Ullstein 2016
Ullstein 2016

Brendon Burchard – Das Motivations-Manifest

 

Motivierend

 

Nicht umsonst ist Brendon Burchard einer der erfolgreichsten Marketingfachmänner und Motivationstrainer. Flüssig, rund, teilweise begeisternd, hier und da auch suggestiv, immer aber sehr rund zu lesen und mit spürbarer Energie legt er sein Manifest der Motivation vor.

 

Eine Zusammenfassung der langjährigen praktischen Erfahrungen und der zugrundeliegenden Überzeugungen des Trainers.

 

9 „Versprechen“, die man sich selber gibt, werden ausführlich formuliert und sollen dem eigenen Leben Richtung, Inspiration und, natürlich, Motivation geben.

 

Wobei dem kritischen Leser ebenso klar sein sollte, dass das alleinige Lesen des Buches nicht die Probleme der (eigenen, kleinen) Welt einfach so löst. Wenn Burchard über das Wesen der Angst spricht, über ihre Bedeutung als „Motivator“, aber eben auch als starkes Hemmnis für die eigene, freie Entfaltung, passiert dennoch zweierlei in konstruktiver Weise.

 

Zum einen wird „dem Gegner“ ins Auge geschaut, die Strukturen und Abläufe der Angst (oder der Freiheit und der Motivation als den beiden anderen elementaren Bereichen der menschlichen Natur) offengelegt, der Mut vermittelt, dass Angst überwunden werden kann und Wege gezeigt, wie das funktionieren könnte. Wege, die dann aber auch beschritten werden müssen und, unter Umständen, durch professionelle Beratung in der eigenen Person reflektiert und verändert werden sollten.

 

Zum anderen motiviert Burchard (trotz teils „begeisternder Übertreibungen“) tatsächlich, indem er nicht die Grenzen betont, die Probleme, die als Hindernis auf dem Weg liegen, sondern die Möglichkeiten in klaren und griffigen Formulierungen vor Augen legt.

 

Natürlich ist dann eine Zitat Caesars im Zusammenhang zu verstehen als Ziel, vielleicht sogar Utopie, durchaus aber mit einem wahren Kern auch für den „Nicht-Militaristen“ plakativ verständlich:

 

„Feiglinge sterben viele Male vor ihrem Tod. Der Held schmeckt den Geschmack des Todes nur einmal“.

 

„Unser Leben muss bestimmt sein von mutigem handeln und unablässigem Fortschritt“, wobei Burchard Fortschritt inhaltlich nicht mit einer ständigen Steigerung von „Gewinn“ füllt, sondern als „Weiterentwicklung“ auf dem individuellen Weg setzt.

 

Dass es Mut Bedarf, den eigenen Weg zu wählen und dabei in Kauf zu nehmen, in gewissen Bereichen bewusst Abseits zu stehen oder ins Abseits gestellt zu werden ist dabei selbstverständlich einer der Preise, der für ein selbstbestimmtes, lernendes, offenes, sich dem Fluss des Lebens anvertrauendes Leben zu entrichten sein wird.

 

Bis hin dann zum (nicht nur einem) „Durchbruch“ (der immer wieder auf verschiedenen Ebenen notwendig ist und bleibt), einem inneren „Aha-Erlebnis“, dass den „aufrechten Gang“ unmittelbar nach sich zieht.

 

 

Eine Entfaltung der eigenen Person, die auf Präsenz im Leben, Selbstbestimmung, Besiegen der eigenen „inneren Dämonen“, Voranschreiten, Dank kultivieren, Integrität wahren, Liebe mehren, Inspiration finden und „die Zeit verlangsamen“ beruht.

 

Natürlich schöpft Burchard nicht aus persönlichen Offenbarungen. Teile der klientenzentrierten Therapie nach Rogers und in deren Weiterentwicklung nach Gordon und Gendlin finden sich ebenso im Hintergrund der Grundgedanken, wie verhaltenstherapeutische Instrumente und Gedanken der positiven Psychologie wie anderer Herangehensweisen an die Entfaltung der eigenen Person.

 

 

Inhaltlich werden vielfache der „Versprechen“ somit auch an andren Orten zu finden sein. Dies alles jedoch bietet Burchard in eigener, sehr verständlicher Sprache und im persönlichen Verständnis eingearbeitet in einer Form, die tatsächlich in guter Weise den Horizont noch einmal bewusst macht und zur aktiven Reflexion des Werkes (für die Burchard Aufgaben stellt) motiviert.

 

M.Lehmann-Pape 2016