Beltz 2016
Beltz 2016

Hans-Joachim Gergs – Die Kunst der kontinuierlichen Selbsterneuerung

 

Change von Innen

 

„Die Veränderung an sich verändert sich“.

 

Nicht nur im technischen Bereich mit seiner exponentiell sich steigernden „Veränderungs-Geschwindigkeit“, sondern auch in der Notwendigkeit, sich selbst in immer besserer Weise an die sich schnell ändernden „Umstände“ zu adaptieren.

 

„Irgendwann wird auch ihr Unternehmen vor der Herausforderung stehen sich auf eine Art zu verändern, für die es kein Vorbild gibt“.

 

Und die großen Technik-Konzerne der Zeit machen es ja vor. Was ehemals Kerngeschäft war herunterzufahren, unter Umständen ganz zu verlassen, um sich zu neuen Ufern, Produkten, Ideen hin aufzumachen.

 

In den, lange Zeit, geltenden Regeln des „Change“ als begleitetem Prozess war es üblich, solche Anstöße zu Veränderungsprozessen, die Initiation eines solchen Prozesses und die Durchführung (unter Absprache mit den Verantwortlichen des jeweiligen Betriebes) von „außen“ zu setzen.

 

Gergs nun legt eine Betrachtung des Change und seiner Prozesse und Etappen vor, die zwar durchaus immer noch einer externen Begleitung (in Form einer Kontrolle und technischen Anleitung) bedürfen mögen, deren wesentliche Punkte aber von „innen“ kommen müssen, soll ein solcher Prozess erfolgversprechend auf den Weg gebracht werden.

 

Also gilt eben auch: „Wir müssen ändern, wie wir unsere Unternehmen verändern“. Im Sinne einer Fähigkeit zur „kontinuierlichen Erneuerung“, die dem Wesen von Unternehmen zunächst allerdings fast völlig widerspricht. Denn woher soll in „guten Zeiten“ die Motivation entstehen, schon die nächsten Veränderungen vorzubereiten, die erst noch kommen mögen?

 

Aus Einsicht, wie Gergs nicht müde wird, zu betonen. Aus einer Veränderung der eigenen inneren Haltung, die dann nicht mehr aus „Freeze – Change – Freeze“ besteht, sondern aus einer „grundlegenden Neugier auf die Zukunft“ und die Gestaltung derselben aus Sicht des eigenen Unternehmens.

 

Es ist anstrengend, „ständig in Bewegung zu bleiben“, aber die einzige Chance, überhaupt zu bleiben. Und, zudem, wenn die leicht angerosteten Zahnräder erst mal wieder anlaufen, dann ergibt sich auch eine „Freude am Wandel“, ein kreativer und konstruktiver Umgang mit sich schnell ändernden Rahmenbedingungen, die als Herausforderung, nicht als Bedrohung dann wahrgenommen werden können.

 

Hierfür bietet Gergs im Buch keine Patentlösung, keine einfach zu lernenden Regeln, die „es dann schon richten“, wohl aber gelingt es ihm an den verschiedenen Themen und Etappen des „Change“ einerseits mit „Mythen des klassischen Change“ aufzuräumen und andererseits genau zu erläutern, wie eine „kontinuierliche Selbsterneuerung“ in sich entdeckt und entfaltet werden kann, wie diese dann im Prozess ihren Weg nimmt(in  sieben Prinzipien) und, wie am Ende eine „erneuerungsfähige Organisation“ daraus entsteht.

 

Unter besonderer Betrachtung (fast selbstverständlich) was die Rolle der Führung in diesem Prozess angeht.

 

Denn Veränderung geht zunächst immer „vom Kopf aus“, und, wie beim biologischen Wesen gilt dies auch für Unternehmen. Gerade hier also ist der zentrale Ort des Beginns der Veränderung und der Entwicklung einer erneuernden Haltung (vom „heldenhaften“ Manager zum „weisen“ Manager unter Schaffung von Vertrauen und Containment).

 

 

Im Stil sehr flüssig und verständlich vorgelegt, gelingt es Gergs dabei, auch komplexe Inhalte ruhig und sachlich zu erläutern und damit einen ausgereiften und ein Erproben zumindest ermöglichenden Weg vorzulegen. Auf jeden Fall auf der Höhe der Zeit und eine anregende konstruktive Möglichkeit, der sich „verändernden Veränderung“ gestaltend zu begegnen.

 

M.Lehmann-Pape 2016