponenten für eine konstruktive Therapie. Vor weniger noch, wenn tiefste Kindheitsverletzungen unter Umständen unkontrolliert in den Raum treten.

 

Ein kritischer Angang an das Buch, der sich auch nach dem Lesen weiterhin im Raume hält, trotz der durchaus einsichtig und in der Methode sachlich richtigen Darstellung.

 

Es besteht nun einmal, wie in jedem psychotherapeutischem Prozess durchaus die Gefahr, dass ein Mensch bei der Lektüre des Buches und der plastischen Beispiele in demselben einen hohen Wiedererkennungswert zur eigenen Problematik erlebt, die aber eben nicht souverän und hilfreich von ihm alleine zu bearbeiten ist, sondern ihn im Gegenteil mit sich alleine lässt. Hier ist die Begleitung durch einen Fachmann unumgänglich.

So ist dem Versprechen, dass der Titel des Buches beinhaltet, mit einer gesunden Skepsis zu begegnen, eine Skepsis, die durch de Lektüre nicht aufgelöst wird.

 

Das Buch kann durchaus als gelungen allerdings betrachtet werden, In der Form sachlich klar strukturiert, die Methode der Familienaufstellung sachgerecht nachvollziehend, wird die Methode in der Ausprägung Ulsamers prägnant dargestellt.

 

Inhaltlich sind viele klare Wahrheiten über die Vielfalt möglicher Beziehungsbelastungen vorhanden, intensiv natürlich stehen im Buch die Eltern und die möglicherweise verletzende, fehlende Liebe im Raum. Aber auch Partnerschaften und ihr Setting werden beleuchtet ebenso, wie die Beziehung zu sich selbst im Blick auf den Umgang mit Autoritäten, Burn Out Gefahren oder Selbstsabotage auf dem Weg zu eigenen Zielen.

Die konstruktive Nutzung der eigenen Ressourcen wird zudem im letzten Kapitel aufgezeigt und methodisch verankert. Wiederum aber darf bezweifelt werden, ob diese Intensität der Arbeit an sich selbst wirklich alleine gelingen kann.

 

Verständlich formuliert, durch griffige Beispiele in den Inhalten befördert und mit einem umfassenden Blick auf mögliche Verletzungen in Kernbeziehungen des Lebens bietet das Buch einerseits einen fundierten und kompetenten Einblick in die Methode. Ebenso benennt Ulsamer durchaus feinfühlig viele Bereiche möglicher Verletzungen, die sicherlich einen hohen Wiedererkennungswert besitzen.

Andererseits steht die Aufforderung zur Selbstheilung als durchaus kritisch zu bewerten unaufgelöst im Raum. So kann nur empfohlen werden, sich bei Interesse ein ganz eigene Bild zu machen und sich nicht zu scheuen, das Buch zur Seite zu legen, wenn die eigene Person bei der Lektüre in destruktive Emotionen verfällt.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Bertold Ulsamer

Dr. Bertold Ulsamer, geb. 1948, ist promovierter Jurist und Diplom-Psychologe. Der in Traumatherapie ausgebildete Autor vieler Publikationen arbeitet als Berater, Coach und Trainer und führt international Weiterbildungen in Aufstellungsarbeit durch.

 

(Quelle: Kösel Verlag)