dtv 2014
dtv 2014

Diana Dreeßen – Mach dich unbeliebt und glücklich

 

Unerschrocken auf das Leben zugehen

 

Paradox klingt der Titel, denn, bis auf einige Ausnahmen an egomanischen, unfreundlichen, aggressiven Zeitgenossen (die dementsprechend nicht selten schlecht angesehen sind), ist es doch ein weit verbreitetes Bemühen unter Menschen, „beliebt“ zu sein.

 

„Dazuzugehören“, nicht anzuecken, nicht herauszufallen (zumindest nicht zu sehr) aus der (vermeintlich) schützenden Gruppe.

Zudem, im Umgang mit Konflikten, im klaren, deutlichen Auftreten, da fehlt es ebenso nicht selten an der Übung. In der Regel lernt der Mensch von Kindheit an, dass er „zu hören“ hat. Die Erwachsenen, die Eltern haben viel mehr Macht, zumindest in der Zeit des Heranwachsens, so dass Automatismen antrainiert sind, die nicht „einfach so“ ad acta gelegt werden können.

 

Dennoch stimmt auch die andere Seite.  Auf Dauer nagt es und macht unzufrieden, und sei es nur vom Gefühl her, mehr zu „investieren“ als zu bekommen. Mehr für die Erhaltung „des lieben Friedens“ auf sich zu nehmen als manch andere, die beim geringsten Anlass vielleicht gern schon ein wenig lauter (und damit einschüchternder) werden.

 

An dieser inneren Befindlichkeit setzt Diana Dreeßen mit ihrem gut verständlichen und spürbar mit Erfahrung versehen Buch an.

 

Nicht das „beliebt sein“ als oberste Priorität zu setzen, dem sich dann alles andere unter zu ordnen hat, sondern die tatsächlichen eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele für sie eigene Person in den Blick zu nehmen. Wie der Untertitel es ausdrückt: „…und nimm dir vom Leben, was du willst!“.

 

Und das besitzt ja auch eine innere Logik, denn oft gibt es ja „bestehende Verhältnisse“, sind Dinge, die einen selbst interessieren ja allgemein „umworben“ und bedarf es einer gewissen Ausdauer, Geduld und Durchsetzungsfähigkeit, um nicht immer wie „hinten angestellt“ zu verbleiben.

 

Und, eine wichtige Kernfrage, sind wenig belastbare Beziehungen, deren Spannung bei entsprechenden Anlässen zu Tage treten, es überhaupt wert, sich diesen ständig „angepasst“ gegenüber zu verhalten?

 

Natürlich führt Dreeßen nicht in brachiale Gefilde der bedingungslosen Leugnung von Moral und Aufrichtigkeit, geht aber sehr wohl in die Richtung der Stärkung des eigenen Weges und der Erfüllung eigener Bedürfnisse auch auf Kosten mancher „Harmonie“ und vermeintlichen „beliebt Seins“ (dass hier und da nur solange hält, wie man anderen nicht in die Quere kommt). Und das gilt durchaus in jeder Lebenslage und in jedem Umfeld, nicht nur an der Börse, an der Dreeßen lange Zeit gearbeitet hat und ein bestes Umfeld zum „sich unbeliebt machen“ quasi geliefert bekommen hat.

 

„Jeder sollte mich toll und nett finden“ geht  nun einmal mit der Erfahrung von Selbstverleugnung und der mangelnden Klärung eigener Konflikte einher. Ein Missverhältnis, welches durch ein allseits „beliebt sein und nett gefunden werden“ auf Dauer nicht ausbalanciert werden kann.

 

Sieben „Schlüssel“ sind es, die Dreeßen immer praktisch orientiert mit vielfachen griffigen Beispielen versehen als Entwicklungsschritte anbietet, um aus einer vielleicht mehr oder weniger stark vorherrschenden „Harmoniefalle“ zu einem selbstbestimmten Leben zu gelangen.

 

Überzeugend, verständlich, vor allem aber sehr motivierend für den Leser, dieses Training Schritt für Schritt mit Ernst anzugehen. Im Wissen, dass jede eigene Ausrichtung ihren Preis kostet. Entweder im Verzicht auf eigene Ziele und Bedürfnisse oder mit dem Risiko, sich „unbeliebt zu machen“. Dass dies im Zweifel vorzuziehen wäre, dafür plädiert Dreeßen überzeugend.

 

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.


M.Lehmann-Pape 2014