Kösel 2017
Kösel 2017

Hans-Werner Wahl – Die neue Psychologie des Alterns

 

Nicht alles „neu“, aber interessant zu lesen

 

Die „Neue Psychologie des Alterns“, vorgestellt von Hans-Werner-Wahl, seines Zeichen Psychologe und „Altersforscher“, räumt mit einigen (zugegeben teils sehr althergebrachten) Beurteilungen der „letzten“, aber inzwischen „langen“ Lebensphase auf und zeichnet sich vor allem durch einen durchweg positiven Blick auf das Alter in seinen verschiedenen Etappen aus.

 

Bis hin zur „fast letzten Phase“, des zunehmenden und, als Kurve betrachtet, recht steilen körperlichen Abbaus zum Ende des Lebens hin. Den Wahl kennzeichnet als eine Chance für den Menschen, diesen Abbau bewusst wahr- und anzunehmen als eine Form der „inneren“ Vorbereitung der Person in Psyche und Körper, das Leben loszulassen.

 

Auch das ist im Übrigen nicht unbedingt neu. Die Phasen des Sterbens, von Kübler-Ross vor Jahrzehnten bereits minutiös beschrieben, finden sich hier in zusammenfassenden Worten durchaus wieder, wie auch die eigene Erfahrung wohl der meisten Leser in der eigenen Familie bei sehr alt gewordenen Menschen diese Bewertung unterstützt, dass irgendwann auch die Bereitschaft zum Loslassen, das „nicht mehr weiter Wollen“ deutlich erkennbar im Raum steht (Ausnahmen bestätigen die Regel).

 

Dass „alt werden“ eine „Erfolgsgeschichte ist“ liegt ebenso klar auf der Hand, was die steigende Lebenserwartung, aber auch die länger anhaltende „Fitness“ körperlich wie geistig im Gros angeht. Und dass (nicht nur im Übrigen) das Alter und Altern auch eine „Kopfsache“ ist, dass sich in der Bewertung des Alters (zumindest bei den „Alten) mental im Vergleich zu vorhergehenden Zeiten vieles geändert hat (man ist mehr und mehr so alt, wie man sich fühlt und fühlt sich eben nicht so, wie es Stereotype der Gesellschaft lange Jahrhunderte geprägt haben), auch das ist einsichtig und nicht unbedingt neu

 

Was ein, in dieser Form, durchaus aber neuer Blickwinkel ist, ist, das Alter nicht mehr von der Distanz zur Geburt her zu betrachten und damit als verlustreiche Vergangenheitsgeschichte zu bewerten, sondern es von der „Distanz-zum-Tod-Forschung“ her als noch aktiv und, vor allem, gut, zu gestaltenden „Lebensabschnitt“ nach vorne hin zu Leben. Was natürlich beinhaltet, sich mit dem Gedanken der Begrenzung des Lebens, des Sterbens und des Todes im Leben vertraut zu machen und von dieser Begrenzung aus die Lebenszeit bis zum Tod konstruktiv anzunehmen.

 

Salopp formuliert könnte man die „neue Qualität“ des Alterns dahingehend formulieren, dass nicht mehr bedauert wird, was man „nicht mehr kann“ im Blick auf die langen Zeiten des Lebens zuvor, sondern dass die Freude entdeckt wird und die Möglichkeiten genutzt werden,

„was immer noch oder neu“ möglich ist.

 

Erfahrung, Stabilität, mentale Sicherheit, der Wegfall von „Druck“ bestimmte Leistungen „bringen zu müssen“, Gelassenheit und eine Vielzahl an „Bewältigungsstrategien“ für eine ebensolche Vielzahl an Lebenssituationen (aus Erfahrung gewonnen). Erfahrungen, die in der inneren Haltung und den äußeren Fertigkeiten durchaus es lohnen, weitergegeben und von Nachkommenden angenommen zu werden.

 

Nicht verschwiegen, und das ist gut so, werden Momente der „Ohnmacht“ gegenüber dem Altern, denn es ist Fakt, dass trotz aller „moderner“ neuer Möglichkeiten das Alter auch, vor allem, körperliche Einschränkungen mit sich bringt.

 

Alles aber kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, folgt man den Einlassungen im Buch, die zum einen salopp formuliert du leicht verständlich in den Analysen und Zielen formuliert werden, anderseits ein wenig trocken wissenschaftlich da vor Augen gestellt werden, wo wissenschaftliche Erkenntnisse der verschiedenen Stränge der Altersforschung benannt werden.

 

 

Alles in allem nicht unbedingt eine ständig überraschende, neue Vorstellung des Alterns, aber doch passend zusammengetragene und zusammengedachte Schau auf die „moderne Art und Möglichkeit des Alterns“.

 

M.Lehmann-Pape 2017