Kösel 2016
Kösel 2016

Eva Senges – Ich will mich ändern, aber wie?

 

Klar und verständlich geschrieben

 

Die Einsicht ist oft vorhanden. Dass das ein oder andere so nicht weitergehen soll.

Doch, wie schon Paulus sagt, oft ist „der Geist willig, doch das Fleisch schwach“.

 

Um diese Aussage ein stückweit psychologisch zu differenzieren: Es geht vor allem um Gewohnheiten. Und wenig ist mächtiger als langjährig „eingeübtes“ (vor allem unbewusstes) Verhalten.

Das betrifft alle Bereiche der Gewohnheiten, von kleinen Dingen (mal weniger essen, mal nicht mehr rauchen, mal mehr Sport treiben) hin zu den großen Störungen, die man als Mensch erleben kann.

 

Destruktives Verhalten, immer die gleichen Verhaltensweisen anderen gegenüber, von denen man doch schon längst weiß, dass sie nicht gut ankommen, nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Nicht selten, je mehr die Lebensjahre fortschreiten, kommt daher völlig zurecht der Impuls ins Leben, manches einfach so nicht mehr tun zu wollen, Dinge zu ändern, an sich selbst, mit sich selbst stimmiger zu werden, wie es Senges ausdrückt.

 

Und dann vor allem wird deutlich, wie stark Gewohnheiten die eigene Person bestimmen und im Griff halten.

Eva Senges geht diese Entwicklung zur Veränderung hin sehr ruhig in der Sprache, sehr sachlich und, vor allem, mit sehr griffigen Bildern und Hilfestellungen an.

 

Denn gegen die Neigung oft, einfach „nach vorne zu laufen“, energiegeladen ein „Jetzt aber“ in den Raum zu setzen, setzt Senges zunächst die einfach klingende, aber schwer zu beantwortende, dafür aber entscheidende Frage: „Es muss sich etwas ändern, aber was“?

 

Denn es ist völlig richtig, genau zu wissen, was das eigentlich ist, was sich da in einem ändern sollte oder müsste, um bestimme Dinge anders dann auch tun zu können.

Vordergründige Einsichten sacken schnell in sich zusammen, eine tiefere Ebene der Entscheidung und der Einübung muss gefunden werden, um Veränderungen dauerhaft zu verankern.

 

So ist es ebenso wichtig, Senges in der „Erforschung des Planeten“ zu folgen. Das, was im Inneren den Kern der eigenen Persönlichkeit darstellt. Den „Ausgangspunkt“ möglichst genau beschreiben zu können und, zugleich, die eigenen Kräfte (die „Perlen“) darauf zu finden und als Instrumentarium für die Arbeit an sich selbst zu verstehen.

 

Dabei berührt Senges auch (wie sich an manchen ihrer Begriffen bereits zeigt), spirituelle Ebenen. Hier überschreitet Senges aber keineswegs zu sehr die Grenze hin zu esoterischen Ausrichtungen, fundiert auf der psychologisch-systemischen Ausrichtung stehend geht Senges sehr verständlich und mit vielfachen Hinweisen für die eigene Arbeit an sich selbst versehen der Frage nach, wie es gelingen kann, sich ein „neues, stimmiges Leben“ aufzubauen.

 

Die Arbeit mit „inneren Landkarten“ ist dabei aus der systemischen Arbeit bereits gut bekannt, sie im Buch angebotenen Selbstreflexionsübungen bieten dem Leser handfeste Möglichkeiten, aus einem „irgendwie soll es anders“ den Kern der gewünschten Veränderung herauszuarbeiten, die Mittel für diese zu benennen und einen Weg zur Umsetzung für sich zu skizzieren.

 

„Aus der Kluft zwischen idealen und realen Lebenswelten lässt sich zwar in den meisten Fällen ziemlich gut erschließen, wohin die Reise gehen müsste, doch bleibt das häufig reine Theorie“.

 

Was mit diesem Buch (und der notwendigen Bereitschaft zur Veränderung) nicht mehr in der Theorie nun stecken bleiben muss.

 

 

Eine anregende und fundierte Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2016