Carl Auer 2016
Carl Auer 2016

Konrad Peter Grossmann – Psychotherapie mit Männern

 

Theorie und Praxis männerspezifischer Psychotherapie

 

„Gibt es männerspezifische Leidenszustände? Wenn aj, wie entstehen wie, was hält sie aufrecht?“.

 

Das sind die Grundfragen des Buches, die sich nach den grundlegenden theoretischen Betrachtungen des ersten Teils des Werkes dann weiter entfalten in Richtrungen eines „männerfreundlichen Therapiesettings“ und einer therapeutischen Dynamik, die an männliche Problemlösungsstrategien anschließt.

 

Wobei Grossmann ebenso auf eine Grundproblematik eingeht (und diese sehr klar herausarbeitet), dass vielfache „Begleiterscheinungen“ und „Grundanliegen“ der Psychotherapie mit einem „klassischen“ männlichen Selbstverständnis kaum einhergehen.

 

Preisgeben privater Erlebnisse, über sein „Inneres“ überhaupt und dann sogar fließend reden, eine „nichtsexuelle Intimität“, die sich im therapeutischen Prozess fast zwangsläufig einstellt, das Offenbaren von Verletzlichkeiten, das Zeigen von Schwäche.

 

Die Liste lässt sich auch mit wenig Fantasie noch lange weiter fortsetzen. Dennoch begeben sich immer mehr Männer, statistisch gesehen, in Therapie. Und auch das hat Gründe, die Grossmann in großer Ruhe fundiert vorlegt, wie er sich im Gesamten der Darstellung treffsicher formulierend zeigt.

 

In einer Zeit, in der traditionelle Männlichkeitsvorstellungen seit längerem bereits erodieren, in der ein „neuer Rahmen der Männlichkeit“ nicht entsteht, sondern das Suchen nach einer eigenen Haltung überaus individualisiert vonstattengeht, da ist Unsicherheit im Rollenbild vorprogrammiert, das ist klar, dass gerade auch Männer in die Reflexion eintreten, fast durch die Umstände gezwungen werden.

 

„Viele Dominanzstrategien sind mittlerweile kriminalisiert“, viel an, bis vor Kurzem noch als „authentischem Männlichen Verhalten“ steht allgemein in der Kritik. Dem korrespondiert, wie Grossmann verständlich aufzeigt, ein erhebliches „Mehr“ an Suchbewegung.

 

Sehr konkret und anschaulich führt Grossmann nach Rahmung des Themas und inhaltlicher Ausrichtung verschiedene spezifisch männliche „Leidenszustände“ an, die dem Leser umgehend ein griffiges Bild eben dieser spezifischen Ausrichtung vermitteln.

 

Ganz hervorragend gelingt es in diesem ersten Hauptteil des Werkes, den „Bezugsrahmen männlicher Problemstellungen“ differenziert herauszuarbeiten und das spezifisch Männliche konkret zu benennen.

 

Vielfach (und strukturell gut geordnet im Ablauf) geht Grossmann im zweiten Hauptteil dann auf die therapeutische Praxis ein. In einzelnen, nachvollziehbaren und je durch griffige Beispiele aus der Praxis illustriert entfaltet Grossmann darin ein spezifisch männliches Setting und ein spezifisches Instrumentarium, in denen auf der Basis des systemischen Ansatzes und stark lösungsorientiert ausgerichtet vielfache Impulse für die praktische, therapeutische Arbeit zu finden sind.

 

All dies lässt Grossmann im letzten Teil hin kulminieren zu einer sehr verstehenden Haltung der „Symptome männlicher Traurigkeit“, exzessiv Trinken, Suizidalität, gewalttätiges Verhalten, sexuelle Problemstellungen. Momente, an denen die Wandlung des traditionellen Männlichkeitsbildes genau abzulesen sind, an denen sich dann aber auch die „neue Hilflosigkeit“ zeigen und festmachen lassen kann. Und was man therapeutisch an Begleitung genau in diesen Hinsichten entfalten kann, um solche „Wankungen“ bestmöglich zu begleiten.

 

 

Eine im Stil sehr verständlich gehaltene Darstellung, die vielfach neue Impulse in die psychotherapeutische Praxis bringt.

 

M.Lehmann-Pape 2016