Kösel 2013
Kösel 2013

Jonathan Briefs – Ich habe keine Lösung.... aber ich bewundere das Problem

 

Gegen die „Selbstsabotage“

 

Jonathan Briefs coacht Menschen, darunter auch Spitzensportler und hat für sich (wieder Titel es schon zum Ausdruck bringt) eine Systematik der „Provokation“ entwickelt, die sich nicht nur locker und sehr humorvoll liest, sondern bei welcher der Leser nach kurzer Zeit bereits merkt, dass hier nicht nur ein anderer, frischer Ansatz im Coaching beschrieben wird, sondern Briefs mit durchaus reflektiertem System vorgeht.

 

Ähnlich wie damals Watzwlawick mit seiner „Anleitung zum Unglücklichsein“, wählt Briefs eine „Anleitung zum Misserfolg“, um in jenen, die er coacht, andere Reaktionen, die „Seite des Erfolges“ hervor zu holen. Und das vollzieht Briefs durchaus erfolgreich, wie man unter anderem an der Entwicklung des Spitzen Ski-Läufers Christian Neureuther ablesen kann.

 

Provokativ versucht er, in seinem Coaching den „Flow“ freizusetzen, der auch in der positiven Psychologie zugrunde liegt.

 

„Wenn der Spaß im Mittelpunkt steht und nicht eine (wie immer geartete) Belohnung oder Schmerzensgeld, ist man langfristig erfolgreich und  auch gesund“.

„Spaßarbeiter leben ihre Stärken“.

Und da Briefs mit  seinem Schwerpunkt im Sportbereich arbeitet, zeigt er an vielen Beispielen in lockerer Sprache im Buch auf, wie diese „innere Motivation“ freigelegt, gepflegt und erhalten werden kann.

 

Theater, Rollenspiele, Fantasiereisen sind (durchaus ja gängige) Methoden, die Briefs dafür nutzt. Sein Weg aber ist ein etwas anderer. Er arbeitet mit Problemzonen-Vertiefung, Mit Verneinungen, mit einer Anleitung zum Misserfolg. Letztlich natürlich mit dem Ziel, diese belanglos zu machen für die zukünftige Leistung und Motivation des Sportlers. Quasi durch einen „vorweggenommenen“ und „vorbedachten“ Misserfolg diesem gegenüber nicht mehr oder nicht mehr so sehr anfällig zu sein. Ein „Mentaltraining“ der überraschenden Elemente. Wobei „das Lachen“ immer zentraler Bestandteil der Arbeit ist und so in der Beratung die herzustellende „Freude“ bereits als Instrument dient.

 

Also, für den Leser gilt: „Willkommen im Jammerlappenland“, in dem jeder, auch  der Leser, Probleme hat. Wie man nun aber darauf reagiert, dafür trägt man tatsächlich selbst die Verantwortung. Jawohl, „jammern“, das beherrscht der Mensch doch nun wirklich in Perfektion. „Darin sind sie wirklich Experte. Herzlichen Glückwunsch! Problemlösung nein danke.“ Es soll eben nur ein wenig erträglicher werden.

„Sie können nicht über das Problem jammern und daneben eine Lösung erarbeiten. Sie müssen sicht tatsächlich entscheiden“.

 

Und damit hat Briefs tatsächlich recht und schafft es mit seiner Vielzahl an Instrumenten und ganz praktischen Arbeitsanleitungen für den Leser, inklusive einer stets direkten Ansprache des Lesers, das einem hier und da doch das Lachen im Hals stecken bleibt und die eigenen Strukturen sehr intensiv in den blick rücken.

 

Allein das lohnt schon das Lesen des Buches. Mitsamt der stets im Hintergrund erkennbaren Kompetenz des Coaches ist die Lektüre einfach nur zu empfehlen. Selbst für die, die das Problem gerne bis Ultimo verlängern möchten, weil es so „kuschelig“ in der Problemzone ist. Wer das nicht möchte, findet viele Übungen, die für die eigene Reflektion geeignet sind. Und später dann vielleicht in eine reale Beratung den Leser führen, wenn er über dieses Buch hinaus mehr an „Freude“ ins Leben integrieren will. Provozierend genug ist das Buch dafür auf jeden Fall.

 

M.Lehmann-Pape 2013