Integral 2014
Integral 2014

Frank M. Lobsiger – Die Kunst der Selbstliebe

 

Lob der Selbstwertschätzung

 

Sich selbst annehmen zu können, wie man  ist, sich „selbst zu lieben“, das ist das Thema, dem Frank M. Lobsiger in diesem Buch durchaus einfühlsam und differenziert nachgeht.

 

Zu einem Thema, dass „offiziell“ nicht unbedingt beliebt ist, denn sich selbst zu sehr nach vorne zu rücken, unter Umständen gar keinen Hehl daraus zu machen, das man sich und wie man sich gut findet, kommt oft gar nicht gut an. So hinterlassen Personen, die eine offene Selbstliebe zur Schau tragen oft den Geschmack einer gewissen Peinlichkeit und Fremdscham, von Dieter Bohlen über „die Geißens“ ist dies genügend häufig in den Medien zu betrachten.

 

Dennoch aber stimmt die Beobachtung Lobsigers, die er zu Anfang schildert. Wer sich nicht mag, wer einen „Mangel an Selbstliebe“ in sich trägt (und das dürfte nicht nur in hiesigen Breitengraden weit verbreitet sein), der steht unter Druck.

 

Anerkennung zu suchen im Außen. Anderen dringend gefallen zu wollen. Unsicherheiten in vielfacher Form zu erleben und dementsprechend auf die Welt auch zuzugehen, mit Misstrauen oft statt positiven Gefühlen.

 

Aber es gilt eben: „Alles Leiden und alle Schwierigkeiten, die ich im Lauf meines Lebens hatte, wurden nicht von anderen Personen oder schweren Schicksalsschlägen verursacht. Das allergrößte Leid hatte ich durch meine ablehnenden Haltung mir selbst gegenüber erschaffen“.

 

Sei es auch sprachlich sehr einfach, fast naiv im Buch ausgedrückt, fehlen hier und da differenzierte psychologische Betrachtungen, wirkt der Tonfall durch die direkte Ansprache an den Leser auch hier und da kumpelhaft oder gar pathetisch, in seinen einfachen und gut verständlichen Worten befasst sich Lobsiger dennoch in guter Weise mit einem wichtigen Thema.

 

Dass die negative Haltung zu sich selbst eine „angelernte“ ist und daher auch umgelernt und verändert werden kann, das ist mithin die Grundlage fast aller psychotherapeutischer Verfahren und wird in diesem Buch in einem übersichtlichen und in der Praxis einfach nachzuvollziehenden „Programm“  verständlich vor Augen geführt.

 

Es ist eben zwar üblich und „antrainiert“, aber letztendlich tatsächlich nicht „wirksam“, darauf ausgerichtet zu bleiben, „Glück in der Außenwelt“ zu suchen, Liebe und Vergnügen in erster Linie bei anderen zu suchen. Das ist zwar die Art, wie die Welt offenkundig ausgerichtet ist, aber nicht der Ort, an dem tatsächlicher „Seelenfrieden“ dauerhaft gefunden werden kann.

 

Mithilfe des schriftlichen Programms des „Willkommen-Prozesses“ bietet Lobsiger im Verlauf des Buches eine einprägsame und einfache Methode an, sich „sich selbst“ zu stellen und als „bewusste Entscheidung“ den Weg der Selbstannahme, des gnädigen Umgangs mit sich selbst und der Selbstliebe anzugehen.

 

Es fehlt sicherlich ein kritischer und differenzierter Umgang mit einem „zu viel“ an zu Markte getragener Selbstliebe, die als Überheblichkeit besser bezeichnet wäre und eben weniger eine Auseinandersetzung mit sich selbst im Hintergrund besitzt, sondern eher eben genau diese durch lautes Getöse nach Außen vermeidet. Aber auch hier ist sachlich zunächst zu erproben, ob nicht eine gesteigerte Selbstliebe auch fast automatisch zu mehr Akzeptanz und Wertschätzung anderer führt, wie Lobsiger formuliert.

 

 

Alles in allem sicherlich ein wenig esoterisch und „bewusst“ in der Sprache angehaucht, pathetisch in Teilen, kumpelhaft durchgehend formuliert, in den einzelnen Übungen der „Willkommenssitzungen“ für rationale Menschen gewöhnungsbedürftig, im Kern aber durchaus eine praktische Hilfe in einem existenziellen Bereich der eigenen Persönlichkeit

 

M.Lehmann-Pape 2014