Droemer 2014
Droemer 2014

Jens Corssen, Christiane Tarmitz – Ich und die anderen

 

Aktiv Beziehungen gestalten

 

„Wenn doch all die anderen nicht so wären, wie sie sind … (was ginge es mir dann gut und was wäre die Welt für ein schöner Ort)“.

 

Der Mensch neigt dazu, generell (und nicht nur) bei nicht gelingenden Aktionen, bei Kritik, bei Stress aller möglichen Art, gerne und ausführlich den oder die anderen als „Sündenböcke“, als „Verursacher des eigenen Unwohlseins“ auszumachen und diesen ebenso ausführlich zu „besprechen“. Natürlich nicht direkt, sondern mit willigen „Umstehenden“.

 

Wer an nagender Eifersucht leidet, der kommt eben in der Regel erst mal nicht auf den Gedanken, dass das allein sein oder ihr Problem sein könnte, sondern findet im Nebenbuhler oder  beim eigenen Partner all jene Ansatzpunkte, die unbedingt „geändert“ werden müssen, damit die „eigene Welt“ wieder in Ordnung kommt.

 

Genauso, wie schon bei vielen Anfängen von Beziehungen oft innerlich mitschwingt: „Toller Mensch, die ein oder andere Macke werde ich ihm / ihr schon abgewöhnen“. Und wieder ist man „beim anderen“ und nicht bei sich.

 

Es dauert, je nach Persönlichkeit, seine Zeit (bis dahin, dass das nie passieren wird), bis der Mensch sich selbst in den Blick bekommt und versteht, dass die einzige Person, auf die man Zugriff hat, die man versuchen kann, zu verändern, zunächst einmal die eigene ist.

 

Genau dies aber ist in sehr guter Weise in diesem Buch erkannt und angesprochen.

 

Corssen und Tarmitz rekurrieren umfassend, eindringlich, überzeugend und sehr verständlich beim Leser darauf, dass die ersten Schritte zu gelungenen Beziehungen, zu einer konstruktiven Anbahnung von Beziehungen und zur Be- und Verarbeitung konfliktträchtiger Beziehungen in den „eigenen vier Wänden“ der eigenen Persönlichkeit und Haltung beginnt.

 

„Der intelligente Selbst-Entwickler hat sich entschieden, andere nicht verändern zu wollen. Er wartet auch nicht darauf, dass sich bei den anderen endlich etwas ändert. Er beginnt mit der Entwicklung bei sich selbst“.

 

Zudem  verweisen die Autoren grundlegend darauf, dass es hier nicht um das Erlernen einer „Fremdsprache“ geht, sondern um ein „wieder frei setzen“ innerlich vorhandenen Wissens, um zu einer weltoffenen, nicht Schuld zuweisenden und sich selbst entwickelten Haltung zu gelangen.

 

„Wir Menschen sind soziale Wesen“. Menschen wissen eigentlich, wie das geht, mit dem oder der anderen.

 

Auf der Basis der professionellen Kompetenzen der Autoren in Verhaltensforschung Neuwissenschaften, beratender und verhaltenstherapeutischer Arbeit entsteht so ein gut strukturierter und gut zu lesender Überblick über das, was Beziehungen in vielen denkbaren Situationen, gelingen lässt, wenn auch zu oft der beispielhafte Blick auf Paarbeziehungen (vom „Anbahnen“ bis zur „Trennung“) schweift (was das eigentliche Thema des Buches hier und da zu sehr verengt).

Vom Eröffnen von Beziehungen über das Miteinander, Gegeneinander und Auseinander bis hin zum Neuanfang werden die wesentlichen Beziehungsthemen (wie Zurückhaltung, Abenteuerlust, Verbundenheit, Machtausübung, Kontrollversuche, Abschied und vieles mehr) aufgegriffen und in ihrer Dynamik erläutert.

 

Immer wieder einmündend und auf dem Hintergrund des Zieles des Buches, eine „Hilfe zur Selbstentwicklung“ zu sein. Nicht gegen, sondern im Miteinander auch mit den eigenen „heimlichen Begleitern“, die aber erst mal ans Licht gebracht werden müssen.

 

Und, wie der Begriff es in sich trägt, hier geht es nicht um Manipulation anderer oder strategischen Tricks vom Flirten bis zum Geschäftlichen, sondern um die Wahrnehmung und Entdeckung der eigenen Beziehungsmuster und deren konstruktive Entwicklung. Eben „bei sich anzufangen“ und dann praktikabel erläutert zu bekommen, wie dies dann konstruktiv auf das Beziehungsleben „zu und mit den anderen“ sich auswirkt.

 

 

Verständlich, überzeugend und lesenswert.

 

M.Lehmann-Pape 2014