Integral 2012
Integral 2012

Chuck Spezzano – Zwei Herzen im Einklang

 

Erkenntnisse aus der Beziehungstherapie

 

Vielleicht ist es nur der Übersetzung geschuldet, vielleicht auch der amerikanischen Neigung zur Einfachheit und zu stets leichtem Pathos, Titel und Untertitel des Buches klingen zunächst in deutschen Ohren wie eine Fortsetzung von Romanen a la Hedwig Courths Mahler. Ein wenig kitschig eben, die „gleichklingenden Herzen“ im „Wunder erfüllter Partnerschaft“.

 

Dass hinter all diesem natürlich eine handfeste und breite Sehnsucht des Menschen steckt, stimmt allerdings ebenso. Dutzende von Partnervermittlungen, zigtausende Partnersuchende Menschen zeigen auf: Eine echte Beziehung, partnerschaftliche Verbindung, das Finden der Liebe eben, vor allem dann natürlich das Bewahren der liebevollen Partnerschaft ist eine der zentralen Sehnsüchte und Wichtigkeiten der meisten Menschen.

 

Sehnsucht und Wirklichkeit driften auseinander. Was nicht zwangsläufig sein muss, sagt Chuck Spezzano und weist in seinem leicht lesbaren Buch aus seiner Praxis als Beziehungstherapeut Wege auf, wie sich erfüllen kann, was zutiefst als Sehnsucht vorliegt. „Nur wenn wir uns in Liebe miteinander verbinden, werden wir heil und ganz“.

 

Wobei Spezzano all das zu benennen versteht, was an einer (wirklich) erfüllten Liebe hindert. Und wie man diese Dinge bearbeiten kann. Groll. Ein angearbeiteter Panzer. Eine Distanz aus Angst vor Verletzungen. Eine tief sitzende Angst vor Zurückweisungen. Und letztlich verweist er, durchaus sensibel, aber ebenso klar, auf den „Kern aller Beziehungsprobleme“. Das Denken vieler Menschen, der andere wäre dazu da, „um unsere Bedürfnisse zu erfüllen“. Ebenso, wie „Verziehen“ oft nicht weit verbreitet ist, da man die eigene Befindlichkeit überwertig in den Vordergrund zu stellen pflegt.

 

Natürlich sind das dem reflektierten Menschen bekannte Tatsachen, dennoch aber versteht es Spezzano durch seine sehr handfeste und praktische Art und Weise, hier noch einmal ein neues Nachdenken zu initiieren, die dem Verstand durchaus bekannten Wahrheiten auch emotional durch das Buch noch einmal anders wirken lassen zu können.

 

Durchaus nachfühlbare Wahrheiten sind es in manchen Teilen, die Chuck Spezzano verständlich und auf den Punkt treffend mitteilt. Andererseits aber ergibt sich bei der Lektüre doch auch ein sehr starkes Schwarz-Weiß Bild, welches (zu) einseitig die „völlige Öffnung“ dem Partner gegenüber betont. Dass eine Distanz und eine eigene Entwicklung individuell ebenso wichtig sind, dass diese unter Umständen Partnerschaften auch befruchten können, kommt zu kurz. Das Sexualität sich auch eigene Wege sucht und nicht immer mit aller Kraft auf „den einen“ oder „die eine“ fixiert werden muss, das dies manches Mal auch eine Überfrachtung sein kann, selbst gegen eigene sexuelle Fantasien angehen zu „sollen“, um diese Energie nicht dem Partner „weg zu nehmen“, das scheint doch ein sehr überzogenes und idealistisches Bild zu sein.

 

Ein Buch, dass lesenswerte „Kernprobleme“ von partnerschaftlichem Leben durchaus benennt, hier und da im Kern tatsächlich aber pathetisch überfrachtet und undifferenziert im Raume stehen lässt. Dennoch lohnt es sich, über die Kraft der Verzeihung, die eigenen „Panzer“ und den Weg zu einer intimen Öffnung einem Partner gegenüber gemeinsam mit Spezzano nachzudenken. Wenn man dem Buch versucht, differenziert zu begegnen und es nicht für den „absoluten“ Weg hält.

 

M.Lehmann-Pape 2012