Beltz 2013
Beltz 2013

Christof Loose, Peter Graaf, Gerhard Zarbock (Hg.) – Schematherapie mit Kindern und Jugendlichen

 

Erweiterung der Schematherapie

 

In den letzten Jahren hat sich die Schematherapie in der Arbeit mit erwachsenen Klienten deutlich etabliert und ist auch in entsprechenden Arbeitsbüchern und Grundlagenerläuterungen der breiten Diskussion und Vertiefung in der praktischen Arbeit zugeführt worden.

 

Auf diesem Hintergrund ist es logisch und liegt nahe, die Methode auf Kinder und jugendliche angepasst zu erweitern, denn „warum warten, bis das Kind (bereits) in den Brunnen gefallen ist“?

 

In klar strukturierter Form bieten nun die Herausgeber eine fundierte und sachgerechte „Unterfütterung“ und Methodenlehre für die Anwendung der Schematherapie quasi „vom Säuglingsalter“ an. Und gehen direkt in medias res. Zwar wird (allerdings erst im zweiten Kapitel des Buches) auch die Schematherapie als Ansatz an sich im Buch noch einmal (komprimiert) vorgestellt, doch der Schwerpunkt der Darstellung liegt von Beginn an auf der Nutzbarkeit des Ansatzes für Kinder und Jugendliche. Das dies durchaus kein „fremdes Gebiet“ für die Methode ist, weisen die Autoren von Beginn an auf, in dem die entwicklungspsychologischen Elemente der Schematherapie benannt und im Rahmen der Gesamtmethode systematisch „herausgeschält“ und dargestellt werden. Vor allem das Modell der „Temperamentdimensionen“ weist überzeugend nach, das durchaus die Grundannahmen der Schematherapie altersunabhängig Grundlage einer therapeutischen Arbeit darstellen können, erweitert durch die ebenso fundiert argumentierte Darstellung der Übernahme des schematherapeutischen Moduskonzeptes im Blick auf Kinder und Jugendliche.

 

Im folgenden differenziert das Huch die Altersstrukturen sinnvoll auf (Säugling und Kleinkind, Vorschulkind, Grundschulkind, pubertierendes Kind, Jungerwachsene) und legt die phasenspezifischen Entwicklungsaufgaben und altersgerechten Umsetzungen in Methodik und Instrumentarium in Form und Stil nachvollziehbar und übersichtlich vor Augen. Separate Teile der Darstellung legen im Folgenden den Fokus zum einen auf spezifisch kindbezogene Techniken und Vorgehensweisen, sowie auf (bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht nur rechtlich, sondern vor allem inhaltlich unabdingbaren) elternbezogene Techniken und Vorgehensweisen. Rechtliche Aspekte werden für den Therapieantrag abschließend dargelegt, bevor die Herausgeber ihre Darlegungen mit einem grundlegenden Beitrag zur Entwicklung dieses neuen Konzeptes der Schematherapie beenden. Dieses letzte Kapitel bietet zugleich einen vielleicht zunächst zu lesenden, guten Einstieg in das gesamte Werk, zumindest was die Einlassungen zu den Selbsterfahrungen der Ausbildung betrifft.

 

Im inhaltlichen Zentrum steht im Blick auf die Schematherapie bei Kindern und Jugendlichen sicher (anders als bei der „Beelterung“ erwachsener Klienten) die konsequente Arbeit an sehr konkreten Situationen mit einer möglichst breiten Hilfestellung durch den Therapeuten, welches das erlebnisnähere Modell des „Modus“ stärker als Instrumentarium zu berücksichtigen hat als das Modell des „Schemas“. Was in den methodischen Darrreichungen des Buches durchweg auch berücksichtigt ist.

 

Alles in allem überzeugt nicht nur die Darstellung, Form und Stil des Buches an sich, welche es dem Leser leicht machen, die genannten und teils durchaus komplexen Inhalte zu verstehen, zu reflektieren und aufzunehmen, sondern auch die inhaltliche Übertragung der Schematherapie aus der „Erwachsenenwelt“ auf die „Kinder- und Jugendlichenwelt“ erweist sich schlüssig und berücksichtigt notwendige Veränderungen der Zugehensweise und des therapeutischen Instrumentariums in bester Weise. Den Herausgebern ist hier eine wegweisende Grundlagendarstellung in der Entwicklungsphase eines neuen Konzeptes gelungen, welche dieses Konzept „rundherum“ hervorragend in allen wesentlichen Bereichen vermittelt.

 

M.Lehmann-Pape 2013