Beltz 2014
Beltz 2014

Joseph P. Forgas – Soziale Interaktion und Kommunikation

 

Interessanter und lesenswerter Ansatz

 

In erster Auflage bereits 1987 und nun in bereits vierter Auflage ist und bleibt der spezielle Ansatz des psychologischen Herangehens an soziale Interaktion über die Jahrzehnte hinweg eine lesenswerte und fundierte Lektüre, die im Reigen der eher kognitiv ausgerichteten Sozialpsychologie einen wichtigen, eigenen Aspekt mit hineinbringt.

 

In seiner Betonung gerade des „Sozialen Aspektes der Sozialpsychologie“ im Sinne der Untersuchung des Austausches sozialer Interaktionen ist der Forschungsschwerpunkt des australischen Professors der Sozialpsychologie, mithin somit der „traditionelle Ausgangspunkt“ der Disziplin selbst.

 

Durch den verständlichen Sprachstil und  die ruhige Breite der Darstellung ist dabei die Lektüre des Buches auch für interessierte Laien außerhalb des engen Wissenschaftsbetriebes gut geeignet und eröffnet in und außerhalb des wissenschaftlichen Diskurses einen informativen und gründlichen Blick auf die Welt der zwischenmenschlichen Beziehungen.

 

„Wirksam mit anderen interagieren zu können, ist im Privatleben wie im Arbeitsleben von entscheidender Bedeutung“.

 

Wie aber gelingt es, aus vielleicht eher schweifenden, intuitiven Interaktionen (im Rahmen der „Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren“ (Watzlawick)), zielgerichtet und wirksam „sich mitzuteilen und den anderen zu verstehen“?

Welche Regeln rahmen zwischenmenschliche Interaktionen? Welchen Gesetzmäßigkeiten folgt der Austausch zwischen Menschen?

 

Vielfach werden solche Interaktionen automatisch und unreflektiert „einfach so“ vollzogen, dennoch stehen hinter selbst einfach scheinenden Interaktionen oft komplexe psychologische Prozesse. Prozesse, die Forgas im Buch im Einzelnen aufgreift und ausführlich erläutert.

 

Hierzu bietet Forgas eine kurze historische Einführung in das Fach, dem er eine ausführliche Darlegung der beiden „Grundkomponenten“ des Interaktionsprozesses folgen lässt, der „Personenwahrnehmung“ und der „Interpersonalen Kommunikation“.

 

Die stetig komplexer werdenden Bereiche (und damit auch komplexer in der Darstellung im Buch) des Wesens und der Entwicklung persönlicher Beziehungen, der Prozesse sozialer Beeinflussung und der Interaktion in Gruppen bilden den Schwerpunkt des zweiten Hauptteils im Buch, bevor Forgas im letzten Kapitel alle Ergebnisse zusammenfasst und das komplexe Geflecht sozialer Interaktion mit den Strategien der Eindruckssteuerung, der Attribution und Kommunikation verständlich und überzeugend dem Leser vor Augen führt.

 

Mit dieser klar strukturierten und je in sich geschlossenen Darstellung gelingt es Forgas, das breit vorhandene Wissen um die soziale Interaktion aus dem impliziten und unsystematischen Erleben hinaus zu führen in eine reflektierte und systematische Darlegung der „dahinter liegenden“ Prozesse zwischenmenschlicher Kommunikation.

 

Wie das Alltagserleben oft zeigt: trotz des Gefühls „fester Eindrücke“ täuscht man sich oft in der „richtigen“ Einschätzung anderer, vereinfacht zu sehr oberflächliche Eindrücke zu einem schnellen Gesamtbild, ohne sich die Komplexität von Persönlichkeiten und Interaktionsprozesses in der nötigen Klarheit vor Augen zu halten.

 

Eindrucksbildung, intuitive Folgerungen über Menschen, die Erklärung des eigenen Verhaltens, all diese Elemente finden im Buch eine intensive und zum eigenen Nachdenken hoch anregende Reflexion,  die ein wichtiges und fundiertes Wissen je vermitteln.


M.Lehmann-Pape 2015