Beltz 2015
Beltz 2015

Claudia Kinnen, Christian Rademacher, Manfred Döpfner – Wackelpeter & Trotzkopf in der Pubertät

 

Profunde Fortführung des Standardwerkes zu ADHS

 

„Wackelpeter & Trotzkopf“ hat zu Zeiten nicht nur das damals zunehmend in den Blick rückende Krankheitsbild des ADHS fundiert beschrieben und fundiert therapeutisch dargelegt, sondern auch vor allem betroffenen Eltern ein hervorragendes Instrument an die Hand gegeben, aus der „Ohnmacht vor ADHS“ in konstruktive Handlungsfelder über zu gehen.

 

Das Werk gilt daher zu Recht das das gesetzte Standardwerk in der Erläuterung von ADHS und dem Umgang mit dieser Störung. Sowohl die Beschreibung der klinischen Erkenntnisse wie auch die ganz praktischen Hilfestellungen für Betroffene sind darin bestens getroffen.

 

Kinder werden älter (Eltern auch). Aus ADHS Kindern mit Problemen, sich zu steuern und mit den entsprechenden Symptomen werden Jugendliche in der Pubertät. Ein Lebensalter, in dem die Biologie mitsamt ihrer körperlichen und hormonellen Entwicklung noch einmal ganz neue, teils sich verschärfende ADHS Probleme in den Raum setzen kann.

 

„Was kann man tun?“, ist da eine durchaus breit gehörte und teils verzweifelt gestellte Frage.

 

Eine Frage, die explizit in diesem Buch aufgenommen wird und sachlich-souverän in Bezug auf die Familie und die Schule ebenso beantwortet wird, wie der Blick für mögliche Behandlungen im medizinischen Bereich geschärft wird. Gerade im Blick auf die medikamentöse Behandlung gibt es doch viele Dinge gegeneinander abzuwägen. Hier hilft das Buch ebenso, wie in allen anderen denkbaren Bereichen des Umgangs mit ADHS.

 

Konflikte sehen und angehen, miteinander statt gegeneinander Möglichkeiten (auch unter ärztlicher Anleitung) suchen, Regeln verhandeln, klare Konsequenzen setzen und klare Konsequenz zeigen (ohne aggressiv dagegen zu halten), „Auftanken“ können und „Pannenhilfen“ finden, wenn der überlegte Weg nicht durchgehalten wurde oder werden konnte, das sind die „Umgangsstufen“ mit ADHS, welche die Autoren im Buch sorgfältig beschreiben, aus allen Richtungen bedenken und mit vielfachen praktischen Hilfen versehen.

 

Die grafische Gestaltung des Textes im Buch ist dabei durch seine Hervorhebungen von Zusammenfassungen ebenso hilfreich, wie es die griffigen Anwendungsbeispiele und, zudem, die gelungenen und gut zu nutzenden Arbeitsblätter sind.

 

Wie schon der Beginn des Werkes zeigt, in dem die Autoren nicht abstrakt die Grundlagen und klinischen Erkenntnisse des ADHS niederlegen, sondern in konkretem „Frage-Antwort“ Schema umgehend für die Leser den praktischen Bezug schaffen, so ist das gesamte Werk praktisch orientiert, um den Lesern größtmöglichen Nutzen für den realen Umgang mit ADHS zu bieten (ohne dass die fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu kurz kämen).

 

Alles in allem eine sinnvolle und wichtige Fortsetzung von „Wackelpeter & Trotzkopf“, die sich den Herausforderungen der Pubertät kompetent und hilfreich stellt.


M.Lehmann-Pape 2015