Kösel 2014
Kösel 2014

Johanna Müller-Ebert – Wie Neues gelingt

 

Entwicklung von Veränderungskompetenz

 

Ein zentrales menschliches Dilemma besteht darin, dass jede Entwicklung, jedes Lernen, jeder „Schritt voran“ in der Regel mit dem Betreten von „noch unbekanntem Gebiet“ verbunden ist, dass aber Lernen, sich Entwickeln, sich teilweise auch durch äußere Umstände neu orientieren müssen einerseits dem Drang nach Entwicklung im Menschen entspricht und andererseits von außen gefordert her nicht selten im Raume steht.

 

Dies reibt sich mit einem anderen, wichtigen Zug im Menschen, dem Bedürfnis nach Sicherheit, nach klaren Konturen, vertrauter Umgebung und gewohnter und damit sicherer Abläufe.

 

So sind einerseits Veränderungen Teil des Lebens und sorgen andererseits umgehend für Verunsicherung. Was nicht selten im Übrigen dazu führt, dass Menschen lieber versuchen, beständig auf der „sicheren Seite“ des Lebens zu beharren (bis hin zur Lähmung bei allen möglichen kleinen und großen unter Umständen anstehenden Entscheidungen) und alles Fremde (und jeden Fremden) zunächst als bedrohlich ablehnen.

 

Was sich dann wiederum, wie Müller-Ebert sehr verständlich beschreibt („Verändern ist überall“) mit dem „Leben an sich“ in unguter Reibung oft ausdrückt.

 

Wenn aber Veränderung durchaus vielfache förderliche Impulse in sich trägt, wenn Menschen innerlich wachsen und von Natur aus jeweils „mehr“ lernen möchten und wenn die äußeren Lebensumstände gerade in der Moderne deutlich häufiger Veränderungen erfordern als noch zu früheren Zeiten, dann ist sicherlich der Erwerb einer „Veränderungskompetenz“ ein wichtiges Element für das Leben.

 

Behutsam geht Müller-Ebert bei diesen Erkenntnissen und der Umsetzung ihrer Methode vor. Eine Vorgehensweise, die neugierig hält, aber nicht mit zu hohen Anforderungen von Beginn an verschreckt.

 

Mit vielen Beispielgeschichten, überwiegend mitten aus dem Leben heraus, setzt die Autorin im Lauf ihrer Erläuterungen eine sehr lebendige, motivierende Atmosphäre zum einen in die Richtung einer „Motivation zur Veränderung“ beim Leser, zum anderen in die Richtung eines „möglich seins“ von Veränderungen („so wie die (Personen im Buch) das angegangen sind und geschafft haben, so kann ich das auch“).

 

Für eine eigene „willentliche kreative Mitwirkung an einem zufriedenstellenden eigenem Leben“, wie Müller-Ebert ihr Ziel für den Leser formuliert. Wobei deutlich bleibt, dass es nicht um eine einmalige Veränderung bei konkreten Problemen geht, sondern um den Erwerb einer Kompetenz zur Veränderung immer da, wo es nötig und wünschenswert erscheint, um „im Fluss des eigenen Lebens“ zu sein und zu bleiben.

 

„Alles hat ein Ende, nur die Veränderungsprozesse nicht“.

 

Ändern beginnt dabei im Alltag und „motiviert von Innen“, Verändern geschieht nicht hektisch, sondern mit der notwenigen Zeit, die auch Geduld erfordert, Verändern will ab einem bestimmten Punkt wirklich getan werden („den Schalter umlegen“) und „das Neue“, die eingetretene Veränderung will und soll dann „Wurzeln schlagen“, verarbeitet und für das eigene Leben gesichert werden.

 

Diese vier Schritte sind nun an sich keine unbedingt neuen Postulate, sondern entsprechen der Erfahrung so gut wie jeder gelungenen Veränderung.

 

Die Stärke des Buches liegt daher nicht in einem „neuen Königsweg“, sondern in der sachten Heranführung an das Potential von Veränderungen, in der Stärkung der Motivation beim Leser, an bestimmten Punkten des eigenen Lebens eine solche Veränderung zu wollen und diese, begleitet von den vielfachen Beispielgeschichten, dann auch für möglich zu halten.

Und in der praktischen Begleitung durch vielfache Übungshinweise an den Leser.

 

Für Leser, die sich in „Geschichten“ wohlfühlen, die anhand der Beispiele anderer für sich gut zu lernen verstehen  bietet dieses Buch eine wohltuende Lektüre mitsamt den Hinweisen auf mögliche „Stolpersteine“ und Erläuterungen dysfunktionaler und daher zu vermeidender Strategien bei den einzelnen Schritten.

 

 

Durchaus lesenswert, nicht nur, wenn gerade Veränderungen anstehen, sondern auch zur Reflexion der eigenen „Veränderungsoffenheit“.

 

M.Lehmann-Pape 2014