Beltz 2015
Beltz 2015

Laura Seebauer, Jutta Jacob – Schluss mit meiner Wenigkeit!

 

Schritte zur Entwicklung von Selbstsicherheit

 

Selbstsicherheit hat viele Aspekte und wird sicherlich individuell auch sehr unterschiedlich gefasst, eines aber ist allen Betrachtungen des „Zustandes“ gemein: Fehlt die Selbstsicherheit, wird das Angehen von Problemen und des Lebensweges ganz allgemein deutlich schwieriger, als wenn dies mit einer Annahme seiner selbst und eines Vertrauens in die eigenen Kräfte angegangen wird.

 

In dieser schmalen, nichtsdestotrotz überaus gehaltvollen Betrachtung zum Thema Selbstsicherheit stellen die Autorinnen zum einen die wichtigsten psychologischen Überlegungen zum Thema in großer Breite vor, geben damit dem Leser die Gelegenheit, die eigenen, relevanten Aspekte in diesem wichtigen „Feld des Lebens“ näher zu bestimmen und geben sodann eine ganze Reihe praktischer, selbst umsetzbarer Übungen und Experimente an die Hand, die anhand von Fallbeispielen verständlich illustriert werden.

 

Die Themen im Buch sind kapitelweise voneinander abgegrenzt und können je für sich bearbeitet und gelesen werden. Das erleichtert dem Leser die für ihn relevanten Aspekte und Stichworte umgehend angehen zu können, ohne zwingend das gesamte Buch lesen zu müssen (was sich natürlich dennoch lohnt).

 

Im Grundverständnis folgen die Autorinnen dabei der dynamischen Betrachtung der Selbstsicherheit, ein Prozess, der immer wieder neu, aufeinander aufbauend in den entsprechenden Lebenssituationen und Anforderungen angegangen werden muss, der kein „ein für allemal jetzt aber selbstsicher“ kennt, der aber auf dem Weg der Entwicklung mehr und mehr das Vertrauen in die eigene Person und die eigenen Kräfte zu stärken versteht.

 

Nach Grundlegenden Darlegungen zur Weite des Begriffes Selbstsicherheit und zur Entfaltung der Möglichkeit, eigene Ziele zu setzen, wenden sich die Autorinnen den praktischen Aspekten des „Denkens von der eigenen Wenigkeit“ und deren Entwicklung hin zur Selbstsicherheit zu.

 

Hindernisse überwinden, Sich selbst finden (zunächst auch einfach sich Wahrnehmen im Rahmen von Achtsamkeit), ein sicheres Auftreten in Kommunikation und Körpersprache sich selbst ermöglichen, Kritik annehmen lernen (ebenso, wie Lob gelten lassen können), Beziehungen gestalten und den eigenen Mut finden, auch „unbekanntes Gebiet“ zu betreten (ein unerlässlicher Schritt für die eigene Entwicklung und ein Schritt, der genügend Selbstsicherheit benötigt).

 

Kurz und knapp werden die einzelnen Themen plakativ dargelegt, dabei sehr verständlich und griffig aber vor Augen geführt. Die Übungen und Möglichkeiten, die im Buch angestoßen werden, sollten aber nicht als komplettes „Programm“ im Sinne eines umfassenden Trainings verstanden werden, sondern mehr als Impulse für eigene Experimente, für ein Reflektieren des eigenen Verhaltens anhand der Inhalte des Buches und für ein langsames Umsteuern des eigenen Verständnisses mit Hilfe der Setzungen im Buch verstanden werden.

 

Wobei immer deutlich im Raum verbleibt, dass innere Prozesse auschlaggebend sind und nicht ein äußerer Habitus alleine zu erreichen wäre.

 

Wenn das Thema der Kritik (eines der sensibelsten Themen für den gesamten Bereich der Selbstsicherheit sicherlich) im Buch aufgegriffen wird und sich die Autorinnen zunächst dem „inneren Kritiker“ zuwenden, wird diese innere Dynamik und die verschiedenen individuellen Ausprägungen überaus deutlich.

 

 Ebenso, wie es als Methode möglich ist, durch ein verändertes äußeres Verhalten dann Einfluss auf die eigene, innere Befindlichkeit nehmen zu können.

Die Unterscheidung zwischen den wirklichen Fakten (eine eigentlich „kleine“ Kritik“) und der persönlichen Wahrnehmung und Bedeutung (dennoch „tief getroffen sein“) erhellt überaus, wie sehr es gerade im Bereich der eigenen Selbstsicherheit auf die Entwicklung eines „objektiven“ Blickes ankommt und damit eine Verminderung der eigenen „inneren Filter“ einhergehen wird, die nichts mit einfacher Ignoranz jener zu tun hat, die sich grundlegend einfach nur „gut“ finden (und damit ebenfalls keine „echte“ Selbstsicherheit entfalten, sondern nur eine Schutzmauer errichten).

 

Eine verständliche, klare, komprimierte und dennoch treffende und in die Tiefe reichende Darlegung eines zentralen Themas menschlichen Seins, dass sehr praxisnah Möglichkeiten an die Hand gibt, sich selbst „auf die Spur“ zu kommen und in Richtung einer dynamischen Selbstsicherheit zu entwickeln.


M.Lehmann-Pape 2015