scoventa 2016
scoventa 2016

Julia Riebeling – Nestbeschmutzer

 

„Entfesseln Sie den Self-Love Rebel“

 

Das ist, worum es letztlich Julia Riebeling in ihrer frischen Sprache und auf den Punkt getroffenen Beispielen aus der Lebenspraxis in Familien geht.

 

Es innerhalb der vielfachen, oft unterschwelligen und unterbewussten Strukturen einer Familie, die den oder die Einzelne gerne auf ihrem zugeordneten Platz halten möchte, hinzubekommen, das eigene Ich zu entfalten, den eigenen Weg zu finden und dies dann auch gegen so einiges an Widerständen in der Familie durch- und umzusetzen,

 

„…. und Sie gehen, statt zu versuchen, dem Idealbild der Eltern zu entsprechen“.

 

Wobei es sich in Teilen des Buches, gerade ob der legeren und lockeren Herangehensweise und ebensolcher Sprache, zwar alles recht einfach anhört, aber Riebeling selbst die Differenzierungen aufzeigt. Hier werden nicht einfach plakative Appelle mit leichter Ironie dem Leser geliefert, sondern auch die Hintergründe der Bindungen, der „will top lease“ mit unter die Lupe genommen.

 

Es ist ja auch kein einfaches Unterfangen, von Geburt an konkrete Beziehungsstrukturen „mit der Muttermilch“ einzusaugen, über lange Jahre hinweg aus intrensischem Antrieb heraus (und nicht nur aus der Angst vor Strafe), das Wohlwollen der Eltern zu suchen und jene Strategien prägend zu lernen, die dieses herstellen.

 

Auch wenn Riebeling ebenso das Mittel der Pointierung benutzt („…kann es Ihnen ganz egal sein, was andere Menschen – vornehmlich der Familienmob – von ihnen hält…..“), dass das Lösen nicht einfach, der eigene Weg zunächst recht unklar und eher dumpf geahnt denn klar formuliert im Raum steht, dass drückt das Buch sehr wohl auch an den entsprechenden Stellen aus.

 

Denn klar ist, dass es sich nicht gut anfühlt, den Ansprüchen gerade der Eltern auch nur teilweise nicht zu genügen und dann auch noch 2die kalte Schulter“ zeigen und sich locker abwenden aus solchen Gesprächen und Ansprüchen, das kann und wird durchaus Nerven kosten.

 

Aber, und das ist und bleibt der Kern, von dem Riebeling (zum Glück), nicht abrückt, um „ein freier Mensch“ und damit „selbstbestimmt“ zu werden gilt es nun einmal, sich aus den vielen kleinen und großen, subtilen und lauten, Ansprüchen der Familie und dem ständigen Versuch, einen „klein zu halten“ deutlich und klar zu lösen.

 

Auch um den Preis dann eben „der Nestbeschmutzer“ zu sein. Sätze zu hören wie: „Du bist auch nicht mehr das Kind, das ich großgezogen habe“ und mit Inbrunst antworten zu können: „Zum Glück nicht“ (weil dann keine Entwicklung stattgefunden hätte).

 

Jenes: „Wir wollen nur dein Bestes“ ist eben zwiespältig zu verstehen und im Zweifel ist die Antwort. „aber ihr bekommt es nicht“ die bessere Wahl.

 

Mit vielen Anleitungen, Erläuterungen, unterfüttert durch praktische Beispiele und versehen mit Arbeitsblättern, die verständlich und klar zur Reflexion einladen und Schritt für Schritt „in die (innere) Freiheit“ führen, ist Julia Riebeling ein echtes „Selbst-Erlebnis Buch“ gelungen, dass im Familienverbund nicht unbedingt auf allgemeine Begeisterung treffen wird, aber eben dem Leser jene Mechanismen vor Augen führt und ihm hilft, sich daraus zu lösen, die ihn ansonsten „verstaubt auf dem Kaminsims“ belassen würden.

 

Ohne dabei, und das ist wichtig klar zu lesen und zu sehen, mit der Familie „einfach so“ zu brechen. Aber irgendwann werden aus Kindern Erwachsene und dann ist die Aufgabe gestellt, die eigene Position im Familiengefüge bewusst einzunehmen und nicht aus Scheu vor Konflikten oder „unbedingt gefallen wollen“ auf jene „Eigendrehung“ hin zu sich selbst zu verzichten. Und das geht, wie Riebeling aus ihrer eigenen Erfahrung weiß und zu vermitteln verssteht.

 

 

Eine echte Hilfe zur vielfachen aktiven Beziehungsgestaltung und zur Hinwendung zum eigenen Leben.

 

M.Lehmann-Pape 2016