Carl Auer 2012
Carl Auer 2012

Carmen Kindl-Beilfuß – Einladung ins Wunderland

 

Eine Verführung zu „unmöglichen“ Gedanken

 

„Entdecken Sie (frei nach „Alice im Wunderland“ ihr eigenes „Wunderland“, das ist, wozu die Autorin in ihrem schön gestalteten und in verständlicher, einfach gehaltener Sprache Seite für Seite einlädt. Sozusagen mal „Barfuß“ auf der eigenen Seelenlandschaft zu wandeln, die „Stiche“ zu spüren und das, was daran hindert, der Mensch zu sein, der man sein will und der in einem steckt, mal nicht „wegzulächeln“ und nicht daran vorbei zu sehen.

 

Und da geht es durchaus um „Verrücktheiten“, einfach gesagt, um das Verlassen der eignen, eingefahren Denkbahnen und der eigenen Einrichtung in einen Zustand, nur weil er bequem ist. Ohne weiter zu überprüfen, ob dieser Zustand auch „gut“ und entwicklungsfördernd ist.

 

Sicher verwirrt es zunächst, dass der Hase aus Alice im Wunderland als grafischer Wegweiser im Buch mit dient. Aber trotz der Bildergestaltung, Carmen Kindl-Beilfuß legt hier bei weitem kei Kinderbuch oder einen kleinen Ratgeber für „schlichte Gemüter“ vor. Durchaus fundiert ist ihre Reise durch eine kreative Gestaltung systemischer Beratung und systemischer Interventionsmöglichkeiten, es lohnt sich also , sich gerade auch auf ihre kreative Form der Darstellung einzulassen.

 

Eine Reise, an deren Beginn die Neugier steht („Folge dem Hasen“). Neugier zu entwickeln, als Berater in Form von zielführenden Interviews den Kompetenzen des Klienten zu vertrauen und eine Intervention zu planen, damit beginnt der Weg der Beratung, für den die Autorin als Schwerpunkt des ersten Teils Fragetechniken und Fragerichtungen ausführlich bespricht und vorstellt und damit vor allem den inneren Zusammenhang zwischen Hypothesen, zielführenden Fragen und möglichen und zu planenden Interventionen herstellt.

 

Der „wachsende Mut zum Handeln“ ist der nächste zu beobachtende Entwicklungsschritt im Ablauf der Beratung. Wobei es einfach spannend zu lesen ist, wie Kindl-Beilfuß immer wieder gängige und routinierte Methoden und Verfahrensweisen in Frage stellt, gerade weil diese gängig und routiniert sind. „Veränderungen können nur dann entstehen, wenn es zu überraschenden Beobachtungen kommt“.

 

Trotzdem also vielfach Interventionen, Methoden, Anreize, Handwerkszeug für Beratungssituationen geliefert werden, all dies versteht die Autorin als Hilfe, als „Anreizsystem“, die eigene Kreativität und Neugier zu entfalten und immer wieder auch neu in einem kreativen Schaffensprozess sich als Berater einem Klienten zu nähern. Ein Ansatz der Logik folgend. Denn wenn es bisherige Strategien ja nicht zufriedenstellend „getan“ haben (auf Seiten des Klienten, aber durchaus auch auf Seiten des Beraters), dann bedarf es ja anderer, neuer Wege und das von Natur aus „ungewöhnlich“ und mit Unsicherheiten befrachtet, ebenfalls auf allen Seiten. Aber ohne „Neuland“ eben keine „neue Lösung“.

 

In all diesen Darstellungen kann man der Autorin gut folgen, wenn auch hier und da zu bemerken ist, dass sie zu sehr in den Fängen des „Mach Dir ein Problem, damit Du neu wirst“ sich verfängt und damit über das Ziel hier und da hinauszuschießen droht.

 

Im Gesamten aber lässt einen das Buch kaum los in seinem ständigen Bemühen zur Motivation des Leser, sich als „Grundhaltung“ mit „der Veränderung, dem Wandel zu verbinden“.

 

So ist der Leser gut auf den dritten Teil des Buches vorbereitet, in dem Kindl-Beifuß eine Vielzahl von kreativen, so kaum bis dato erwähnten Methoden an eine Perlenreihe aufzieht. „Fee des Lächelns“, „Herztapete“, „Schmetterlingsintervention“, „Wäscheklammer Intervention“, um nur einige der ungewöhnlichen Vorschläge zu benennen.

 

Im Gesamten bietet das Buch durchaus ein Feuerwerk einer „anderen und kreativen“ Herangehensweise an den Prozess der systemischen Beratung und Therapie. Ohne dabei das „systemische Rad“ neu zu erfinden, es aber durchaus mit ungewöhnlichen Formen zu versehen. Mit einigen kleineren Abstrichen sehr interessant, anders und lesenswert.

 

M. Lehmann-Pape 2013