tredition 2014
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Eike Rappmund - Praxis-Handbuch Manipulation

 

Umfassender Blick in gewöhnungsbedürftiger Form

 

Vom Titelbild her ein Thriller (oder wahlweise Naturbuch oder Gruselgeschichte). Vom Untertitel "Mentalmagie" her esoterisch angehaucht klingend, im besonderen Stil des Autors fast kumpelhaftes Gespräch (wobei der Ton nicht täuschen sollte, in Teilen bedarf es eines hohen Abstraktionsvermögens, um den komplexen, teils auch weitschweifigen) Inhalten folgen zu können).

 

Das wirkt auf den ersten Blick etwas zusammengewürfelt, erhöht auf den zweiten Blick auf jeden Fall die Aufmerksamkeit und erscheint zunächst wie aus einem Guss "aus dem Bauch heraus" geschrieben.

 

Es könnte allerdings auch sein, dass all dies samt dem ständig vermeintlichen Dialog mit dem Leser (auf "Du-Basis") schon manipulierende Tendenzen in sich trägt. Denn natürlich trägt ein Stil und eine Aufmachung dazu bei, wie man als Leser "bei der Stange bleibt".......

 

Jede Rhetorik, jede Ansprache, die meisten aller Lebensäußerungen sind von manipulativem Charakter (wollen den oder die andere von der eigenen Meinung überzeugen, zu einer Handlung im eigenen Sinne motivieren usw.).

 

Und damit führt die Form des Buches umgehend zum Thema. Zur Manipulation und den manipulativen Techniken von der einfachen Rhetorik  über das Grundwissen des biologischen Gehirns und seiner Funktionsweise hin zu den Bedürfnissen (die "Schnittstelle" der Manipulation) und den konkreten Techniken verbaler, nonverbaler und systemischer Manipulation.

 

Wobei eine konzentrierte Lesehaltung trotz der übersichtlichen Gestaltung und der (nur vermeintlich) einfachen Sprache über die gesamte Lektüre hin notwendig ist, denn was an hypnotischen Sprachmustern, transderivationaler Suche, an Modaloperatoren und Interpunktionsambiguitäten alles hintergründig abläuft, von manchen bewusst gesteuert werden will und vor allem immer in gewisser Weise wirkt, das ist schon viel und im einzlenen nicht immer leicht zu begreifen.

 

Was Rappmund überwiegend gelingt, und zwar für beide Seiten an Leseerwartung (manipulative Techniken kennenlernen von ihrer aktiven Seite hier und sich lernen zu verwahren, zumindest ein stückweit abzuschotten eben gegen solche Techniken), ist dabei auf jeden Fall die Erkenntnis der "Macht der Manipulation", sehr überzeugend vorzulegen.

 

Rappmund legt z.B. in Bezug auf die Hypnose Muster, Formulierungen und Artikulation Schritt für Schritt vor Augen und ermöglicht dem Leser (auch in allen anderen Themenbereichen des Buches) eine klare Erkenntnis der Wirkweise der jeweiligen Technik und der Rezeptoren (neurologische Strukturen, Bedürfnisse, Empfänglichkeiten) im Menschen (dies allerdings nicht immer dezidiert, sondern teils allgemein gehalten).

 

Techniken, die beileibe nicht nur auf der Bühne oder in der medizinischen Heilhypnose sinnvoll und gewollt zum Einsatz kommen, sondern von der Werbung über die Politik bis zum Geschäftsleben (man könnte sagen: "hinterrücks") eingesetzt werden. Gut, dies nach der Lektüre dieses Buches auf vielen Ebenen zu wissen, auch wenn das keine Garantie dafür darstellt, all die Techniken auch immer zu bemerken.

 

Im Gesamten lässt sich durch dieses Buch gut erkennen und erfassen, wie vielfach und allgegenwärtig, vom privaten Kontakt bis zum professionellen Einsatz, ständige Versuche unternommen werden, "bewusst unbewusste Reaktionsmuster" anzureizen.

 

Und ebenso verhilft Rappmund dem Leser zu einer vertiefenden Erkenntnis, warum das in der Regel auch funktioniert. Wenn man sich nicht aktiv und rational dagegen wappnet (und nicht selten hilft auch das nichts).

 

Dabei hält er sich handfest an den aktuellen Wissenstand (in Auszügen, natürlich), verweist (manchmal deutlich zu ausführlich) auf die Entwicklungsgeschichte der jeweiligen Technik, gibt vielfache vertiefende Literaturhinweise und grenzt sich damit von reinen "Glaubensbüchern" oder "Ratgebern" deutlich ab.

 

 

Ein nicht einfach zu lesendes, sehr grundsätzliches Buch mit vielfachen und fundierten Informationen, das man sich, in Teilen zumindest, intensiv erarbeiten muss,  dessen Stil nicht jedermanns Sache sein wird, dessen Lektüre sich aber am Ende durchaus lohnt.

 

M.Lehmann-Pape 2014