Beltz 2013
Beltz 2013

Gitta Jacob, Laura Seebauer (Hg.) – Fallbuch Schematherapie

 

Aus der Praxis für die Praxis

 

Immer breiter wird auch die deutschsprachige Literatur zur Schematherapie. Grundlegende Hinführungen und die Darstellung spezieller Anwendungsgebiete (Coaching, Therapie u.a.) liegen in nachvollziehbarer Form vor. Ein klares Zeichen für die zunehmende Bedeutung der Schematherapie im Kanon psychotherapeutischer Methoden.

 

In dieser Breite der Darstellung schließt das vorliegende Praxisbuch in guter Weise eine weitere Lücke. Anhand ausgewählter Fallbeispiele führen die Herausgeber systematisch durch die Praxis der Schematherapie an 29 symptomatischen Störungsbildern.

 

Von der „ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung“ über die klassische Depression (und Burnout), vom „Liebeswahn“ über den „Narzissmuss“, über Alkoholsucht, Essstörungen, Zwangsstörung bis hin zum Borderline und zum „ewigen Studenten“ reicht die Breite der Darstellung, innerhalb derer immer sehr individuell, auf den konkret beschriebenen Klienten abgestimmt, die Methodik und Systematik der Schematherapie mitten aus der therapeutischen Praxis heraus sehr verständlich dargestellt wird.

 

Gut in diesem Zusammenhang gelöst ist, dass nicht nur nach einzelnen Stichworten hin dargestellt wird (ein Kapitel zur Depression und gut ist), sondern die einzelnen „Grundstörungen“ wie Narzissmus, Depression, Zwangsstörung u.a. in verschiedenen Konstellationen Eingang in die Darstellung im Buch finden.

 

Depression im Sinne von Burnout, aber auch in der Verbindung mit narzisstischen Störungen oder in Verbindung mit einer kombinierten Persönlichkeitsstörung bieten einen ebenso verständlichen Einblick in das breite Feld der Depressionen, wie beim vorgelegten Fall der Arbeitsstörung narzisstische Elemente mit einfließen. Narzissmuss, der ebenso in Verbindung mit einer Zwangsstörung ein ganz eigenes Krankheitsbild ergibt und ebenso einhergehend mit einer Depression wiederum andere Ausformungen zeigt.

 

In komprimierter und konzentrierter Form legen die diversen Therapeuten im Buch ihre Fallbeschreibungen vor. Vom Erstkontakt  über den biographischen Hintergrund des jeweiligen Klienten über eine Darstellung des konkret vorliegenden Modus-Modells und die Beschreibung des Behandlungsweges samt angewandter Methoden aus dem „Methoden-Pool“, bis hin zur Darstellung des Behandlungsergebnisses und eines Ausblicks findet der Leser alle Stationen des Therapieverlaufes nachvollziehbar und verständlich vor.

 

Sowohl die individuelle Ausrichtung der einzelnen Fallbeispiele (ganz im Sinne der Schematherapie, in der die individuelle Befindlichkeit und die daraus folgende Beziehung zwischen Therapeut und Klient ja eine herausragende Rolle einnimmt) ist dabei für den im Bereich arbeitenden Leser plastisch und hilfreich dargestellt, als auch die sich daraus ableitenden „größeren Bilder“ von auch symptomatischen „Fallgruppen“ zu einem tieferen Verständnis der jeweiligen Störungsmuster (Schemata) und deren Bearbeitung verhelfen.

 

Alles in allem bietet das Buch eine ganz hervorragende und fast notwendig zu lesende Ergänzung zu den vielfachen Beiträgen zur Schematherapie, in dem es sich vollständig auf eine überzeugend dargestellte Praxis bezieht.

 

M..Lehmann-Pape 2013