Carl-Auer-Verlag 2017
Carl-Auer-Verlag 2017

Daniel Bindernagel (Hg.) – Die Eigensprache des Kindes

 

Adäquate Ressourcen Aktivierung

 

Unstrittig und seit Langem Teil der therapeutischen Arbeit ist, dass eine der wirksamsten Formen der Unterstützung von Patienten in der „Aktivierung vorhandener Ressourcen besteht“.

 

Als Methode, diese zu erreichen, dienen die „idiolektische Grundhaltung des Therapeuten, verbunden mit der ideolektischen Gesprächsführung“. Um beides in bestmöglicher Art und Weise zu vermitteln, bedarf es natürlich einer „gemeinsamen Sprache“. Möglichst genau um Ausdruck ist der Therapeut angehalten, die Aktivierungen anzusprechen, zu verstehen, zu vermitteln, damit der Patient dies möglichst genau und unverfälscht verstehen kann.

 

Kinder und Jugendliche allerdings sprechen, gerade was den emotionalen Bereich angeht, nicht genau die Sprache von Erwachsenen. In manchen Bereichen sogar ist sogar eine sehr unterschiedliche Sprache vorhanden.

 

Daniel Bindernagel macht es sich, erfolgreich, wie man nach der Lektüre feststellt, zur Aufgabe, als Herausgeber die vielfachen Beiträge der verschiedenen Autoren dahingehend zu sammeln, zu strukturieren und zu vermitteln, um (erstmals) systematisch die ideolektische Methode in ihrer Anwendung mit Kindern und Jugendlichen zu beschreiben. Dies betrifft sowohl den verbalen wie den nonverbalen Teil der zentralen therapeutischen Kommunikation, die zentrales Mittel des Therapeuten ist und bleibt.

 

Wobei von höchster Bedeutung ist (und dies drückt sich im Buch eindrücklich aus), dass die therapeutische Haltung deutlich und klar eingenommen wird.

 

Wobei nonverbale Interaktionen von Kindern und ihren Eltern wichtiger sind als Ideen von Fachleuten, der Beobachtungsfokus strikt auf dem bleibt, was vorhanden ist und sich nicht an Defiziten orientiert, wobei die Bedeutung der Handlungsebene eine zentrale ist.

Zudem werden Fachwissen und therapeutische Anregungen so eingebracht, dass der Klient immer zu eigenen Entscheidungen befähigt wird und nicht „Fremdwissen“ nachahmt oder gar für wichtiger als die eigenen Empfindungen und Gedanken hält (was gerade im Umgang mit Kindern und Jugendlichen als Gefahr gewusst und sensibel vermieden werden muss).

 

Diese therapeutische Haltung ist das Eigentliche dessen, was vor allem (aber das gilt generell) die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen therapeutisch wirksam werden lässt. Alleine Methoden zu übernehmen oder „ideolektische Vokabeln“ sich anzueignen, ohne immer und durchgehend die eigene Haltung abzugleichen und zu reflektieren, wird nicht nur nicht zum Erfolg führen, sondern kann sogar kontraproduktiv wirken.

 

Es ist ein wichtiges Moment, durchgehend bei der Lektüre der verschiedenen Darlegungen der verschiedenen Autoren im Buch, immer wieder auf diese entscheidende Kompetenz der therapeutischen Haltung verwiesen zu werden.

 

Dazu dient nicht zuletzt die sorgsame Struktur des Buches. Das gar nicht rein therapeutisch damit beginnt die Entwicklung der „Eigensprache“ schritt für Schritt fundiert und verständlich vor Augen zu führen. Sich auf diesen ersten Teil intensiv einzulassen bedeutet zugleich, ein tieferes Verständnis für die je konkrete Ausdrucksweise von Kindern und Jugendlichen zu gewinnen und damit der notwendigen Haltung schon wichtige Schritte näher zu kommen.

 

Babys und Kleinkinder, Vorschulkinder, Schulinder, Jugendliche und, abschließend, die Eigensprache von Eltern und Fachpersonen bilden die voneinander abgegrenzten (wenn auch fließend ineinander übergehenden) „Sprachbereiche“, innerhalb derer das Buch dem Leser die Eigenarten, inneren Bedeutungen und speziellen Ausdrucksweisen von Emotionen der verschiedenen Entwicklungsphasen näherbringt.

 

Somit erfüllt das Buch in bester Weise, was Bindernagel als zentrale Aufgabe formuliert:

 

„Fachpersonen, die mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern arbeiten, liefert dieses Buch Grundlagen und Handwerkszeug, Kinder besser zu verstehen und auf sie einzugehen“.

Und darüber hinaus schult die Lektüre die Kompetenz, dieses Verständnis nicht nur auf der Sprachebene, sondern auch mit der konstruktiven eigenen inneren Haltung anzugehen.

 

Ein „zieloffenes, sorgfältiges Zuhören und eine gemeinsame Entdeckungsreise“ werden so in diesem Werk von allen wichtigen Seiten her intensiv beleuchtet.

 

 

Eine sehr zu empfehlende Lektüre für alle, die im Bereich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen tätig sind.

 

M.Lehmann-Pape 2017