Carl-Auer 2009
Carl-Auer 2009

Kurt Ludewig – Einführung in die theoretischen Grundlagen der systemischen Therapie

 

Übersichtliche und fundierte Einführung

 

Es tut gut und ist hier und da auch notwendig, sich auf die Grundlagen besinnen zu kennen. Gerade im Bereich der systemischen Therapie, die seit Jahren erfolgreich praktiziert wird, ergibt der Blick auf die Literatur eine fast unendliche Liste an Fachwerken.

 

Methodische Möglichkeiten, Verfeinerungen des Instrumentariums, Erweiterungen des Ansatzes auf fast jedes mögliche beraterische und therapeutische Feld in Lebensberatung, Psychotherapie, therapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Coaching, der systemische Ansatz bei der Unternehmensberatung und der Arbeit mit Organisationen, vielfach ist die Ausdifferenzierung der systemischen Therapie in der Praxis.

 

Ausdifferenzierungen, die zwar nicht immer,  aber oft auch einhergehen mit eigenen Schwerpunktsetzungen der jeweiligen Verfasser, mit eigenen Interpretationen und Erweiterungen dessen, was zu Beginn als Grundlage erarbeitet wurde.

 

Kurt Ludewig nun führt den Leser wieder einmal (und das in bester, konzentrierter und komprimierter Weise) zurück auf die Grundlagen des systemischen Ansatzes und erläutert von Grund auf dem Leser den „systemischen Ansatz“ mit seiner ganz bestimmten Art und Weise, das Verhältnis von „Welt und Mensch“ zu denken. Eine Art der Herangehensweise, in der nicht Reduktion im Mittelpunkt steht, sondern das „System“ in seiner je vorliegenden Komplexität zum Gegenstand des Beobachtens und Denkens gemacht wird. Ein Ansatz im Übrigen, das wird oft vernachlässigt, der in seinen Grundzügen durchaus die „klassische“ Welt der Psychotherapie und Beratung hinausgeht. Auch wenn der systemische Ansatz originär auf der „Familientherapie“ basiert.

 

Auf diese Entwicklung ab 1981 legt Ludwig sein Hauptaugenmerk, führt dem Leser die systemwissenschaftlichen und konstruktivistischen Positionen des „Hintergrundes“ noch einmal vor Augen und geht Schritt für Schritt den Rahme n des systemischen Ansatzes nach.

 

Von der Begriffsklärung über die Denkvoraussetzungen hin zum „Menschenbild“ des „systemischen Prinzips“. Übergehend in die Darstellung der „Koppelung“ von systemischem Denken und Psychotherapie dann hin zu einer sorgfältigen  Darstellung der klinischen Theorie mit ihren Grundlagen und Konzepten.

 

Durchaus findet Ludewig hier auch Platz für eine zwar komprimierte, dennoch aber aussagekräftige Darlegung des methodischen Rahmens mit seinen Kriterien, den Leitsätzen und Leitfragen und den angewendeten Techniken.

 

 

Im Gesamten bietet das Buch eine fundierte Darstellung der Geschichte der Entwicklung des systemischen Ansatzes, der Adaption in der Psychotherapie und der zu Grunde liegenden klinischen Theorie. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre zur Reflektion der vielfachen Ausprägungen, welche der systemische Ansatz in der Gegenwart gefunden hat und eine Vergewisserung für jeden im Bereich arbeitenden über die theoretischen Grundlagen der systemischen Therapie.

 

M.Lehmann-Pape 2014