Beltz 2014
Beltz 2014

Fredrike Bannink – Praxisbuch Positive KVT

 

Sehr fundierte und verständliche Darstellung einer überzeugenden Herangehensweise

 

Vier therapeutische Bereiche sind es, die bei der Lektüre ins Auge fallen und zwischen denen dieses Handbuch eine methodische Verbindung darlegt.

 

Zum einen die klassische Verhaltenstherapie, zum zweiten der Hinweis auf lösungsorientierte Therapieformen (wie sie vor allem  Günter Bamberger für den deutschsprachigen Raum in seinem Handbuch grundlegend dargestellt hat), zum dritten die positive Psychologie und zu guter Letzt der in letzter Zeit auch in populär-wissenschaftlichen Büchern häufig auftauchende Begriff der Resilienz.

 

„Was können Therapeuten tun, um die langfristige Resilienz ihrer Klienten zu stärken“ ist in diesem Zusammenhang daher auch eine der Leitfragen des Buches.

 

Und impliziert auch das Ziel der Darlegungen. Die Förderung der Stärken und der Resilienz der Klienten im Rahmen von Befunderhebung, der Weckung des Engagements, der Entwicklung eines Fallkonzeptes und dann ein strukturiertes und geplantes Vorgehen bezogen auf  einen darauf abgestimmten, lösungsorientierten Weg in Struktur und Methoden der Beratung / Therapie.

 

Spürbar aus der Praxis und mit vielfachen Beispielen versehen legt Bannink ihre Erkenntnisse im Buch dar und bezieht die Möglichkeiten der Anwendung sowohl auf den einzelnen Klienten, wie auch auf die Arbeit mit Paaren, Gruppen und Organisationen. Wobei Bannink in Teilen des Buches mit direkten Übungen für den Leser arbeitet, so dass die Inhalte umgehend erlebbar zunächst im Eigenversuch umgesetzt werden können und damit ein wichtiger Zugang zu den Methoden und Instrumenten geschaffen wird.

 

Wie die „Wendung“ gelingen kann von einem „Arbeiten am Defizit“ hin zu einer Arbeit für „Stärken und Resilienz“, das führt Bannink dem Leser überzeugend und fundiert argumentiert vor Augen, nachdem im ersten Teil des Buches zunächst die theoretischen Grundlagen und Vorgehensweisen komprimiert, aber ausreichend, beschrieben werden („Was ist KVT?“ und dann, etwas breiter in der Darstellung, „Was ist positive KVT?“ und „Die Möglichkeiten der positiven KVT“).

 

Hier vor allem gut gelungen und für den Leser einfach verständlich aufbereitet (wie Bannink im Gesamten sehr verständlich sich ausdrückt) ist die Gegenüberstellung von „traditioneller KVT“ und „positiver KVT“ mit einer entsprechenden kleinen Übung, die den Leser bestens auf die besondere Ausprägung der positiven KVT im weiteren, größten Teil des Buches vorbereitet.

 

Dass diese Variation der KVT mitsamt ihrer Integration der Elemente aus lösungsorientierter und positiver Psychologie an der Rolle und Haltung des Therapeuten sich vor allem festmacht, ist selbstverständlich. Die „veränderte Rolle des Therapeuten“ wird kurz, aber prägnant beleuchtet.

 

Überzeugend liest sich im Buch dieser integrative Ansatz, der eben nicht die Grenzen zwischen Therapieformen betont, sondern nach dem Motto Watzlawicks: „Alles zu benutzen, wenn es funktioniert“ Methoden und Instrumente einer praxisnahen Synthese zuführt.

 

Von der Stärkung der Hoffnung, der Konzentration auf nützliche Kognitionen und Überzeugungen, von der Arbeit mit der Vorstellungskraft und der Einbeziehung von Elementen aus der „Achtsamkeit“ hin zu klassischen Methoden der Verhaltenstherapie und der gerade sich breit ausdifferenzierenden Schematherapie führt Bannink sicher und eingängig vom Assesment über die Veränderung der Sichtweide hin zur Veränderung von Handeln und Fühlen und ist jederzeit in der Lage, ihre Inhalte empirisch und an kurzen Fallbeispielen zu unterfüttern.

 

 

Ein umfassend überzeugendes Buch in theoretischer Grundlegung, Darstellung der „synthetischen“ Methode und Praxisnähe, das, nicht zuletzt durch die einfachen Übungen, eine hohe Motivation beim Leser erzeugt, die vielfachen Anregungen und grundlegenden „anderen“ Überlegungen in die eigene Praxis hinein umzusetzen.

 

M.Lehmann-Pape 2014