Beltz 2013
Beltz 2013

Carolin von Richthofen, Jürgen Kugele, Nathalie Vitzthum – Handbuch Karriereberatung

 

Rundumpaket für die Beratungsarbeit

 

In Zeiten der vielfachen Diversifizierung von Ausbildungsgängen, dualen Studienangeboten und Studien im Rahmen des Bolognaprozesses sind einerseits die Ausgestaltungen einzelner Werdegänge beim Start teils kleinteilig differenziert, andererseits bietet die moderne Arbeitswelt eine Aufforderung zur ständigen Kompetenzerweiterung und, vor allem, zur Gestaltung und Planung ganz eigener Wege, die mit einer konkreten und kleinteiligen Berufsausbildung kaum mehr als einen Startpunkt setzen.

 

Die durchgängig aus der Beratungspraxis kommenden Autoren mit ihren Schwerpunkten im Personal-Coaching und der expliziten Karriereplanung nehmen diese aktuelle Situation zum Anlass, die aktuell gängigen Methoden und Strukturen einer umfassenden Karriereplanung in diesem Handbuch zu versammeln und durchgängig nachvollziehbar und fundiert vor die Augen des Leser zu führen. Wobei als Zielgruppe in erster Linie im Arbeitsfeld tätige Berater und Beraterinnen vor Augen stehen.

 

Nach einer gründlichen Einführung in die „Grundlagen der Karriereplanung“ (Was ist das überhaupt?), mit einem besonderen Blick auf die Motive der Klienten (gekündigt, unzufrieden mit der beruflichen Situation oder mit dem Wunsch, „noch besser“ den eigenen Weg zu gestalten) und einer wichtigen differenzierten Darstellung der „Hürden“ einer professionellen Karriereberatung (wie in „normalen“ Beratungsprozessen auch spielt hier die innere Befindlichkeit des Klienten eine entscheidende Rolle, auf eventuelle psychische Probleme wird im Buch ebenso hingewiesen, wie auf „störende Momente“ beim Berater), setzen die Autoren den eigentlichen Prozess der Karriereberatung dann Schritt für Schritt vor Augen.

 

Die drei Grundphasen der Karriereberatung (Stärken benennen, Motivation klären und Handlungsfelder entsprechend suchen und auswählen) überführen die Autoren in ein differenziertes „Neun Phasen Modell“. Sehr übersichtlich im Buch dargestellt ist dies für den Nutzer des Handbuches gleichzeitig die „Landkarte“ anhand derer eigene Beratungsprozesse grundlegend geplant und die Orientierung im Buch jederzeit ermöglicht wird.

 

Aktuelle Instrumente und Methoden werden sodann den Phasen zugeordnet und praxisorientiert  vorgestellt. Vom „biografischen Interview“ über „Fremdfeedback“ hin zur „Visionsarbeit“, von einer vorzunehmenden „Werteklärung“ zur konkreten „Zielplanung“ (mit Stärkung der Intuition und Reflektion vorliegender Varianten) bis zur Entscheidungsfindung und dann der konkreten Sichtung des Arbeitsmarktes und der professionellen Erstellung einer Bewerbung und der eigenen Erarbeitung der Haltung im Bewerbungsgespräch reichen die breiten und jederzeit kompetenten Darlegungen.

 

So dass von der ersten Idee einer Veränderung über die Klärung der eigenen Ressourcen,  Motivationen und Ziele bis hin zur praktischen Umsetzung alle Schritte einer „Karriere Veränderung“ und einer eigenen Einordnung in die eigene vorliegende und „gedachte“ Berufswelt alle Schritte strukturiert abgegangen werden.

 

Als „Do-It-Yourself“ Raster sollte das Buch allerdings nicht benutzt werden. Nach der vielleicht motivierenden, breiten Information der Lektüre wird bereits bei der Lektüre deutlich, dass die entscheidenden Schritte nur dann mit Aussicht auf Erfolg (sprich Veränderung) gelingen, wenn und gerade weil dies unter professioneller Anleitung geschieht. Das zur Reflektion anleitende Gegenüber und die Kompetenz einer fundierten Beratung, das liest sich aus dem Handbuch klar heraus, sind keine „Beigaben“ für eine eigene Karriere Planung, sondern fundamentale Notwendigkeiten für einen Erfolg der Beratung.

 

Alles in allem eine umfassende, fundierte, praxisnahe und verständlich dargebotene Handreichung, die dem tätigen Berater detailliert die Phasen einer Karriereberatung vor Augen führt und dem geneigten Leser vielfache Impulse und Motivation für eine Inanspruchnahme einer solchen Beratung (bei Interesse an einer Veränderung des eigenen, beruflichen Weges) mit auf den Weg gibt.

 

M.Lehmann-Pape 2013