Carl Auer 2011
Carl Auer 2011

Lars Burmeister, Leila Steinhilper – Gescheiter Scheitern

 

Ein Plädoyer für die offene Zulassung von Misserfolgen

 

Kompetent, dynamisch, belastbar, hart an sich arbeitend, vor allem aber erfolgreich, das sind Werte (nicht nur im Arbeitsleben) der modernen Gesellschaft, die vorherrschend im Raum stehen. Ob im Sport, bei diversen Casting-Events, ob im privaten Umfeld oder im Blick auf die eigenen Kindern, schon der zweite Platz ist meist „der erste Verlierer“, nur in wenigen Ausnahmefällen erhalten „Verlierer“ eine allgemeine Anerkennung.

 

Diese Ausrichtung auf das „richtig machen“ und den „Erfolg“ steht allerdings diamentral anderen, durchaus bedeutsamen Elementen gegenüber. Vor allem der Innovation. Denn etwas weiter zu entwickeln, etwas neu anzugehen oder zu verändern, ist zum einen die treibende Kraft nicht nur westlicher Gesellschaften, sondern vor allem immer mit einem Risiko verbunden. Viel öfter misslingt eine Innovation zunächst, als dass sie auf Anhieb gelingt. Erfahrungen des Scheiterns sind somit ein elementarer Bestandteil aktiven und innovativen menschlichen Lebens. Nur darüber reden sollte man bisher nicht allzu laut.

 

Burmeister und Steinhilper bringen mit ihrem kleinen und überschaubaren Buch daher einen wichtigen Stein ins Rollen. Aus ihrer reichhaltigen praktischen Erfahrung der Beratung her verstehen beide es, an so manchen Fallbeispielen und Praxisbeispielen das „Scheitern“ zu „entzaubern“. Scheitern ist ein ganz normaler Prozess auf dem Weg von Entwicklungen, seien es persönliche oder sachliche Entwicklungen und Innovationen. Nimmt man dieses für sich an und nimmt damit ebenso den Nimbus des Negativen von diesem Scheitern hinweg, dann eröffnen sich umgehend konstruktive Wege, aus dem Scheitern zu lernen, eine Analyse des Erlebten wertfrei erheben zu können und damit den nächsten Schritt sinnvoll (und vor allem angstfrei) planen zu können.

 

Gerade für diesen Lernschritt bieten die Autoren nachvollziehbare und gute Tools im Buch an. Was dabei hilft, auch den „Mut zum Scheitern“ zu entwickeln, wie man aus „Projekten lernt, über die man nicht gerne spricht“ (die Schattenseiten eines Projektes, gescheiterte Vorhaben) und durch dieses Lernen dann „Strickmuster systemischen Scheiterns“ durchaus erkennen und damit einer Bearbeitung zuführen kann. Nicht, um damit demnächstiges, „Scheitern“ zu verteufeln oder zu eliminieren, sondern um zum „gescheiten Scheitern“ zu ermutigen, denn nur aus Erprobungen heraus, dem Mut zum Risiko und zum neuen Weg und den damit einhergehenden Fehlern wird sich im Lauf der Zeit bei „gescheiter“ Betrachtung ein erfolgversprechender und konstruktiver Weg zur Lösung konkreter Aufgaben und Probleme heraus entwickeln.

 

Tatsächlich gelingt es den Autoren nachdrücklich, dem oft verpönten (und verschwiegenen) Scheitern nicht nur seine Dramatik zu nehmen, sondern zudem gar noch dazu zu ermutigen, Risiken in Kauf zu nehmen. Im Wissen darum, das ein Lernrepertoire zur Verfügung steht, ein mögliches  Scheitern zu verarbeiten und für den weitern Gang der Dinge oder den weiteren, persönlichen Prozess nutzbar zu machen.

 

Sprachlich eingängig, leicht verständlich und die nötigen Grundlagen zum Verständnis der negativen Bewertung von „Scheitern“ legend, bietet das Buch wichtige Möglichkeiten und gute Argumente, für einen Perspektivwechsel zum gelassenen und konstruktivem Umgang mit „dem Scheitern“, welches jeweils nur als ein Schritt der organisatorischen oder persönlichen Entwicklung verstanden wird.

 

M.Lehmann-Pape 2012