Integral 2014
Integral 2014

Joseph Emet – Buddhas Buch der Gelassenheit

 

Anregungen zur inneren Ruhe

 

Achtsamkeit ist einer der Begriffe und eine der Haltungen, die in den letzten Jahren bereits eine weite Verbreitung erfahren haben.

 

In der Geschwindigkeit der Zeit, den vielfachen Berichten über „Ausbrennen“, den ebenso vielfachen Anforderungen an eine immer größer werdende auch innere Flexibilität gerät der Blick für sich selbst, die Ruhe und Muße, die „Besinnung“ gerne und häufig aus dem Blick.

 

Für Leser, die sich,  zumindest ein stückweit, aus dieser Eile hinauszuziehen gedenken, die (wieder) mehr sich selbst, den eigenen Körper, die eigene innere Befindlichkeit in den Blick nehmen möchten, bietet dieses sehr flüssig und einfach zu lesende Buch durchaus eine ganze Reihe von Anregungen und Möglichkeiten.


„Achtsamkeit ist ein Kind Buddhas“, dies setzt Emet seinen vielfachen Übungen voraus und legt sodann in überschaubaren Abschnitten Einsichten, Worte und daraus folgende Übungen für vielfache alltägliche Situationen vor, mit denen auch der ungeübte Leser umgehend ganz praktisch „Luft heraus lassen kann“.

 

Auf einem Weg „vom Stress zum allgemeinen Wohlergehen“, beginnend mit einsichtigen Überlegungen, dass vielfach jener belastende Stress gerade durch eigene Handlungen und Reaktionen manches Mal überhaupt erst erzeugt, zumindest aber in seinen Auswirkungen teils drastisch gesteigert wird.

 

Emet leugnet nicht, „dass das Leben anstrengend ist“, seine Zielrichtung mit den Worten Buddhas zielt vielmehr auf genau jenen Teil des Stresses ab, der sich „im Kopf“ abspielt.

 

Beide Stressformen unterscheiden zu lernen, den äußeren, nicht beeinflussbaren Stress als Teil des Lebens anzunehmen, den inneren, beeinflussbaren Stress dabei aber mehr und mehr zu reduzieren, dazu verhilft dieses Buch mit seinen Hinweisen und Übungen allerdings durchaus. Zumindest erreicht Emet sein Ziel (wenn man als Leser zumindest einige der Übungen erprobt), den „Scheuklappeneffekt des Stresses“ ins Bewusstsein zu heben und damit schon einen gewichtigen Schritt hin zur tendenziellen Beruhigung anzuleiten.

 

Wobei das wichtigste Element für alle Bereiche der Achtsamkeit (und des Lebens aus dieser Haltung heraus ist), dass „nach Innen“ geblickt werden kann. In Ruhe.

 

Das man selbst wie ein „Beobachter“ die gienen Begierden, Abneigungen und emotionalen Impulse zu betrachten vermag, ohne von ihnen umgehend rein reaktiv angetrieben zu werden.

 

„Im Stressmodus können sie den Stress nicht beherrschen“, das ist eine der grundlegenden Erkenntnisse, die Emet ruhig und verständlich vermittelt und mittels erster, einfacher Atemübungen sich verankern lässt.

 

Wobei er in seinen Ausführungen das Bild des „Elefanten“ (das Unterbewusstsein) nutzt, um zu verdeutlichen, welche Macht das Unterbewusste besitzt und zugleich auch in drastischen Beispielen (Achtsamkeit im Gefängnis) den Blick für Möglichkeiten eröffnet.

 

Den „Geist“ wahrnehmen, „Kontrolle und Akzeptanz“ unterscheiden und anwenden lernen (beim einfachen „Sitzen am Speisetisch“ angefangen) und Veränderungen in Ruhe und Gelassenheit herbeiführen, Schritt für Schritt leitet Emet in der Tradition Buddhas den Leser hierzu an.

 

Kein Buch für ungeduldige Leser, aber ein anregender und angenehmer Begleiter, Ungeduld zumindest in Teilen wahrzunehmen und ablegen zu können.

 

 

Eine empfehlenswerte „Praxis-Lektüre“, die nicht unbedingt den „großen Wurf“ oder „ganz Neues“ anbietet, aber im Ton und in den Übungen einen guten Rhythmus vorgibt.

 

M.Lehmann-Pape 2014