Carl Auer Verlag 2018
Carl Auer Verlag 2018

Frank Früchtel, Erzsébet Roth – Familienrat und inklusive, versammelte Methoden des Helfens

 

Verständlich erläuterte und praktisch ausgerichtet Darstellung

 „Nicht die professionelle sozialpädagogische Familienhilfe macht glücklich, sondern das Gefühl: „Da gibt es Menschen, die zu mir stehen und mich unterstützen, weil ich es bin, weil ich ihnen wichtig bin, weil sie mich mögen““.

 

 

Das ist der Ansatz und der Grundgedanke hinter der (lange bereits erprobten und angewandten) Methode des „Familienrates“ als Teil sozialpädagogischer Familienhilfe in Kindergarten, Schule und vielen anderen sozialen Arbeitsfeldern.

 

Wobei die Autoren hier nicht eine weitere theoretische Abhandlung alleine vorlegen, sondern den „Tellerrand“ deutlich erweitern. Zum einen durch die sehr praxisnahe, leicht zu lesende und bestens gelungene Darstellung der Methode „Familienrat“, sowie die Blicke „links und rechts“ über die Methode heraus zu flankierenden, erprobten und ebenfalls konsequent in der Praxis verankerten Instrumenten erweiterter Hilfestellungen.

 

Das beginnt schon mit dem sachlichen und gar nicht moralinsauren Verweis auf die „nachlassende Nachbarschaft“ und die zunehmende Delegation aller sozialen Probleme auf staatliche Stellen. Wo doch gerade im engsten Umfeld am meisten „mitbekommen wird“ und so eine funktionierte, soziale Einheit wie eine „gute Nachbarschaft“ auf Dauer mit die beste Hilfe in vielen problematischen Fällen sein könnte.

 

Aus dieser Beobachtung und der Idee größerer sozialer Vernetzung im engeren Umfeld ist der “Familienrat“ als Methode 2005 entstanden. Das „Dorf, dass man braucht, ein Kind zu erziehen“, soweit es in der Gegenwart möglich ist, zu aktivieren und für belastete Situationen hinzuzuziehen.

 

Schon hier wird deutlich, dass der Ansatz deutlich über eine „reine Methode“ hinausgeht und einen größeren, auch philosophisch und ethisch mit bedachten, Umfang als Zielvorstellung in den Raum setzt. Überzeugend in den Raum setzt. Mit der klaren Gliederung, den strukturierten Argumenten und den vielfachen Beispielen aus einer gelingenden Praxis, mit denen die Autoren aufwarten.

 

“Eine Familie hilft gemeinsam“ und dabei wird Familie nicht im engsten Begriff definiert, sondern als soziale Größe.

Wie das geht, was die theoretischen Grundlegungen und Ziele dieses Verfahrens sind, wo es bereits erfolgreich umgesetzt wurde und wie dies in Zukunft in bester Form erweitert werden kann, dass ist das Thema und der rote Faden dieses (auch sprachlich eingängigen) Werkes.

 

Was dabei die „Maori“ grundlegend beigesteuert haben, dass „Geben“ ein elementarer Sozialprozess ist, der in den modernen Gesellschaften mehr und mehr am Rande verkümmert, wenig bis gar nicht mehr beachtet wird (zugunsten eines möglichst breiten „Nehmens“) und welche destruktiven Folgen das hat, das ist ebenso interessant zu lesen, wie die konstruktiven Folgen, wenn es gelingt, ein „Geben und Nehmen“ im Prozess kreativ zu installieren. Mit Folgen weit über den „konkreten Vorfall“ dann je hinaus.

 

So sind im Buch „Probleme“ eben weniger „nur Störungen, die abgestellt werden sollen“ (am Besten durch „den Staat“), sondern Probleme werden im Gegenteil im „Familienrat“ verstanden als Hinweise, Möglichkeiten und Chancen, als „Rohstoff für soziale Verbindungen“.

 

Was natürlich nicht ausschließt, dass der Familienrat auch Schutzfunktionen umgehend zu übernehmen hat, wenn Gefahr für das Kindeswohl droht oder Prozesse nicht einfach in Gang gesetzt werden können.

 

Sehr erhellend aber ist es, Seite für Seite, wohldurchdacht und begründet, zu lesen, dass Geduld für soziale Prozesse und deren Verfestigung sich auszahlt, fast den „Königsweg“ darstellt, dass dies in der Praxis auf breiter Ebene funktioniert und damit ein anderes Denken und Herangehen an jene „sozialen Brennpunkte“ und „gestörten sozialen Beziehungen“ in den Raum gesetzt werden, als diese nur „staatlich zu kolonialisieren“.

 

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, die in ihren Wertsetzungen und praktischer Bedeutung nicht nur für im Bereich Arbeitende von Interesse ist, sondern eine breite Leserschaft verdient hat.

 

M.Lehmann-Pape 2018