Beltz 2015
Beltz 2015

Christof Loose, Peter Graaf, Gerhard Zarbock (Hg.) – Störungsspezifische Schematherapie mit Kindern und Jugendlichen

 

Hervorragende Darstellung von theoretischen Grundlagen und praktischer Therapie

 

Nach einer verständlichen und sehr klaren Einführung in die Grundlagen der Anwendung der Schematherapie bei Kindern und Jugendlichen, in dem zum einen die hilfreiche Perspektive des Ansatzes differenziert dargelegt wird, die Herausgeber sich aber auch nicht scheuen, „Fehler und Versäumnisse bei der Anwendung“ dezidiert beim Namen zu nennen, legen die Autoren im Buch je sehr ausführlich und sehr auf die Praxis bezogen die schematherapeutische Behandlung konkreter Störungen vor.

 

Von der ausführlichen Betrachtung diagnostischer Kriterien über die Genese der Störungen bis hin zu Verlauf und Risikofaktoren je „klassischer“ Verfahren reichen die umfassenden Anamnesen zu den einzelnen Störungen.

 

Während dann im weiteren Verlauf der  Darlegungen konkret die schematherapeutische Diagnostik bezogen auf Eltern und Kind ebenso sachgerecht aufbereitet werden, sie die zugehörigen Modus- und Schemamodelle sowie, natürlich, der „Abbau schemaerhaltenden“ und zugleich der „Aufbau alternativen“ Verhaltens im dynamischen Prozess der Therapie geschildert werden.

 

Zwar stellt die überwiegend reine Textform weitgehend ohne graphisch abgesetzte Zusammenfassungen oder besondere Heraushebungen wichtiger Elemente eine gewisse Anforderung an die Konzentration des Lesers, durch die hochgradig praktisch ausgerichtete Darstellung aber fällt das Verstehen der einzelnen Schritte und der Zusammenhänge eher leicht und bietet umgehend Motivationen und Instrumente für die eigene praktische Arbeit.

 

ADHS, Störungen des Sozialverhaltens, Depression, Angststörungen, Zwangsstörungen, Essstörungen bilden große Blöcke zu weit  bekannten Störungen bei Kindern und Jugendlichen, die Schematherapie bei Autismus-Störungen und Borderline-Störungen greifen einen Sonderfall und eine zunehmende Störungsvariante auf.

 

Nach den sorgsamen und ausführlichen Darlegungen der je besonderen Aspekte der einzelnen Störungen und eines ebenso sorgsamen „Schritt für Schritt“ Vorgehens in der schematherapeutischen Behandlung der jeweiligen Störung bilden fassbare Fallbeispiele eine reflektierende Praxisdarstellung konkreter Therapien.

 

Auch wenn die weitere Entwicklung der schematherapeutischen „Erkundung“ und der Ausweitung des Modells auf die Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen immer noch ein „work in progress“ darstellt, wie es die Herausgeber betonen, zeugen die Einlassungen in diesem Buch hoher Kompetenz und der Fähigkeit zur Betrachtung, Auswertung und Reflexion der Arbeit.

 

Nicht konstruktive Vorgehensweisen werden dabei auf dem Weg erkannt und hinter sich gelassen, wirksame Interventionen dementsprechend erkannt und ausgebaut.

 

Das Buch stellt eine wichtige Zusammenfassung und detaillierte Darstellung des aktuellen „Status Quo“ der schematherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dar, die nicht mehr nur erst „in den Kinderschuhen“ steckt, sondern einen erkennbar konstruktiven und tiefer führenden Weg beschritten hat. Wobei zu hoffen ist, dass die Aufforderung der Herausgeber nach kritischer Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit und nach weiterer und ständiger wissenschaftlicher Überprüfung breites Gehör findet, um diesen sehr differenzierenden und fassbaren Ansatz weiter voran zu bringen.


M.Lehmann-Pape 2015