Carl Auer 2009
Carl Auer 2009

Cornelia C. Schweitzer – Vom blauen Dunst zum frischen Wind

 

Das Tübinger Programm für Hypnotherapie

 

Direkt vorweg bemerkt, ist dieses Buch, trotz des dahingehend missverständlichen Titels, kein Buch für Raucher mit einer Anleitung zur Entwöhnung in der Art eines Allen Carr Buches.

 

Cornellia Schweitzer gibt vielmehr mit ihrem Buch eine Handreichung für Therapeuten an die Hand, die im Behandlungsbereich der Rauchentwöhnung mit den Methoden der Hypnotherapie arbeiten.

So bildet die Darstellung des Tübinger Programms den inhaltlichen Schwerpunkt des Buches und wird von der Autorin minutiös in seinen  Methoden und den flankierenden Elementen vor Augen geführt. Anhand eines Fallbeispieles werden sodann die zuvor aufgezeigten suggestiven Elemente und die vielfachen Einlassungen zu möglichen therapeutischen Interventionen in der Praxis dargestellt und somit nachvollziehbar gestaltet. Abgerundet wird dieser kerntherapeutische Teil durch verschiedene, hilfreiche Arbeitsmaterialen für die Arbeit in der Rauchentwöhnung, vorwiegend handelt es sich um Protokollformulare, daneben aber auch um Bezugsquellen für benötigte.

 

Neben diesen 70 Seiten der Darstellung des Programms aus Therapeutensicht enthalten die knapp 235 Seiten des Buches eine ausführliche Herleitung, immer aus Therapeutensicht, zu den Grundlagen des Rauchens und der Suchtstrukturen, der Wirkung von Nikotin einerseits und einem breiten Blick auf die therapeutischen Begrifflichkeiten, die Entwicklung und den aktuellen Stand der Hypnotherapie, Betrachtungen der Phasen der Rauchentwöhnung und, als Überleitung zum Tübinger Programm selbst, die Darstellung der empirischen Untersuchung des Tübinger Programms.

 

Letztendlich besteht das Tübinger Programm inhaltlich aus einer Reihe von Elementen, die erst im gemeinsamen Zusammenklang die, empirisch nachgewiesene, Erfolgsquote aufweisen. Nicht-hypnotische Elemente wie Nikotinpflaster, Patenschaften (einmal wöchentlich zumindest Telefonkontakt), Kohlenmonoxidmessung (weniger der Kontrolle, eher der Motivation des Klienten dienend), bewährte Tipps und Tricks und Abstinenztage bilden das nicht-hypnotische Puzzle. Diesem stehen drei hypnotherapeutische Sitzungen zur Seite, um auch von dieser suggestiven Seite her unterstützend bei der Entwöhnung zu wirken.

 

Das Tübinger Programm ist somit eine Zusammenführung zweier bis dato eher getrennter Methoden, der „klassischen“ Rauchentwöhnung, gestützt  durch Entschluss, Freunde und Hilfsmittel und der Rauchentwöhnung durch Hypnose und ihre Suggestivkraft.

 

In der methodisch sauber dargestellten Verbindung erwiesen hilfreicher Elemente aus den verschiedenen Richtungen  liegt tatsächlich ein potenzierte Chance auf einen erfolgreichen Schlussstrich, was das Rauchen angeht.

 

Mit dem Buch erhalten Therapeuten einen umfassenden Einblick in die Struktur und Wechselwirkungen der Sucht „Rauchen“, die Grundlagen der Hypnotherapie werden ausführlich dargestellt und sodann werden alle Elemente im Tübinger Programm praxistauglich und anschaulich dargestellt zusammengebracht. Für Therapeuten, die in der Rauchentwöhnung arbeiten und hypnotherpeutische Elemente in ihrer Praxis nutzen ist das Buch ein Gewinn, für den Raucher an sich durchaus interessant zu lesen, aber nur bedingt hilfreich (Im Sinne einer Kräftigung der eigenen Entscheidung, das Rauchen aufzuhören).

 

M.Lehmann-Pape 2011