Kösel 2014
Kösel 2014

Freya von Stülpnagel – Wo finde ich Dich?

 

Für eine konstruktive Trauerarbeit

 

Wen die Trauer ins Leben tritt, „zuschlägt“ manchmal, wenn ein naher Mensch stirbt, dann ist das „tiefe Loch“ nicht weit, in der man fast endlos fallen kann.

 

Der Tod als zwar „gewusstes“, aber kaum zu begreifendes Geschehen wirft ein Vielfaches an Fragen und emotionalen Zuständen bei den Hinterbliebenen auf, für die oft händeringend nach Antworten gesucht wird. Und gerade die Frage nach einem möglichen „Danach“ steht zentral im Raum.

 

Für diese schweren Momente im Leben bietet Freya von Stülpnagel in sensibler Weise Gedanken und Möglichkeiten, seine Trauer zumindest ein stückweit aktiv anzugehen. Antworten auf die existenziellen Fragen des Lebens zu suchen, die sicherlich auf der diesseitigen Seite des Todes keine abschließende Antwort finden werden, die aber mit den ruhigen Gedanken im Buch das spirituelle Fragen des Menschen angesichts des Todes wohltuend aufnehmen und anleiten.

 

Dabei geht es bei Weitem nicht um eine Form der „Geisterbeschwörung“, um den oder die Verstorbene „zu finden“, sondern ganz grundlegend im Fragen des Glaubens und der Möglichkeit einer anderen Existenz außerhalb der rein leiblichen.

 

„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit“ (Prediger 3).

 

Dies ist nicht nur ein wichtiges Motto der Arbeit von Freya von Stülpnagel, sondern auch ein im Buch spürbares Fundament, auf dem sie ihre Arbeit mit Trauernden aufbaut.

 

Trauer darf sein und gehört dazu, die Fragen, die in solchen Momenten angesichts der Endlichkeit des Lebens auftauchen sind wichtige Fragen, die gerade in der Zeit der Trauer bloß liegen und dort aufgenommen werden wollen. Hierzu gehört auch der Verweis darauf, dies nicht alleine und einsam zu vollziehen und sich auch nicht mit der reinen Lektüre eines Buches zufrieden zu geben, sondern sich den vielfach existierenden Trauergruppen zu nähern, so schwer das zunächst auch fallen kann.

 

„Glaube ist nicht wissen, aber hoffen dürfen wir immer“. Nicht esoterische Heilsversprechen finden sich im Buch, sondern ein ernst nehmen der Trauer und der Fragen der Trauernden, ohne steile Sätze, die ein Wissen nur vorgaukeln würden.

 

„Ich bin nicht fest davon überzeugt, dass ich unseren Sohn Benni wiedersehen werde, aber ich glaube es zumeist“. Und für diesen Glauben gibt es Gründe. Anhaltspunkte, an denen persönliche Erfahrungen sich anknüpfen und entstehen können.

 

Wege zum Glauben werden dabei aus christlicher Sicht im Buch ebenso benannt, wie mögliche und hilfreiche Zeichen und Rituale hin zu einem möglichen Vertrauen in die Kraft der Seele und wie dieses wachsen kann.

 

Ob dann kleine Ereignisse, Begegnungen, Zeichen als direkter „Kontakt“ bewertet wird, ob in einem Vogel, einem anderen Geschehen „Zeichen des Verstorbenen“ zu finden wären, wie es manche Trauernde empfinden, auch hier bleibt Freya von Stülpnagel angenehm distanziert und verweist auf das „Eigentliche“, was solchen Ereignissen und Deutungen inne liegt:

 

Als Wahrnehmungen von Hinterbliebenen sind solche Erfahrungen sensibel ernst zu nehmen, Außenstehende können dies einfach nicht beurteilen. Aber für Gespräche auch über solche Erfahrungen offen sein und bleiben.

 

 

Ein im Tonfall ruhiges, in den Inhalten differenziertes und in der Emotion hilfreich nahekommendes Buch, das eine Stütze in der Trauer bietet und damit einen Teil Seelsorge vielleicht schon leistet, zumindest den Weg für eine solche bereitet.

 

M.Lehmann-Pape 2014