dtv 2013
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Christina Berndt – Resilienz

 

Kraft für das Leben

 

Es ist gar nicht so einfach, den Begriff „Resilienz“ treffend zu übersetzen oder zu umschreiben.

Es geht um „Widerstandsfähigkeit“ ,aber nicht im Sinne einer einfachen Stärke, oder Coolness oder Ignoranz. Auch nicht um „ausgefahrene Ellbogen“ oder ein „Gehen über Leichen“.

Am ehesten trifft man den Begriff noch mit einem Verweis auf eine ausgeprägte „Nervenstärke“, die nichts mit einem gekonnten Bluff im Poker zu tun hat, sondern eine „in sich gewachsene“ Kraft darstellt, gerade mit den Unwägbarkeiten, den Risiken des Lebens einen konstruktiven Umgang zu finden. Eine „Hornhaut auf der Seele“, wie Berndt es ausdrückt. Die aber nicht undurchlässig und abkapselnd wirkt, sondern das Leben zulässt, um „daran zu wachsen“. Eben und gerade auch an den unglücklichen Situationen, an den stressreichen Erlebnissen.

 

Was genau ist diese „Stärke“? Wie drückt sie sich aus, wohin führt sie und, vor allem, wie kann man eine solche Stärke in sich entwickeln?

Das sind die Themen, denen sich Christina Berndt im Buch zuwendet. Auf verständliche und sprachlich eingängige Weise und mit einer klaren Gliederung, die vom Alltag her ihren Verlauf nimmt, die Folgen der Resilienz in diesem Alltag sehr praktisch orientiert an eingängigen Beispielen aufzeigt, um dann auf die „Quellen dieser Widerstandsfähigkeit“ zu sprechen zu kommen.

 

Dass eine Resilienz zu tun hat mit dem Umfeld, das der Mensch zunächst vorfindet und sich später selber schafft, dass Ursachen im Gehirn vorliegen und dort beeinflusst werden können, welche Rolle die Genetik spielt und dass auch die Haltung zur inneren  Stärke und Resilienz epigenetisch durch Eltern mit geformt werden.

 

Natürlich ist es daher folgerichtig, dass Berndt vor allem eine Lanze für „starke Kinder“ bricht und aufzeigt, welche Faktoren Kindern zu einer Entwicklung hin zu einer Lebensstärke verhelfen. Aber auch für bereits Erwachsene ist eine solche Lebensstärke noch erlernbar, denn „Menschen können sich ändern“ in jeder Phase ihres Lebens.

 

All dies beruht auf ganz praktischen Beobachtungen, die Berndt von Beginn an im Buch anspricht. Die Zunahme von psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Burn-Out. Die erkennbare Veränderung der Lebensumstände hin zu einer sehr fordernden und stressreichen Lebensweise. Trotz Wohlstands und geringer werdender körperlicher Belastung. Lebensumstände und Anforderungen, die eine Zuversicht benötigen, mit diesem Leben in seinen konstruktiven und belastenden Momenten umgehen zu können.

 

Durchaus einprägsam und eingängig öffnet Berndt hierbei im Buch den Weg für eine Darstellung jener Faktoren, die eine solche Widerstandsfähigkeit eröffnen und bietet Haltungen an, mit denen der Leser selber sich zum einen einzuschätzen lernt und zum anderen Wege finden kann, in sich selbst widerstandskräftiger zu werden.

 

Verständlich, klar gegliedert, praxisorientiert und das Thema der Resilienz von der Notwendigkeit, den Folgen für das Leben und den Quellen für diese Stärke her auf den punkt bringend. Lesenswert.

 

M.Lehmann-Pape